Rückenwind durch neues Integrationsmanagement

„Vielfalt ist unsere Stärke“ - Bergkamener Integrationsrat skizziert Leitlinie und Projekte der Arbeit

Das Haus Frieden an der Präsidentenstraße – das Bild zeigt einen Familien-Brunch des dort beheimateten Flüchtlingshelferkreises noch vor Corona – soll offener Standort der Integrationsarbeit bleiben.
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Das Haus Frieden an der Präsidentenstraße – das Bild zeigt einen Familien-Brunch des dort beheimateten Flüchtlingshelferkreises noch vor Corona – soll offener Standort der Integrationsarbeit bleiben.

„Vielfalt ist unsere Stärke“ - so hat der neu gewählte Bergkamener Integrationsrat hat den Kurs für seine Arbeit abgesteckt.

Bergkamen – Integrationsarbeit bedeutet längst mehr als das reine Organisieren von Beratungs- und Hilfsangeboten für Zugewanderte. Es geht grundsätzlich um ein Zusammenleben ohne Hass, Gewalt und Diskriminierung. „Vielfalt“ heißt das Zauberwort – und in der jüngsten Sitzung des Integrationsrates fiel es gleich mehrfach.

Das neu gewählte Gremium stellte seine Projekte für die nahe Zukunft vor, die Verwaltung legte dar, wo und wie sie – in Kooperation mit den Aktiven – ihre Schwerpunkte setzen will. Dabei brachte Beigeordnete Christine Busch frohe Kunde mit: Zum 1. Juni werde eine Stelle im Integrationsmanagement der Stadt neu besetzt, teilte sie mit. Personelle Verstärkung verspreche zudem das Programm „Kommunales Integrationsmanagement“ des Landes (siehe Info-Kasten). Für eine Beteiligung am KIM hat der Kreistag jetzt grünes Licht gegeben.

Ein Fokus liegt auf Frauenrechten

„Vielfalt ist unsere Stärke“ – so heißt die Liste, der die fünf im September neu gewählten Mitglieder des Integrationsrates angehören. Der Name ist Programm: Neben klassischer Integrationsarbeit sollen auch Themen wie „Gewalt an Frauen“ und generell Frauenrechte aufgegriffen werden. Das erläuterte Mitglied Lejla Azimi. „Wir müssen da als Integrationsrat tätig werden und Hilfe anbieten“, forderte sie mit Blick auch auf Mobbing an Schulen, den alltäglichen Rassismus und teils fehlender Akzeptanz für bestimmte sexuelle Orientierungen.

Wobei Hilfe nicht unbedingt bedeute, ganz neue Angebote zu schaffen. Vielmehr müsse es darum gehen, dass Ratsuchende auch Kenntnis von den vorhandenen Beratungsmöglichkeiten hätten sowie adäquate Ansprechpartner. „Frauen sprechen oft ganz anders, wenn Männer dabei sind“, betonte Azimi. Überdies sei es wichtig, Beratungen in der jeweiligen Muttersprache der Hilfesuchenden anbieten zu können.

Offene Sprechstunden geplant

Laut Zekeriya Kalabalik, Vorsitzender des Integrationsrates, schweben dem Gremium offene Sprechstunden vor, um Zugewanderte und Hilfesuchende zu erreichen. Damit könne man aber erst nach der Corona-Pandemie beginnen. In diesem Zusammenhang berichtete Beigeordnete Busch, dass die Erziehungsberatung des Jugendamts in diesen Tagen gute Erfahrungen mit dem Angebot „Walk & Talk“ mache. Die Gespräche bei gemeinsamen Spaziergängen seien mitunter „vertrauensvoller“ und „inhaltsreicher“.

Laut Busch beabsichtigt die Stadt, das Haus Frieden an der Präsidentenstraße als offenen Standort auszubauen. Hier ist schon jetzt der Flüchtlingshelferkreis Bergkamen zu Hause und bietet unter anderem Sprachkurse an. Hier könnten demnächst zudem die offenen Sprechstunden des Integrationsrats stattfinden oder etwa auch Bewerbungstrainings für Migranten. Derlei Angebot steht ebenso auf der Wunschliste einzelner Mitglieder des Integrationsrats wie die Reaktivierung von Schreibfreundschaften zwischen den Generationen.

Viel Geld im Topf

Bei erfolgreicher Antragstellung kann der Kreis Unna im Zuge des Landesprogramms „Kommunales Integrationsmanagement“ (KIM) mit bis zu 815 000 Euro Fördermittel im Jahr für eine verlässliche und verbindliche Integrationsarbeit rechnen – bei einem vergleichsweise geringen Eigenanteil von rund 165 000 Euro. Dabei sollen die zehn Städte und Gemeinden im Kreis stärker eingebunden werden als bisher. In einer Mitteilung des Kreises heißt es: „Es gilt: Zugewanderte erreichen und nachhaltig beraten, Zugänge in Angebote erleichtern und Partizipation erhöhen sowie Übergänge von einem in den anderen Rechtskreis verbessert gestalten.“ Im Fokus der rechtskreisübergreifenden Beratung stehe der Zugewanderte mit seiner Lebensgeschichte und seinen Potenzialen.

Apropos Vielfalt: Den Gedanken, dass Bergkamen die Summe all seiner Einwohner ausmacht – egal, woher sie kommen, wohin sie wollen, an was sie glauben und wen sie lieben –, will auch „Bergkamen for all“ in die Stadt tragen. Als Jugend-Projekt gestartet, denkt die Steuerungsgruppe laut Busch zurzeit darüber nach, als Verein weiter zu agieren und sich so auch ein wenig von der Stadtverwaltung zu lösen.

Thema Vielfalt in Schulen tragen

Aktuell plant die Stadt nach Auskunft Buschs auch, sogenannte Vielfalts-Manager an Schulen zu installieren. Diese könnten sich unter anderem damit beschäftigen, welche Konsequenzen sich aus einem religiösen Glauben für den Schulunterricht und den Schulalltag ergeben – und um gegenseitiges Verständnis werben.

Das KIM sei zwar zunächst ein Projekt auf Kreisebene, verdeutlichte Busch. Dennoch sei an eine Personalausstattung vor Ort gedacht. Bergkamen will sich demnach mit Kamen und Bönen auf ein Zusammengehen verständigen. Derlei Kooperation gibt es bekanntlich auch in anderen Bereich wie etwa der Energieversorgung.

Blickwinkel der Behörden ändern

Nach Worten Buschs will auch der Kreis Unna mit seinem Kommunalen Integrationszentrum (KI) bei der Integration nicht mehr ausschließlich in Zuständigkeiten und Rechtskreisen denken, sondern das Thema „vom Menschen her denken“. Die sollen Verlässlichkeit erfahren und durch bessere Vernetzung von Ämter und Akteuren schneller die Unterstützung bekommen, die sie benötigen.

Nach Angaben des Kreises Unna hat jeder fünfte Bürger im Kreisgebiet eine Zuwanderungsgeschichte.

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