Kaum noch Fahrgäste im Bus: VKU rechnet mit hohen Verlusten

+
Damit der Fahrer sicher vor einer Ansteckung ist, ist der vordere Bereich in den VKU-Bussen abgesperrt. So können allerdings keine Fahrkarten verkauft werden.

Kreis Unna – Bus- und Bahnbetrieben drohen in der Corona-Krise Millionen-Verluste. Ein Rückgang der Fahrgastzahlen sei „die logische Konsequenz“ des Lockdowns und der Kontaktsperren, sagt Inga Fransson, Sprecherin der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU).

Im März seien die Fahrgastzahlen um 80 Prozent geschrumpft, heißt es aus dem Landesverkehrsministerium. Beziffern lassen sich die genauen Verluste den Unternehmen zufolge aber noch nicht. Für den Bahnverkehr geht der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) allein für März und April von 59 Millionen Euro Verlust aus. 

Weil seit Mitte März die Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr einbrechen, schwinden auch die Einnahmen der Verkehrsbetriebe dramatisch. Bis zu 90 Prozent der Fahrgäste seien in einigen Bereichen weggeblieben, heißt es beim NWL, der für den Bahnverkehr und Tarife zuständig ist. 

VKU fehlen Einnahmen von 600 000 Euro

Gleichzeitig sollten Busse und Bahnen weiterfahren, möglichst in dichten Takten, damit die wenigen Fahrgäste sich in den Wagen auch weit verteilen können. Da die Busfahrer zwecks Infektionsschutz keinen Kontakt mit den Fahrgästen haben sollen, fällt auch der Fahrkartenverkauf im Fahrzeug weg.

 Auf 600 000 Euro schätzt die VKU die fehlenden Einnahmen durch den Fahrerverkauf, seitdem der Verkauf am 18. März ausgesetzt wurde. „Die haben wir erst einmal nicht“, sagt Andreas Feld, Leiter Verkehrsmanagement. Wie hoch der Verlust tatsächlich sein wird, stünde allerdings erst fest, wenn die Zahlen über andere Ticket-Vertriebswege wie Vorverkaufsstellen und Handy vorliegen. 

In den kommenden Wochen seien Stichpunkteproben geplant, erklärt Feld. Die VKU hatte den reduzierten Ferienbetrieb weiter als üblich fortgeführt und war erst am Donnerstag vor einer Woche zum normalen Schulfahrplan zurückgekehrt. Die Gesellschaft habe Kurzarbeit vermeiden können, so Feld. Bei den Bus-Unternehmen, die für die VKU fahren, sei aber damit zu rechnen. Der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) schätzt die Mindereinnahmen für seine bundesweit 600 Mitgliedsbetriebe auf etwa 1 Milliarde Euro, bis zum Jahresende könnten es 5 Milliarden sein.

Gesundheit wichtiger als finanzielle Verluste

Beim NWL kommt man für 2020 bereits jetzt auf einen Verlust von 59 Millionen Euro – sofern sich die Verhältnisse im Mai normalisieren. Eine kleine Finanzspritze haben die Unternehmen vom Land erhalten. Das Düsseldorfer Verkehrsministerium hat Fördermittel, die im Laufe des Jahres an Bus- und Bahnbetreiber gehen sollten, vorzeitig freigegeben. Wie die Finanzierungslücke geschlossen werden kann, wisse man derzeit weder bei der VKU, dem NWL, noch in den einzelnen Unternehmen. 

Eine Absicherung der Eigentümer von Kreis und Kommunen gegen die Ausfälle gebe es nicht. Der NWL finanziert sich aus Landes- und Bundesgeldern und hofft auf höhere Zuweisungen. Mehr Engagement aus Berlin und Düsseldorf fordert auch der VDV, es solle einen Rettungsschirm für den kommunalen Nahverkehr geben. 

„Die fehlenden Einnahmen haben aber nicht Priorität“, sagt Feld. Vielmehr gehen es um die Gesundheit der Fahrgäste, die den ÖPNV nutzen. Und da habe sich die VKU mit ihren Eigentümern darauf geeinigt, dass ein ausreichendes Angebot zur Verfügung stehen sollen, in dem die Sicherheitsabstände eingehalten werden können. Die in Kraft getretene Mundschutzpflicht werde von den Fahrgästen weitgehend vorbildlich umgesetzt, sagt Inga Fransson zu den Beobachtungen der ersten Woche.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare