Schließung der Lebensmittel-Filiale naht

Kistenpacken im Rathaus-Center in Bergkamen - Bei Kaufland Frischeprodukte am Ende preisreduziert

Transparente weisen mittlerweile auf die Schließung der Kaufland-Filiale in Bergkamen-Mitte hin. Frischeprodukte sollen am letzten Verkaufstag preisreduziert angeboten werden, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit.
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Transparente weisen mittlerweile auf die Schließung der Kaufland-Filiale in Bergkamen-Mitte hin. Frischeprodukte sollen am letzten Verkaufstag preisreduziert angeboten werden, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit.

Kurz vor Schließung der Kaufland-Filiale im Rathaus-Center in Bergkamen werden in dem Einkaufskomplex auch an anderer Stelle erste Kisten gepackt. So wechseln zwei Geschäfte vom Erdgeschoss in obere Stockwerke. Lebensmittelhändler Kaufland kündigt unterdessen an, man werde frische Lebensmittel am letzten Verkaufstag preisreduziert abverkaufen.

Bergkamen – Mitte März hatte das Unternehmen öffentlich gemacht, seine Filiale in Bergkamen-Mitte zum 30. April schließen zu wollen. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, wie es hieß. Diese wurde nicht zuletzt durch den Konflikt mit dem Betriebsrat über die Gesundheitsvorsorge in Corona-Zeiten geschmälert, der nach wie vor auch vor Gericht ausgetragen wird. Kaufland hatte Mitte Mai 2020 die rund 100 Beschäftigten im Markt bei vollen Bezügen freigestellt. Seither betreibt eine externe Firma die hiesige Filiale, wodurch zusätzliche Kosten entstehen.

Da uns der bewusste Umgang mit Lebensmitteln sehr wichtig ist, haben wir bereits damit begonnen, einzelne Sortimente auszuverkaufen.

Eine Kaufland-Unternehmenssprecherin

Mittlerweile informiert Kaufland seine Kunden mit Transparenten an den Eingängen über den letzten Verkaufstag. Einzelne Regale haben sich bereits deutlich geleert. „Da uns der bewusste Umgang mit Lebensmitteln sehr wichtig ist, haben wir bereits damit begonnen, einzelne Sortimente auszuverkaufen“, sagt dazu eine Unternehmenssprecherin.

Kaufland hat die gesamte untere Etage des dreigeschossigen Rathaus-Centers bis zum 31. Oktober 2025 angemietet – und unter anderem die Ladenzeile vor den Kassen untervermietet. Vom Umzug der beiden Kaufland-Untermieter – ein Handyladen und ein Foto-Studio – berichtet auf Anfrage Thorsten Unterfeld, Geschäftsführer der DTU Beta GmbH aus Mainz, der das Objekt gehört. Ob weitere Geschäfte folgten, bleibe abzuwarten.

Keine Auskünfte über Zukunftspläne

Kaufland betont, dass man „selbstverständlich“ die Inhalte des Mietvertrags erfüllen werde und dazu mit dem Vermieter in Kontakt stehe. Nach Informationen des WA soll ein erstes Gespräch aber erst in der kommenden Woche stattfinden.

Ob dann die Zukunftspläne Kauflands für die insgesamt 8300 Quadratmeter gemietete Fläche im Rathaus-Center auf den Tisch kommen, ist fraglich. Gegenüber dem WA jedenfalls äußert sich das Unternehmen trotz detaillierter Fragen nicht dazu.

Möglicherweise aber gibt es schon Pläne, und womöglich sogar unter Einbeziehung auch der untervermieteten Flächen. So teilt Kaufland wörtlich mit: „Zudem führen wir derzeit Gespräche mit unseren Mietpartnern, um gemeinsam eine Lösung zu finden. In diesem Rahmen haben wir auch den Kontakt zum Vermieter hergestellt.“ Bei Kaufland gab’s darüber hinaus schon vor der Ankündigung zur Schließung Überlegungen, sich zugunsten eines anderen größeren Anbieters kleiner zu setzen.

Sozialplan: Verhandlungen laufen noch

Die Verhandlungen zwischen Unternehmen und Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan sind laut Kaufland noch nicht abgeschlossen. Daher könne man auch noch keine Einzelheiten oder gar Ergebnisse kommunizieren, heißt es. Die Gespräche waren aufgenommen worden, nachdem der Betriebsrat erwirkt hatte, dass der Arbeitgeber nicht von sich aus auf die Beschäftigten zugehen darf, um mit ihnen über mögliche Weiterbeschäftigungen in anderen Filialen zu sprechen.

Der Erlass dieser einstweiliger Verfügung war das jüngste Kapitel im Laufe monatelanger juristischer Auseinandersetzungen, und noch immer streiten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite über die Frage des Gesundheitsschutzes. Auf einem weiteren Kampfplatz geht es um die Absetzung des Betriebsrats, den knapp die Hälfte der Belegschaft gefordert hatte, um wieder an die Arbeitsplätze gehen zu können. Ein Vergleich konnte in diesem Punkt nicht erzielt werden, weil er wider Erwarten von Kaufland abgelehnt wurde. Nun hat das Arbeitsgericht Dortmund einen Verkündigungstermin anberaumt: am 1. Juni um 13 Uhr. Die Filiale in Mitte ist da längst dicht, sodass der Richterspruch ohne Bedeutung bleibt.

„Bis zum letzten Verkaufstag“

Was das Einkaufen im Rathaus-Center angeht, so ist dem Eigentümer zu Ohren gekommen, dass einige Bergkamener glauben, dass mit Kaufland gleich das gesamte Einkaufszentrum schließt. „Dem ist nicht so“, betont Geschäftsführer Unterfeld.

Bei Kaufland heißt es, dass „die grundsätzliche Verkaufsbereitschaft“ des Unternehmens am Standort „nach wie vor gegeben“ sei. „Unsere Kunden können bis zum letzten Verkaufstag bei uns einkaufen.“ Während frische Lebensmittel am letzten Verkaufstag preisreduziert zu haben seien, würden haltbare Produkte in die umliegenden Filialen verteilt, so das Unternehmen.

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