Kirchenkritiker Eugen Drewermann zu Gast im studio theater

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Bei seinem jüngsten Auftritt in seiner alten Heimat am Dienstagabend sprach Eugen Drewermann im „studio theater“ über Glauben und Gottesfurcht.

Bergkamen - In der Religion sollte es um mehr gehen als um Geld und Macht – vor 500 Jahren nagelte Martin Luther diese Forderung in 95 Thesen an die Wittenberger Kapelle. Der Reformationsgedanke selbst wurzelt lange vor Luthers Geburt, weiß der Bergkamener Kirchenkritiker Dr. Eugen Drewermann, der am Dienstagabend vor mehr als 300 Zuschauern im studio theater referierte.

„Es kann nicht richtig sein, den Menschen Angst zu machen vor einem strafenden Gott. Erst Recht nicht, um ihren Geldbeutel zu leeren“, sagte Drewermann über den Handel mit Ablassbriefen. 

Martin Luther habe das erkannt und als wahrer Protestant für seine Überzeugung eingestanden. Wer mit einem System wie der katholischen Kirche brechen wolle, „der darf sich nicht fragen, was seine Nachbarn oder Vorgesetzten über ihn denken“, sagte Drewermann.

Religion ist mehr als ein äußeres Zwangssystem

Am Dienstagabend ging es dem Theologen aber nicht darum, eine Lobrede auf Martin Luther zu halten. Vielmehr verdeutlichte er seinem Publikum, dass Religion mehr sein kann als ein äußeres Zwangssystem, das auf Angleichung, Gehorsam und Macht gründet. „Wir müssen Gott neu begreifen lernen“, resümierte Drewermann. 

Das habe der Reformator Jan Hus geglaubt, als er sich im Kampf gegen den Ablasshandel lebendig verbrennen ließ. Und das habe der Prophet Jeremiah geglaubt, als er im 6. Jahrhundert vor Christus aus Israel verstoßen wurde. 

Vor rund 300 Zuhörern referiete Drewermann.

„Von ihm stammt das meiner Meinung nach wichtigste Wort des Alten Testaments – nämlich, dass jede bisherige Frömmigkeit zu oberflächlich gewesen ist“, so Drewermann über die Verbindung zwischen dem Propheten und Luther.

Mit seinen kontroversen Überlegungen zu Gestalten aus Religion und Philosophie – darunter Persönlichkeiten wie Moses und Kant – sprach der Theologe scheinbar jeden der Anwesenden im „studio theater“ persönlich an. 

„Er ist ein hellwacher Geist, der dazu animiert, Religion vollkommen neu zu interpretieren“, bilanzierte Gudrun Harnisch aus Werne. Zuschauer Wilfried Maaß war schon vor Beginn der Veranstaltung in eines von Drewermanns Büchern vertieft.

Spenden für Kinder- und Jugendhospizdienst

„Seine Argumentation ist nicht immer einfach zu verstehen, aber hochinteressant“, urteilte Maaß. Wie sonst auch musste am Dienstag niemand Eintritt zahlen, um den alljährlichen Vortrag Drewermanns besuchen zu dürfen. 

Gemeinsam mit VHS-Leiterin Sabine Ostrowski rief er sein Publikum jedoch zu einer freiwilligen Spende auf: Dieses Mal soll das Geld an den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst des Kreises Unna gehen. 

In den vergangenen Jahren habe die Spendensumme immer zwischen 700 und 1.100 Euro gelegen, sagte Sabine Ostrowski. „Und wir hoffen, dass die Menschen heute wieder genauso großzügig sein werden.“ 

Ein Besuch des heimatverbundenen Kirchenkritikers für September 2018 sei übrigens bereits in Planung, verriet der Autor.

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