Stadtrat lehnt Antrag ab

Keine Luftfilter für die Schulen in Bergkamen

Klassenraum Schule Fenster lüften
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In Klassenräumen muss derzeit viel durchgelüftet werden.

Die Stadt Bergkamen schafft keine mobilen Luftreiniger für ihre Schulen an. Das hat der Rat mehrheitlich entschieden. Ob es der endgültige Beschluss ist, wird sich zeigen.

Bergkamen - Die Linke hatte den Kauf der Geräte beantragt. „Uns ist klar, dass sie das Lüften nicht ersetzen, aber sie könnten die Lüftungsintervalle verlängern, sodass Lehrer und Schüler nicht mehr auf Jacken und Decken angewiesen sind“, sagte Fraktionsvorsitzender Oliver Schröder. Von Eltern und Schülern habe er viele positive Rückmeldungen für den Antrag bekommen. „Das zeigt, dass die direkt Betroffenen eine Anschaffung befürworten.“

Die CDU, die im Vorfeld zunächst hatte anklingen lassen, den Antrag möglicherweise zu unterstützen, weil es eine Landesförderung für die Geräte gibt, wich davon ab und hatte noch vor der Sitzung einen eigenen Antrag gestellt: „Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass es Fördermittel nur für Räume gibt, die man nicht regelmäßig lüften kann“, so Fraktionsvorsitzender Thomas Heinzel. Darum beantragte die CDU, eine Aufstellung anzufertigen, auf wie viele Räume das eigentlich zutreffe.

Schulen kein Infektionstreiber

„Wir haben etwa 400 Klassenräume in Bergkamen, alle sind belüftbar“, sagte Bürgermeister Bernd Schäfer. Auf Grundlage eines schriftlichen Angebots, das der Stadt vorliege, kämen so Ausgaben von rund 1,5 Millionen Euro brutto zusammen. „Die Lieferfristen betragen zwischen zehn und zwölf Wochen.“

Außerdem bleibe es laut der Kommission Innenraum- und Lufthygiene des Bundesumweltamtes dabei: „Oberste Priorität hat das Lüften. An zweiter Stelle steht der Einbau von einfachen Zu- und Abluftanlagen, erst an dritter Stelle die mobilen Luftreiniger.“ Zudem seien die Schulen keine Infektionstreiber, das sei von mehreren Instituten bestätigt, so die zuständige Beigeordnete und Schuldezernentin Christine Busch.

Schulleiter gegen generelle Anschaffung der Geräte

„Die Anzahl der positiv getesteten Schüler ist sehr gering“, sagte sie. Für jeden einzelnen sei das natürlich schlimm genug. „Das ist die große Krux. Wir sind zuallererst auch Menschen, die sich mit diesem Thema befassen müssen.“ Das mache es schwierig, die Sachlage so nüchtern zu betrachten, „wie wir das als Verwaltung müssen“. Gleichwohl sei es wichtig, sich auf eine verbindliche Datengrundlage wie die des RKI zu verständigen. „Und das hat deutlich gemacht, dass die mobilen Luftreiniger ein probates Mittel für die Räume sind, die eben nicht gelüftet werden können.“

Auch die Schuldezernenten im Kreis Unna sprächen sich daher weiter gegen eine generelle Anschaffung der Geräte aus, so Busch. Gleiches gelte für die Bergkamener Schulleiter, die sich zu einer außerordentlichen Schulleiterkonferenz getroffen hatten. „Inwieweit wir das im nächsten Jahr vielleicht anders beurteilen, wird sich zeigen“, sagte Busch.

Kritik von der Fraktion BergAuf

„Die Turnhallen erfüllen ebenfalls alle Bedingungen“, berichtete sie. Die wolle die Stadt allerdings noch verbessern, auch im Hinblick darauf, dass sie wieder für den Vereinssport freigegeben sollen, sobald das möglich ist.

SPD und die Grünen folgten in weiten Teilen den Ausführungen der Verwaltung. „Wir sehen sowohl den Antrag der Linken als auch den der CDU nicht als zielführend an“, so Grünen-Fraktionsvorsitzender Thomas Grziwotz. Er sehe auch kein Problem im regelmäßigen Lüften, sagte er, und berief sich auf das Ärzteblatt, dass darauf hingewiesen habe, dass die regelmäßige Frischluft auch andere Krankheitserreger dezimiere. SPD-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Weiß wies noch einmal darauf hin, dass nur rund acht Prozent der Bergkamener Erkrankten Schüler seien. „Das sind natürlich acht Prozent zu viel“, betonte er. „Aber es zeigt auch, dass die Schulen keine Hotspots sind.“

Kritik gab es dagegen von der BergAuf-Fraktion, die vor allem bemängelte, dass es nur durch den Antrag der Linken überhaupt einen eigenen Tagesordnungspunkt gegeben habe, der sich mit der Corona-Pandemie beschäftigte.

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