Impfaktion für Kinder und Jugendliche

Kein Geld vom Land: Kreis bleibt auf Kosten für Schüler-Transfer ins Impfzentrum sitzen

Jugendliche und junge Erwachsene aus mehreren Schulen haben sich am Donnerstag im Städtischen Gymnasium Bergkamen impfen lassen.
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Jugendliche und junge Erwachsene aus mehreren Schulen haben sich am Donnerstag im Städtischen Gymnasium Bergkamen impfen lassen.

Der Kreis Unna bringt Schüler mit Shuttle-Bussen zu Impfterminen nach Unna. Für den Transfer fallen Kosten an – pro Stunde knapp 100 Euro inklusive Fahrer, wie es heißt. Das Land NRW will diese allerdings nicht übernehmen.

Kreis Unna – Zwölf Impftermine für Schüler ab zwölf Jahren sind zurzeit geplant, mit bis zu 40 Kindern und Jugendlichen pro Schule. Eine abschließende Kostenrechnung sei noch nicht möglich, teilt der Kreis auf Anfrage mit. Und: Man habe beim Land nachgefragt, es beteilige sich finanziell „leider nicht“. Aus welchem Topf der Kreis die Beförderungskosten begleichen will, sei noch nicht klar.

Land: Kinder unter Druck

Das Land übernimmt für gewöhnlich Aufwendungen, die im Zusammenhang mit Impfungen an Schulen durch mobile Teams entstehen. Die Entscheidung, konzertierte Fahrangebote wie im Kreis Unna nicht zu erstatten, begründet das NRW-Gesundheitsministerium damit, keinen unnötigen Druck auf Kinder und Jugendliche ausüben zu wollen. Auf WA-Anfrage heißt es: „Die Entscheidung für eine Impfung ist eine sehr persönliche und beruht auf Freiwilligkeit. Den hierfür erforderlichen vertraulichen Rahmen sehen wir durch den Einsatz von Shuttle-Bussen nicht gewährleistet.“

Kreis: Konflikte mit Eltern

Der Kreis Unna scheint sich mit der Sache abzufinden, zumal auch hier offenbar Bedenken bestehen, dass Schüler unter Druck geraten. Auf die Frage, ob man mit der Resonanz auf die Impfangebote an Schulen und für Schüler zufrieden sei, heißt es: „Werbung für Impfungen an Schulen sind ein heikles Thema, einige Eltern und Lehrer verbitten sich das Thema, da in Deutschland keine Impfpflicht besteht. Auch bestehen durchaus Konflikte zwischen Jugendlichen und Eltern (die Kinder wollen, die Eltern nicht). Wir müssen also mit der Resonanz zufrieden sein und darauf setzen, dass die Interessierten auch ohne Bus ins Impfzentrum finden oder bereits bei uns oder beim Hausarzt geimpft worden sind. Und die mobilen Angebote vor Ort stehen ebenfalls noch zahlreich zur Verfügung.“

Impfungen in Schulen und für Schüler

Beim Thema Schule fährt der Kreis Unna zweigleisig: Während für Zwölf- bis 15-Jährige in der Regel Termine zentral im Impfzentrum in Unna angeboten werden, gibt es für 16- und 17-Jährige Vor-Ort-Aktionen. Dazu sind jeweils alle Schulen einer Kommune eingeladen. Am Donnerstag etwa fand solch eine Aktion am Städtischen Gymnasium in Bergkamen statt.

Dort sei das Thema Corona-Impfung bereits im Unterricht aufgegriffen worden, sagt die kommissarische Schulleiterin Maria von dem Berge. Viele Jugendliche hätten zuvor aktiv nach einem Impfangebot gefragt. „Im vergangenen Schuljahr hatten wir in der Q1 über drei Monate hinweg wechselnd Schüler in Quarantäne. Manche traf es gleich mehrmals. Das ist im Gedächtnis geblieben“, sagt von dem Berge.

Je jünger das Kind ...

Die Pädagogin freut sich über Schüler, der sich impfen lassen: „Das bringt uns irgendwann die Normalität zurück.“ Für die Q2-Schüler sei nicht unerheblich, dass eine Covid-19-Erkrankung auf dem Weg zum Abitur als wenig hilfreich erachtet werde.

Am „Städtischen“ wurde seit Beginn des Schuljahres ein Schüler der Q2 bei den regelmäßigen Schultests positiv auf Corona getestet. 14 Jugendliche waren in Quarantäne, nehmen aber wieder am Unterricht teil.

Wie hoch mittlerweile die Impfquote in der Oberstufe ist, weiß von dem Berge nicht. Einen Impftermin in Unna für Schüler ab zwölf hat sie noch nicht gebucht. „Je jünger das Kind, desto stärker ringen die Eltern mit der Entscheidung für oder gegen eine Impfung“, weiß die kommissarische Schulleiterin aus Erfahrung. Meist sei der Kinder- oder Hausarzt erster Ansprechpartner.

„Dem Druck nachgegeben“

Fragt man die Schülerinnen und Schüler nach ihrer Impfmotivation, verweisen sie zumeist auf die wachsenden Einschränkungen für Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene. Süheda Cakir aus der Q1 des Gymnasiums etwa: Sie habe sich eigentlich nicht immunisieren lassen wollen, weil sie kein 100-prozentiges Vertrauen in den Impfstoff habe, berichtet die 17-Jährige. Echte Angst vor dem Vakzin spüre sie aber auch nicht. So habe sie „dem Druck nachgegeben“, zumal es aufwendig sei, sich fortwährend testen zu lassen.

„Beste Strategie gegen Pandemie“

Ayleen Elmas (18), Schülerin der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bergkamen, berichtet von „mindestens 100 Tests“, die sie schon hinter sich habe – um etwa auch die Fahrschule besuchen oder jobben zu können. Dass Bürgertests ab Mitte Oktober Geld kosten, sei für sie ein weiteres Argument pro Impfung gewesen.

Ähnlich äußert sich ein 17-Jähriger, ohne seinen Namen in den Medien lesen zu wollen. Er fühle sich sogar „indirekt zur Impfung gezwungen“, sagt er. Gymnasiast Alexander Lisiecki (19) hingegen hat sich weniger von Alltagsfragen, denn von grundsätzlichen Überlegungen leiten lassen: „Die Impfung ist die beste Strategie gegen die Pandemie.“ Alle Schüler berichten, dass die Impffrage derzeit ein viel diskutiertes Thema in der Schule sei.

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