Beethoven und Mozart

Klassik-Genuss vom Feinsten: Justus Frantz begeistert in der Marina Rünthe

Werke von Beethoven und Mozart spielte die „Festival-Philharmonie Westfalen“, dirigiert von Justus Frantz. Der Star des Abends setzte sich dabei auch an den Konzertflügel.
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Werke von Beethoven und Mozart spielte die „Festival-Philharmonie Westfalen“, dirigiert von Justus Frantz (Mitte). Der Star des Abends setzte sich dabei auch an den Konzertflügel.

Große Klassik, großer Genuss: Die Besucher in der Marina in Bergkamen-Rünthe erlebten am Freitag einen unvergesslichen Konzertabend. Der rote Teppich war ausgerollt, Pianist und Dirigent Justus Frantz (77) bestens aufgelegt – und das hervorragend besetzte Orchester der „Festival-Philharmonie Westfalen“ tat es ihm gleich.

Bergkamen – Frantz’ Bekanntheitsgrad liegt darin begründet, dass er vielen Menschen im Fernsehen die große Klassik mit Lust und Leidenschaft näher gebracht hat. Davon ließ er an diesem Abend, sehr zur Freude des Publikums, nicht ab: „Die Abfolge des Konzerts ist etwas ungewöhnlich, aber das liegt in technischen Dingen begründet“, erklärte der Altmeister nach der Begrüßung. So wurde mit Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 der Auftakt gestaltet, da der Flügel in der anschließenden Pause aus Platzgründen von der Bühne geschafft werden musste.

Die Marina bot eine ansprechende Kulisse.

Wie der Komponist selbst nahm Frantz nach weiteren Einführungen am Flügel Platz, um in einer beeindruckenden Gesamtleistung zu dirigieren und zu spielen. Mal sprang er auf, um die Philharmoniker anzuleiten, dann genügten Blicke und minimale Gesten, um während des eigenen Spiels ein harmonisches Ganzes zu erzeugen. Die vielen kleinen Stellen ließen die Besucher gleich bemerken, dass da eine kongeniale Leistung aller Beteiligten zu ihrem Vergnügen erzeugt wurde.

„Jeden Tag Mozart, es wird nie langweilig“

Mal spielte der Meister einhändig und sehr einfühlsam, zeigte dabei einem einzelnen Bläser mit kurzer Geste seinen Einsatz auf. Dann wirbelte er über die Tasten und machte mit Blicken und Nicken deutlich, wo mehr Einsatz und wo Zurückhaltung gefordert ist. Zwischendurch leistete er sich noch, lächelnd mit dem Publikum zu flirten. Die Musik bestach, und als Frantz nach der ersten Hälfte dem Publikum zurief, es solle doch auch zugunsten der jungen Musiker noch einmal und lauter applaudieren, zeigte er sich auch als hervorragender Teamspieler.

Als nach der Pause der Flügel entfernt war, setzte sich das Konzert mit der „Schwanengesang“ genannten Sinfonie Nr. 39 in Es-Dur, (Köchelverzeichnis 543) von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahr 1788 fort. Dazu gab Frantz ebenfalls eine kleine Einführung und wies auf die schwierigen Verhältnisse des Komponisten in seiner letzten Lebensphase hin. Mit diesen Informationen im Hinterkopf gelang es den Anwesenden, den Facettenreichtum dieses Werks wesentlich bewusster zu ergründen. So erklärte sich auch Frantz’ Zuruf: „Glauben Sie mir, Sie können jeden Tag Mozart hören, es wird nie langweilig.“

Zum Abschluss eine Ouvertüre

Ausgerechnet zum Abschluss erklang dann die Ouvertüre zu Mozarts Oper „La Clemenza di Tito“. Eine humorvolle Anekdote zu dieser Auftragsarbeit zur Krönung Kaiser Leopolds II. zum König von Böhmen gab dem Abend erneute Leichtigkeit, und das lebendige Werk zog die Besucher in ihren Bann. Die „Standing Ovations“ des Publikums machten eine Zugabe erforderlich, die der lässig im Sportsakko und Turnschuhen gekleidete Meister mit seinem Orchester gerne präsentierte.

Das Konzert fand im Rahmen der „Musik:Landschaft Westfalen“ statt. Die Reihe präsentiert Klassik an außergewöhnlichen Orten.

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