Keramik-Klassiker aus Rünthe wieder gefragt

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In der Rhein-Ruhr-Keramik-Manufaktur von Karl Hoksch wurden bis zur Betriebsverlagerung 1971 in Rünthe und noch 15 Jahre in Hamm Stücke wie diese Vase gefertigt. Uwe Preul hat sich mit seinem Geschäft für Vintage-Interieur auf denMidcentury-Stil verlegt und kennt sich mit den Keramiken aus Rünthe aus.

Rünthe - An die ehemalige Keramikwerkstatt von Karl Hoksch auf dem Zechenplatz werden sich die älteren Rünther noch erinnern. Da aktuell der Markt für Möbel und Interieur der 50er- und 60er-Jahre boomt, sind die Vasen und Schalen „made in Rünthe“ wieder als sogenannte Midcentury-Klassiker gefragt.

Hoksch kam nach dem Zweiten Weltkrieg als Heimatvertriebener nach Rünthe, wo er sich 1946 mit seinem Keramikbetrieb „Rhein-Ruhr-Keramik Hoksch & Co.“ eine neue Existenz aufbaute. Gleich im ersten Haus am damaligen Zechenweg, das als einziges Gebäude bei der Umgestaltung des gesamten Areals erhalten blieb, wurde über viele Jahre kunsthandwerkliche und Gebrauchskeramik produziert, zumeist nach den Entwürfen des Firmeninhabers.

In den Gründerjahren der Bundesrepublik beschäftigte die Manufaktur sogar 85 Mitarbeiter. Die Vasen, Schüsseln, Schalen und Aschenbecher waren in vielen Haushalten Rünthes zu finden. Beim beliebten Fabrikverkauf war zweite Wahl günstig erhältlich und beliebt.

Nach einem Studium zum Keramik-Ingenieur trat Helmut Hoksch, der Sohn des Firmengründers, in den Betrieb ein. Im Jahre 1971 wurde die Produktion nach Hamm verlegt. Dort führte 15 Jahre später der Verlust eines Großkunden zur Aufgabe des Unternehmens.

Ungeahntes Comeback

Was einst produziert und in späteren Generationen als Nippes aus Großmutters Wohnzimmer verrufen war, ist nun wieder in Mode gekommen. Die Keramik-Klassiker finden sich in allen einschlägigen Verkaufsportalen des Internets. Das bestätigt auch Uwe Preul aus Dortmund, der in seinem Vintagestore Einrichtungsdesign der Jahrhundertmitte verkauft: „Es sind gerade junge Leute, die ihre Wohnungen mit hochwertigem Mobiliar und Interieur im Midcentury-Stil ausstatten. 

Dazugehören beispielsweise dänische Teakholz-Möbel aus den 1960er-Jahren und Lampen, Porzellan oder Keramiken aus dieser Zeit.“ Zu seinen beliebtesten Verkaufsartikeln zählen ebenfalls die Arbeiten aus der Rünther Manufaktur. „Vasen gehen immer, und die Entwürfe von Karl Hoksch sind heute wieder angesagt. Das gilt nicht nur für Sammler“, erläutert der Experte.

Bis 1971 produzierte die Rhein-Ruhr-Keramik-Manufaktur in diesem Gebäude am ehemaligen Zechenplatz (im Hintergrund die Kaue an Schacht III).

Wer auf seinem Dachboden noch alte Schätze von „Rhein-Ruhr-Keramik“ findet, darf beim Verkauf im Internet kein Vermögen erwarten, doch Preise von 25 bis 40 Euro lassen sich durchaus erzielen. „Damals werden die Vasen vielleicht fünf oder sechs Mark gekostet haben, aber das war zu der Zeit auch viel Geld“, weiß Uwe Preul. „Zwar wurden die Stücke seriell produziert, doch ging ihnen immer ein künstlerischer Entwurf voraus. Das Kunsthandwerk hatte noch eine andere Bedeutung. Die junge Generation weiß das heute zu schätzen.“

So feiert die Keramik vom Zechenplatz ein ungeahntes Comeback und erinnert zugleich an ein altes Kapitel der Rünther Ortsgeschichte.

Von Manuel Izdebski

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