Generationenwechsel im Wohnquartier

Kiwitt-Park: Anwohner wünschen sich neue Spielgeräte für die Kinder

Nur ein einziges Spielgerät ist vom alten Spielplatz im Kiwitt-Park übrig geblieben. Aktuell müssen die Kinder ihre Gerätschaften selbst mitbringen.
+
Nur ein einziges Spielgerät ist vom alten Spielplatz im Kiwitt-Park übrig geblieben. Aktuell müssen die Kinder ihre Gerätschaften selbst mitbringen.

Im sogenannten Kiwitt-Park in Bergkamen gibt es kaum noch Spielgeräte. Anwohner hoffen, dass sich das ändert. Im Viertel wohnen mittlerweile wieder viele Familien mit Kindern.

Bergkamen – Kaum scheint die Sonne, dann herrscht auf dem Kiwitt-Park genannten Gelände an der Bambergstraße reges Treiben. Kinder üben Fahrrad fahren, Hundebesitzer führen ihre Vierbeiner aus, Teenager packen die Picknickdecke aus und an den anderen Sitzgelegenheiten lassen sich Mütter und Väter nieder, um den Nachwuchs beim Spielen im Blick zu haben. Von einem kleinen Kinderkarussell abgesehen, fehlt es aber an öffentlichen Spielangeboten auf dem Gelände. Anwohner appellieren nun an die Stadt, die Fläche wieder aufzuwerten.

Klettergerüst und Spielgeräte, die es hier früher gab, wurden vor rund drei Jahren von der Stadt abgebaut, weil sie marode waren. „Eines dieser Spielgeräte, ein Federtier, hatten wir damals selbst angeschafft. Es war der Erlös eines Straßenfestes“, erinnert sich Hans Burczyk. Schon damals hätten sich die Anwohner dafür eingesetzt, dass es im Kiwitt-Park einen Spielplatz gibt. Und ohne die Stadt, die den Löwenanteil der Kosten stemmte, hätte es Rutschen, Kletterwand und Co. auch nicht gegeben.

Doch nun sind diese Zeiten vorbei – und die heutigen Kinder finden im Kiwitt-Park kein allzu großes Spielangebot mehr. Nur die Hügel sind noch vorhanden, die den alten Spielplatz vom Rest des Geländes abgrenzen – und die beiden Metalltore auf dem Bolzplatz, die mehr als nur einen neuen Anstrich vertragen könnten.

Selbst beschäftigen können sich die Kinder im Kiwitt-Park auch, zum Beispiel mit Seifenblasen. Viel lieber hätten sie aber mehr Spielgeräte auf der Fläche, so wie es sie früher bereits gab.

Doch die Eltern sind kreativ: Ein Vater hat mit seinem Sohn ein Netz fürs Federballspiel aufgebaut, eine Mutter hat Seifenblasen-Wasser in der Tasche – und als ihr Sohn zu pusten beginnt, wird er schnell zur Attraktion der anderen Kinder. Auch die Hunde werden gern gestreichelt, Bälle geworfen und Fangen gespielt. Es scheint, als bräuchten die Kinder nicht viel, um hier glücklich zu sein. Doch: „Eine Schaukel wäre toll“, sagt die sechsjährige Emilia. Lilly Marie wünscht sich mit ihren drei Jahren einen Sandkasten – doch dem Wunsch von Schwester Nora (5) stimmt sie auch sofort zu: Die hätte nämlich gern ein Trampolin.

Max ist schon zehn Jahre alt, Jolina elf Jahre, ihr Bruder Marius 14. Die drei fänden eine Skateranlage ganz spannend. „Das wäre mega cool“, sagt Jolina, die weiß, dass es das früher mal am Wellenbad gegeben hat. Lennart würde sich eher wünschen, dass der Fußballplatz aufgewertet wird.

Eines haben Erwachsene wie Kinder und Jugendliche gemeinsam: Sie wollen, dass der Park erhalten und schön bleibt. Roller- und Mopedbanden und von ihnen hinterlassene Müllhalden will man hier nicht. „Aber irgendetwas für Jugendliche, wo wir uns wohlfühlen können, das wäre schon toll“, sagt der 14-jährige Marius.

Appell an die Stadt

Die Eltern appellieren daher dringend an die Stadt, dass wieder etwas aufgebaut wird. „Laut Flächennutzungsplan ist das noch eine Grünanlage“, sagt Hans Burczyk, „da kann man etwas tun“. Zumal auch der Spielplatz an der benachbarten Schillerschule nicht mehr existiert. Die nächstgelegenen Spielplätze sind damit an der Walter-Poller-Straße sowie in der Kleingartenanlage. Im Vergleich zum Kiwitt-Park direkt vor der Haustür sind die aber weit weg. Anwohner Andy Trohl schrieb deshalb einen offenen Brief an die Stadt mit einer Einwohneranregung zur Renovierung oder dem Wiederaufbau des Spielplatzes. Er nennt nicht nur die Wünsche der Anwohner, er nennt auch Zahlen: „Allein im Bereich der Wohnsiedlung Am Kiwitt Nummer 12 bis 40 wohnen elf Kinder, Am Kiwitt 8 und 10 wohnen vier Kinder.“ Und im weiteren Bereich der Straße sowie an der Bamberg- und Bogenstraße gebe es ebenfalls wieder mehr Familien mit Kindern. Der Generationenwechsel ist dort in vollem Gange.

Dass auch für Jugendliche im Bereich Nordfeldstraße der Kiwitt-Park interessant ist, zeigen Tessa Kamaj und Vivien-Fee Gornowicz. „Wir müssen nur einmal übers Feld“, erklären die 16 und 13 Jahre alten Teenager. „Wenn das hier wieder wäre wie früher, das wäre toll. Wir haben hier so viel gespielt und gelernt“, erzählen sie, während sie, auf einer Decke sitzend, die Sonne genießen. Auch sie hätten gern eine Skateranlage, wo man runterfahren kann. „Das würde doch auch gut zu den Bergen passen“, sagen die Freundinnen und meinen damit die Hügel rund um den Spielplatz – der durch ein Schild auch noch als solcher ausgewiesen wird, auch wenn es dort nur noch ein in die Jahre gekommenes Karussell gibt.

Bis zur Sommerpause soll die Politik entscheiden

Das Thema Spielplätze für den Kiwitt-Park steht auch bei der Stadtverwaltung auf der Liste der Dinge, die es zu besprechen gibt. „Wir haben es im Verwaltungsvorstand auch bereits vorbereiten“, erklärt die zuständige Beigeordnete Christine Busch. Doch die unterschiedlichen Gemengelagen erlauben derzeit noch keinen Ausblick. Das Thema muss zur Beratung in die politischen Gremien – und Busch erklärt auch, warum. Als die maroden und laut Plan zu ersetzenden Spielgeräte abgebaut waren, beschloss der Stadtrat, dass das Gelände mit einem UKBS-Mehrgenerationen-Haus bebaut werden sollte. Damit wäre der Spielplatz im Zuge der Siedlungserrichtung neu erstellt worden und die Stadt hätte nicht mehr tätig werden müssen. Doch dann platzte das Bauvorhaben – unter anderem auch am Widerstand der Anwohner. Der Rat entschied daraufhin, für das Gelände ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten. Solange nicht klar sei, sagt Busch, was mit dem Gelände passiere, „hat es nicht viel Sinn, Geld zu investieren“.

Dennoch wirkt Busch zufrieden, dass das Thema durch das Engagement der Anwohner wieder auf die Agenda kommt. „Es ist ein neuer Anlass, sich damit zu befassen und zu entscheiden, was wir an dieser Stelle haben wollen“, sagt die Beigeordnete. Denn zwischenzeitlich gab es auch den Antrag der Grünen, das Gelände doch so zu belassen, wie es ist, und es als Ort der Naherholung und für Klimafragen zu nutzen. Doch noch gibt es den gültigen Ratsbeschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen.

Mit der Spielplatz-Debatte nimmt die Diskussion wieder Fahrt auf, denn das Thema Kiwitt-Park gehört nicht nur in den Jugendhilfeausschuss, der über den Spielflächenbedarfsplan entscheidet, sondern muss auch aufgrund der vorhandenen Grünfläche im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz sowie mit Blick auf eine mögliche Bebauung im Stadtentwicklungs- und/oder Bauausschuss beraten werden. „Es ist die Politik, die nun entscheiden muss“, sagt Busch.

Die Verwaltung sei aber damit befasst, Vorlagen für die politischen Gremien und den parlamentarischen Gang zu erstellen. „Bis zur Sommerpause werden wir dann Handlungssicherheit haben“, schätzt Busch. Dass es bei einem positiven Votum für die Spielplätze aber in diesem Jahr dann schon neue Spielgeräte geben könnte, scheint aussichtslos. „Aktuell haben wir bei Spielgeräten 20 Wochen Lieferzeit“, sagt Busch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare