Knepper GmbH in Bergkamen-Heil

Auch Metallbauer klagen über Materialknappheit - und schwierige Preiskalkulationen

Tauschten sich über die Situation des Handwerks aus: (von links) Heils frühere Ortsvorsteherin Rosemarie Degenhardt, Knepper-Geschäftsführer Christoph Knepper, Marco Morten Pufke, Vorsitzender der Kreis-CDU, Detlef Schönberger, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, Elisabeth Winkelmeier-Becker, Parlamentarische Staatssekretärin, Detlef Kunkel, Obermeister der Bäcker- und Konditoren-Innung Soest-Lippstadt, sowie CDU-Bundestagskandidat Hubert Hüppe.
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Tauschten sich über die Situation des Handwerks aus: (von links) Heils frühere Ortsvorsteherin Rosemarie Degenhardt, Knepper-Geschäftsführer Christoph Knepper, Marco Morten Pufke, Vorsitzender der Kreis-CDU, Detlef Schönberger, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, Elisabeth Winkelmeier-Becker, Parlamentarische Staatssekretärin, Detlef Kunkel, Obermeister der Bäcker- und Konditoren-Innung Soest-Lippstadt, sowie CDU-Bundestagskandidat Hubert Hüppe.

Die Materialknappheit bei Werkstoffen betrifft nicht nur das holz-, sondern auch das metallverarbeitende Handwerk. Das sagte Christoph Knepper, Geschäftsführer der Knepper GmbH an der Königslandwehr in Bergkamen-Heil, die auf die Fertigung von Einzelteilen für den Maschinen- und Anlagenbau spezialisiert ist.

Bergkamen – Anlass für Kneppers Äußerung war ein Besuch der Parlamentarischen Staatssekretärin Elisabeth Winkelmeier-Becker aus dem Bundeswirtschaftsministerium am Stammsitz des Unternehmens.

Die Knappheit des Materials führe zu einer Verteuerung und in der Folge steige auch das Risiko bei der Preiskalkulation, machte Knepper deutlich. Beim Edelstahl sei er eine hohe Volatilität gewohnt, bei den anderen Metallen bis dato nicht. „Vor einem Jahr habe ich im Schnitt 80 Cent pro Kilogramm bezahlt, heute sind es 1,50 Euro und mehr.“

Fachkräftemangel bleibt Thema

Knepper geht davon aus, dass sich das Problem „in ein bis drei Jahren“ gelöst hat, wenn sich Angebot und Nachfrage wieder annähern, wobei das Preisniveau dann vermutlich dauerhaft höher liege als heute. Eine weitaus größere Herausforderung stelle aber nach wie vor der Fachkräftemangel dar.

Knepper beschäftigt an insgesamt drei Standorten rund 40 Mitarbeiter. Von den drei Ausbildungsplätzen sind aktuell zwei besetzt. „Ich hoffe, dass wir beim dritten auch bald Vollzug melden können“, meinte Knepper. Die aktuell schwierige Phase durchlebe das Unternehmen weitgehend unbeschadet, weil es nicht spezialisiert, sondern breit aufgestellt sei und jeweils die Nische besetze, in der es noch etwas zu verdienen gebe.

„Öffentliche Hand sollte Kulanz zeigen“

Staatssekretärin Winkelmeier-Becker berichtete, dass das Ministerium bereits auf das Problem mit den Preisschwankungen reagiert habe. Die öffentlichen Auftraggeber auf Bundesebene seien aufgefordert worden, sich finanziell stärker zu engagieren, falls Kosten aufseiten des Handwerks deutlich steigen würden – und auf Konventionalstrafen zu verzichten, falls es wegen Materialmangels zu Verzögerung komme. Damit verbunden sei die Hoffnung, dass die Verantwortlichen auf Landes- und Kommunalebene ähnlich verfahren und sich kulant zeigen würden. „Auf private Auftraggeber haben wir natürlich keinen Einfluss.“

Mit am Tisch saß am Montag auch Detlef Schönberger, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe in Soest. Er betonte, dass es in vielen der rund 2.600 organisierten Betrieben in den Kreisen Unna und Soest sowie der Stadt Hamm Schwierigkeiten mit der Materialbeschaffung und der Preisstabilität gebe.

100.000 Euro mehr fürs Material

Eine Zimmerei aus Anröchte etwa habe beim Dachbau für ein Feuerwehrhaus in Warstein fürs Holz etwa 100.000 Euro mehr ausgeben müssen als kalkuliert, bei einer Auftragssumme von rund 850.000 Euro. Die Stadt habe sich zwar bereit erklärt, einen Aufschlag von elf Prozent aufs Material zu zahlen. Das aber decke die Mehrkosten nicht. Ohne Weisung von oben sei die Stadt, die in der Haushaltssicherung stecke, nicht bereit, einen höheren Beitrag zu leisten.

Schönberger schilderte, dass sich immer mehr Betriebe zum Thema Preisgleitklauseln beraten lassen, um Risiken abzufedern. Neben der fehlenden Preisstabilität und der Schwierigkeit, Fachkräfte zu finden, habe das Handwerk mit einem weiteren Ärgernis zu kämpfen: der ausgeprägten Bürokratie bei öffentlich geförderten Projekten. Diese verschlinge immer mehr wertvolle Zeit.

Firma 1870 erstmals erwähnt

Zusammen mit der Staatssekretärin waren auch CDU-Bundestagskandidat Hubert Hüppe, Marco Morten Pufke, Vorsitzender der Kreis-CDU, und Heils frühere Ortsvorsteherin Rosemarie Degenhardt beim Treffen dabei.

Christoph Knepper (57) leitet das Maschinenbau-Unternehmen in vierter Generation. „Mein Urgroßvater hat als Schmied angefangen“, erzählte er. Die früheste Nennung des Betriebs sei in Aufzeichnungen von 1870 zu finden. Heute arbeitet Knepper sowohl für große Kunden wie Thyssenkrupp oder Salzgitter als auch für Ingenieurbüros, die Projekte überall auf der Welt realisieren. Der Jahresumsatz liegt bei rund sechs Millionen Euro.

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