Personenwechsel an der Töddinghauser Straße

Kein Widerspruch gegen Räumung: Schwere Vorwürfe treffen Verwalter

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Bergkamen – Zorn bei den Eigentümern in der Töddinghauser Straße. Gegen den Räumungsbescheid der Stadt  wurde vom Hausverwalter kein Widerspruch eingereicht – nun ist die Frist vorbei. Die Eigentümer haben nun Konsequenzen gezogen. Aber auch die Stadt hat Fehler gemacht.

„Wut“ ist das Wort, das die Stimmung unter den Eigentümern der geräumten Wohnungen an der Töddinghauser Straße am besten beschreibt. Und seit der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagnachmittag kochen sie regelrecht. 

Denn da wurde offiziell bekannt, dass gegen den Räumungsbescheid der Stadt Bergkamen kein Widerspruch eingelegt wurde – und die vierwöchige Einspruchsfrist ist inzwischen verstrichen. Was das bedeutet, machte der Erste Beigeordnete Dr. Hans-Joachim Peters im Ausschuss mit einem Satz deutlich: „Damit ist die Räumung nicht mehr mit einer Klage vor Gericht anfechtbar.“ 

Immer mehr Unklarheiten: Stadt räumt Fehler ein

Kein Rechtsmittel gegen Räumung

Besonders wütend machte die bei der Sitzung anwesenden Eigentümer jedoch die Tatsache, dass der Einspruch nicht einfach nur versäumt wurde, sondern: „Der vom Wohnungsverwalter/den Eigentümern beauftragte Rechtsanwalt hat gegenüber der Stadt Bergkamen erklärt, dass er kein Rechtsmittel gegen die ordnungsbehördlichen Verwaltungsakte, die die Räumung erzwungen haben, einlegen wird“ hieß es wörtlich in der Präsentation, die Peters für seinen Vortrag nutzte, und Peters betonte das „kein“ entsprechend. Da wurde es für Sekunden still auf der Tribüne. 

Die Konsequenz folgte noch am Abend: Der von der Eigentümergemeinschaft gewählte Beirat entzog dem Hausverwalter das Vertrauen und die Vertretungsvollmacht in allen Fragen des Brandschutzes. „Als Beirat müssen wir feststellen, dass dies nicht im Sinne der Eigentümergemeinschaft ist“, heißt es in einem Schreiben, das dem Verwalter und auch der Stadt Bergkamen am Mittwoch zugestellt wurde und das unserer Redaktion vorliegt. 

Zudem, so lautet ein weiterer Vorwurf, sei der – den Verwalter vertretende – Rechtsanwalt dabei „ohne Vertretungsvollmacht im Namen der Eigentümer“ tätig gewesen. Ein Vorwurf, der weitreichende Folgen haben könnte: Sollte den Eigentümern dadurch weiterer Schaden entstanden sein, wären Verwalter und Anwalt schadenersatzpflichtig. 

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Gleichzeitig gab der Beirat in dem Schreiben bekannt, dass ein Großteil der Eigentümer mit Einzelvollmachten einen neuen Brandschutzsachverständigen bestellt habe, der künftig an allen Gesprächen mit den Behörden zu beteiligen sei. Der Rünther Thomas Albrecht hatte sich bereits in der Einwohnerfragestunde des Bauausschusses zu Wort gemeldet und sich als Sachverständiger, der „von 20, 21 Eigentümern mit Einzelvollmachten“ erhalten habe, vorgestellt. Laut Albrechts Aussage vom Mittwochmorgen steige die Zahl der Einzelvollmachten weiter stetig. 

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Welcher Gutachter es wird, ist der Stadt egal

Doch auch der Beirat einer Eigentümergemeinschaft ist dazu bestimmt, die Interessen der Eigentümergemeinschaft vertreten zu können. „Mit welchem Gutachter wir letztlich zusammenarbeiten, ist egal“, hatte Peters bereits in der Sitzung des Bauausschusses gesagt. 

„Wenn alle Seiten jetzt Gas geben, soll es nicht bei einer Worthülse bleiben“, sagte Peters und meinte damit seine gleich zu Beginn getätigte Aussage, dass das gemeinsame Ziel aller „der schnellstmögliche Wiedereinzug der Bewohner“ in die beiden Häuser sei – „nach Beseitigung der gravierenden Brandschutzmängel“.

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