Ladendiebstahl

Kiosk-Prozess endet mit Haftstrafe: Angeklagte aus Bergkamen kann dennoch zufrieden sein

Pfefferspray
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Mit Pfefferspray soll die Angeklagte den Kiosk-Besitzer angegriffen haben. Allerdings hält das Gericht Notwehr für möglich.

Das Dortmunder Landgericht hat eine 27-jährige Frau aus Bergkamen wegen Ladendiebstahls zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt. Obwohl sie keine Bewährungschance erhalten hat, konnte die Angeklagte mit dem Ausgang des Verfahrens zufrieden sein.

Dortmund/Bergkamen - Angesichts der zahlreichen Vorstrafen der 27-Jährigen sahen sich die Richter nicht in der Lage, ihr eine positive Zukunftsprognose auszustellen. Genau das wäre für eine Bewährungsstrafe jedoch zwingend erforderlich gewesen. Die Richter hätten überzeugt sein müssen, dass die Angeklagte zumindest für die Dauer der Bewährungszeit keine weiteren Straftaten begeht.

Bislang stand der Bergkamenerin dabei jedoch stets ihre Drogenabhängigkeit im Weg. Seit Jahren betäubt sie ihren Körper mit verschiedenen illegalen Giften. Und weil diese bekanntlich viel Geld kosten, ist die junge Frau auch schon häufig straffällig geworden. Ladendiebstähle finanzierten ihre Sucht.

Opfer statt Täterin?

Im Prozess hatte sie den Richtern auch erzählt, wie sie die gestohlenen Gegenstände letztendlich zu Geld machte. Ein Kiosk in Weddinghofen sei ihre bevorzugte Anlaufstelle gewesen. „Da habe ich alles losgekriegt – Lebensmittel, Schnaps, aber auch Drogerieartikel.“

Und eben in diesem Kiosk ereignete sich auch im September 2018 der Vorfall, der überhaupt dafür sorgte, dass dieser Prozess am Land- und nicht am Amtsgericht verhandelt wurde. Die Staatsanwaltschaft warf der Angeklagten zu Beginn des Verfahrens vor, den Kioskbetreiber mit Pfefferspray attackiert zu haben, um dessen Kasseninhalt rauben zu können. Im Laufe des Prozesses hatte sich jedoch herausgestellt, dass die 27-Jährige an diesem Abend wohl doch eher Opfer als Täterin war. Denn ihre Version der Geschichte – der Kioskbetreiber habe sie sexuell bedrängt und sie habe sich deshalb mit dem Pfefferspray wehren müssen – konnte ihr letztendlich nicht widerlegt werden.

Kiosk-Betreiber sitzt in Untersuchungshaft

Das hatte auch damit zu tun, dass das Gericht den Kioskbetreiber nicht vernehmen konnte. Der Mann sitzt derzeit auf dem Balkan in Untersuchungshaft und wird wohl demnächst in seine türkische Heimat ausgeliefert, wo er wegen früherer Straftaten vor Gericht gestellt werden soll.

Der Vorwurf des versuchten Raubes wurde daher schon vor dem Urteil fallengelassen. „Das war unser Hauptanliegen in diesem Verfahren“, gab Verteidiger Martin Urbaniak offen zu. Möglicherweise kann seine Mandantin die verhängte Haftstrafe jetzt sogar mit einer Drogen-Entziehungstherapie verrechnen. Die ersten Gespräche mit den Kostenträgern haben bereits stattgefunden. Bis zu einer Entscheidung bleibt die Bergkamenerin auf jeden Fall auf freiem Fuß.

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