Anmeldung zum Fünf-Standorte-Programm

Bergkamens Optionen im Kohleausstieg: Chemiepark, Kanalachse, Kraftwerksstandort

„Integrierte Strukturstärkung Bergkamen-Nord“ heißt das Projekt, das Bergkamen mit Bundesmitteln gefördert sehen möchte. Ein Teilprojekt: die Entwicklung der 40 Hektar großen Erweiterungsfläche am Chemiepark samt Einbindung einer eigenen potenziellen Gewerbefläche direkt an der B233 (Werner Straße).
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„Integrierte Strukturstärkung Bergkamen-Nord“ heißt das Projekt, das Bergkamen mit Bundesmitteln gefördert sehen möchte. Ein Teilprojekt: die Entwicklung der 40 Hektar großen Erweiterungsfläche am Chemiepark samt Einbindung einer eigenen potenziellen Gewerbefläche direkt an der B233 (Werner Straße).

Was kommt, wenn die Kohle endgültig geht? Für die zig Millionen Euro aus dem Kohleausstiegsgesetz hat Bergkamen drei Optionen für neue Jobs:

Bergkamen – Wenn im Zuge des Kohleausstiegs bis zu 662 Millionen Euro an Bundesmitteln zur Strukturförderung nach Nordrhein-Westfalen fließen, möchte Bergkamen einen möglichst großen Batzen davon abbekommen. Dazu meldet die Stadt das Projekt „Integrierte Strukturstärkung Bergkamen-Nord“ beim sogenannten Fünf-Standorte-Programm an.

Das hiesige Projekt beinhaltet drei Teilprojekte: die Entwicklung von zwei Gewerbeflächen im Umfeld des Chemieparks, den Ausbau der Kanalachse zur „Freizeit- und Tourismusdestination mit überregionaler Strahlkraft“ sowie die gewerbliche Nachnutzung der Fläche des Kraftwerks Heil.

Kraftwerksstandort in Heil verschafft Zugang

Um die 662 Millionen für NRW bemühen sich fünf betroffene Kommunen: Duisburg, Gelsenkirchen, Hamm, Herne und der Kreis Unna mit seinen Kraftwerkstandorten Bergkamen, Lünen und Werne. Die Fördermittel werden von 2021 bis 2041 vergeben – nicht nach festen Kontingenten, sondern nach Projektqualität. Die Nutznießer des Programms stehen damit in Konkurrenz zueinander, zumal auch der Mittelabruf degressiv erfolgt, das jeweils bereitgestellte Fördervolumen stetig abnimmt.

Schwierige Orientierung im Paragrafen-Dschungel

Der Weg durchs Fördersystem ist kein leichter. Das wird unter anderem deutlich, wenn man die Verwaltungsvorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung, Strukturwandel und Wirtschaftsförderung liest, der sich am Dienstag, 27. April, ab 17 Uhr in der Römerberg-Sporthalle mit dem Thema beschäftigt. Auf sechs Seiten geht es um Gesetzes-Grundlagen, Gremien und Abläufe. In dem Papier ist auch von einem Förderprogramm die Rede, mit dem das Personal zur Bearbeitung des Fünf-Standorte-Programms auf Kreisebene aufgestockt werden kann. Für vier Jahre sollen die Kapazitäten erhöht werden. Dafür gibt es jährlich rund 400 000 Euro.

Konkurrenz innerhalb und außerhalb des Kreises

Die zehn Kommunen im Kreis Unna stehen nicht nur mit den vier genannten kreisfreien Städten in Konkurrenz, sondern auch untereinander. Die Gemeinde Bönen etwa hat als eine der ersten ihren Hut in den Ring geworfen und will für bis zu 55 Millionen Euro einen „Bio-Economy-Campus Unna/Hamm“ realisieren, in dem es um die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Wirtschaft geht.

Worum geht‘s konkret?

Chemiepark
Dieses Teilprojekt zielt auf die Entwicklung von zwei nahe beieinander liegenden Flächen mit den beiden Schwerpunkten „verarbeitendes Gewerbe“ sowie „wissensbasierte Dienstleistungen und Forschung“. Konkret geht es um ein sechs Hektar großes Areal an der Bundesstraße B233, das der Stadt gehört, und um die rund 40 Hektar Erweiterungsfläche des Chemieparks im Eigentum der Bayer AG. Beide Flächen sind bereits planerisch gesichert, könnten zeitnah entwickelt und mit einer Straße miteinander verbunden werden. Die Stadt nennt eine Richtgröße von 1 600 Arbeitsplätzen, die hier zusätzlich geschaffen werden könnten.

Kanalachse
Hier schwebt der Stadt eine systematische Verknüpfung der bislang nicht zugänglichen Landschaftsteile mit den bestehenden oder in Entwicklung befindlichen Freizeitflächen sowie den Wohn-, Dienstleistungs- und gewerbebezogenen Bereichen vor. Ziel ist es, den Standort zu einer Freizeit- und Tourismusdestination für ein nationales und internationales Publikum zu entwickelt. Große Bedeutung hat hierbei die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027. Die Realisierung des dabei geplanten „Zukunftsgartens“ zwischen Kanal und Halde „Großes Holz“ soll den Wandel der Landschaft an Lippe und Kanal zu einem außergewöhnlichen Erholungs- und Erlebnisraum vollenden.

Kraftwerksfläche
Das Teilprojekt zielt laut Stadtverwaltung auf die Vorbereitungen zur Nachnutzung der rund 60 Hektar großen Fläche des Steinkohlekraftwerks Heil nach dessen Stilllegung. Als Perspektiven böten sich dabei die Aufbereitung von Teilflächen für eine gewerbliche Nutzung an, alternative Möglichkeiten zur Energieerzeugung sowie Ideen zur Verknüpfung der Fläche mit Attraktionen wie der Marina Rünthe.

Der Kreistag hat bereits zugestimmt, dass dieses Projekt dem Strukturstärkungsrat zur Förderung vorschlagen wird. Dieser qualifiziert die von allen fünf betroffenen Standorten von Steinkohlekraftwerken eingereichten Projekte. Ein „Strategischer Beirat“ wiederum soll Leitlinien für die Gestaltung des Strukturwandels formulieren und ihre Umsetzung eng begleiten. In beiden Räten ist Bergkamen in Person des Ersten Beigeordneten bzw. des Bürgermeisters vertreten.

Weiter Weg durch die Instanzen

Im Kreis Unna werden Projekte aus den Kommunen von der Wirtschaftsförderung (WFG) erstbewertet. Die verbleibenden sogenannten „Projekte der qualifizierten Stadtebene“ erhalten von einem weiteren Untersuchungsgremium Anregungen zur Projektqualifizierung. Darin sitzen Vertreter der WFG, des bei der „Business Metropole Ruhr“ angesiedelten Projektbüros des Landes, der IHK sowie der Bezirksregierung Arnsberg, die sich um die Vergabe der Fördermittel kümmert. Die Ergebnisse sind vertraulich. Am Ende entscheidet der Kreistag, ob hiesige Projekte beim Land angemeldet werden. Ob’s am Ende dann Geld gibt, bleibt abzuwarten.

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