Kindstod: Nach über 80 Verhandlungstagen kein Ende in Sicht

Symbolbild Urteil Gericht Justiz

Bergkamen - Seit vier Jahren wird vor dem Dortmunder Schwurgericht daran gearbeitet, den unerklärlichen Tod eines sieben Monate alten Säuglings aufzuklären. An bislang über 80 Verhandlungstagen sitzt die Mutter des Kindes wegen Körperverletzung mit Todesfolge auf der Anklagebank, weil sie den Jungen im Juni 2010 in der damaligen Familienwohnung in Bergkamen zu Tode geschüttelt haben soll.

Ob das Mammutverfahren vor dem Schwurgericht zum Abschluss kommen wird, erscheint immer fraglicher. Die Verteidiger der Frau stellen immer wieder neue Anträge, um die Unschuld ihrer Mandantin zu untermauern. Sie behauptet, dass ihr Sohn in einem unbeobachteten Moment aus dem Elternbett gefallen und sich die tödlichen Kopfverletzungen zugezogen haben müsse.

Dutzende Sachverständige

Dutzende von medizinischen Sachverständigen wurden bereits gehört, die teilweise wochenlange Vorbereitungszeit für ihre Expertisen benötigten. Über allem droht in wenigen Monaten mit der anstehenden Pensionierung des Vorsitzenden Richters eine für den Prozess elementare Frist. Sollte der Strafprozess bis zum Eintritt des Richters in den Ruhestand nicht durch Verurteilung oder Freispruch beendet werden können, wäre das Verfahren geplatzt und müsste mit neuem Vorsitz komplett neu aufgerollt werden.

Weitere Verhandlungstage 

Um die neuesten Anträge zu prüfen und den Verfahrensgang zu sichern, hat das Gericht vorsorglich mehrere neue Verhandlungstage bis Ende Februar festgelegt. Die Verteidiger fordern unter anderem ein psychiatrisches Gutachten über die seelische Verfassung der Angeklagten. Nach ihrer angeblich „willkürlichen“ und „rechtswidrigen“ Verhaftung sei sie durch knapp dreiwöchige Untersuchungshaft bis heute schwer traumatisiert. Ohne rechtlich bindende Grundlage hätten die Richter sie im Dezember 2011 von ihrer wenige Wochen alten Tochter getrennt. Erst ein Beschluss des OLG Hamm habe auf Beschwerde der Verteidigung Wochen später die junge Mutter wieder in Freiheit gebracht.

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