Konkurrenz durch Berg-Karree?

Kaufland in Bergkamen: Termin für Schließung steht fest – Vermieter kritisiert Stadt

Kaufland ist Hauptmieter im Rathaus-Center an der Töddinghauser Straße. Wenn die Filiale schließt, hat das auch negative Auswirkungen auf die anderen Geschäfte, fürchtet der Vermieter der Immobilie.
+
Kaufland ist Hauptmieter im Rathaus-Center an der Töddinghauser Straße. Wenn die Filiale schließt, hat das auch negative Auswirkungen auf die anderen Geschäfte, fürchtet der Vermieter der Immobilie.

Die angekündigte Schließung des Kaufland-Marktes in Bergkamen-Mitte soll sich am 30. April vollziehen. Das teilt das Unternehmen auf nochmalige Nachfrage mit. Unterdessen sieht der Eigentümer des Rathaus-Centers, in dem die Filiale beheimatet ist, die Stadt mitverantwortlich für den Rückzug seines Mieters. Bürgermeister Bernd Schäfer weist den Schwarzen Peter jedoch entschieden zurück.

Bergkamen – 2018 hatte die DTU Beta GmbH aus Mainz das Objekt übernommen. Nach Einschätzung des Geschäftsführers Thorsten Unterfeld ist der Konflikt zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung über die notwendigen Corona-Schutzmaßnahmen nicht der einzige Grund, warum sich Kaufland zur Schließung seiner Filiale entschlossen hat. Ein weiterer sei das geplante Berg-Karree, das schräg gegenüber dem Rathaus-Center entstehen soll und in dem nach Fertigstellung in zwei bis drei Jahren auch ein Edeka-Markt öffnen soll.

„In Bergkamen-Mitte sind zwei große Lebensmittelhändler nicht überlebensfähig“, sagt Unterfeld mit Blick auf die Kaufkraft im Quartier. Seine Bedenken habe er der Stadtverwaltung und auch den Fraktionen im Stadtrat bereits vor den Beratungen zum Berg-Karree mitgeteilt. Dennoch habe die Politik den Plänen des Investors zugestimmt.

Kaufland wollte noch modernisieren

Laut Unterfeld wollte Kaufland bis vor Kurzem sogar noch in die City-Filiale investieren. Für ihn sei es kein Zufall, dass das Unternehmen die Gespräche darüber genau in dem Moment habe ruhen lassen, als es grünes Licht für die Berg-Karree-Pläne gegeben habe, betont Unterfeld.

Laut dem DTU-Geschäftsführer ist der Mietvertrag mit Kaufland erst im vergangenen Jahr um fünf Jahre bis zum 31. Oktober 2025 verlängert worden. Hätte es eine Einigung über die Modernisierung gegeben, wäre ein neuer, längerfristiger Vertrag unterschrieben worden. „Wir hätten beide erheblich Geld in die Hand genommen“, verdeutlicht Unterfeld.

Kaufland hat rund 8300 der 11 000 Quadratmeter Geschäftsfläche im Rathaus-Center angemietet und zum Teil an Dritte untervermietet. Was das Unternehmen nach dem 30. April mit dem von ihm aktuell noch genutzten Flächen macht, ist nicht bekannt. „Selbstverständlich“ werde man aber die Inhalte des Mietvertrages erfüllen, heißt es auf Nachfrage. Als Grund für die Schließung verweist das Unternehmen ausschließlich auf die fehlende Wirtschaftlichkeit des Marktes – indirekt auch infolge des Arbeitskonflikts.

Verdi: Schließung war wohl längst beschlossen

Die Gewerkschaft Verdi wirft Kaufland vor, den Versuch zu unternehmen, dem Betriebsrat eine Mitverantwortung für die angekündigte Schließung der City-Filiale zu geben. Als Beleg dafür wird der Kaufland-Hinweis angeführt, wonach Kunden fernbleiben, weil sie unter anderem auf Services verzichten müssten. Der Versuch sei „untauglich“, so Verdi in einer Pressemitteilung. „Die Schließungsankündigung zum jetzigen Zeitpunkt verdeutlicht in besonderer Weise die Verweigerungshaltung des Unternehmens“, heißt es weiter. Ein Wille zur Einigung mit dem Betriebsrat auf eine Betriebsvereinbarung zu Schutzmaßnahmen in der Pandemie sei nie erkennbar gewesen. „Es drängt sich uns die Vermutung auf, dass die Schließung längst beschlossen war. Offensichtlich sollte kein weiteres Geld in das Haus beziehungsweise in den Gesundheitsschutz für die Beschäftigten investiert werden.“ Die Pandemie habe der Branche deutliche Umsatzsteigerungen gebracht. Diese Einnahmen und das Weihnachts- und Ostergeschäft sollten offensichtlich noch „mitgenommen“ werden, um dann einen aus Kaufland-Sicht seit langem unattraktiven Markt zu schließen und sich somit auch eines unbequemen Betriebsrates zu entledigen.

Von der Schließungsankündigung war Unterfeld nach eigenen Worten „nicht überrascht, aber geschockt“. Auch er habe die Nachricht erst am Mittwoch erhalten. Für die Mitarbeiter und die Bewohner in Bergkamen-Mitte sei es bedauerlich, dass der Markt verschwinde, betont der Geschäftsführer. Darüber hinaus wirke sich der Rückzug des Hauptmieters negativ auf die anderen Händler im Haus aus. „Wenn Kaufland schließt, bleibt zunächst ein Großteil der Laufkundschaft aus. Die großen Lebensmittelläden bringen wie keine anderen täglich Frequenz.“

Auch wenn die Situation zurzeit schwierig ist. „Wir werden nicht die Hände in den Schoß legen und uns ergeben“, sagt Unterfeld. Entscheidend für ihn sei nun, was Kaufland mit der frei werdenden Fläche vorhat. Bleibe sie bis 2025 ungenutzt, wäre eine Weiterentwicklung zunächst blockiert. Alternativ könnte er einen neuen Mieter präsentieren und Kaufland aus dem Vertrag entbinden. Womöglich könnte Kaufland aber auch weitere Flächen untervermieten. „Ich muss zunächst das Gespräch mit Kaufland abwarten“, sagt Unterfeld.

„Berg-Karree hat Wettbewerbsvorteil“

Das Rathaus-Center wurde 1999 eröffnet. Unterfeld gibt sich keiner Illusion hin: Gegenüber seiner Immobilie werde das neue Berg-Karree als Einzelhandelsstandort einen Wettbewerbsvorteil haben, räumt er ein. Weil das Ambiente dann moderner und heller sei. Einen neuen Lebensmittelhändler für das Center zu finden, wäre vermutlich aussichtslos. „Wir müssen über andere Anbieter nachdenken.“

Dass es in Mitte für zwei große Lebenmittelhändler kein Auskommen gebe, habe die Geschichte der Turmarkaden gezeigt, sagt Unterfeld. Das frühere Einkaufscenter wurde für das Berg-Karree abgerissen. Der Stadtrat hatte den ersten Entwurf dafür noch mit dem Verweis auf einen zu hohen Anteil an Einzelhandelsflächen abgelehnt. Auch in abgespeckter Form sei ein Nebeneinander künftig schwierig, meint Unterfeld. Im Berg-Karree soll sich auch ein dm-Drogeriemarkt ansiedeln.

Bürgermeister weist Kritik zurück

Aus Sicht von Bürgermeister Bernd Schäfer ist die Kaufland-Schließung „bedauerlich“ für alle Seiten: für die Mitarbeiter, das Unternehmen, den Vermieter und für die Bürger. Zwar gebe es Einkaufsmöglichkeiten an anderer Stelle, diese seien für die Menschen in Mitte fußläufig aber nicht immer leicht zu erreichen. „Vermutlich werden viele den Weg zum Nordberg-Center finden.“

Die Schließung des Marktes hat nach erster Einschätzung von Bergkames Stadtoberhaupt weniger mit dem Standort zu tun als mit der fehlenden Wirtschaftlichkeit auch durch den Arbeitskonflikt. Für diesen gebe es vielleicht doch noch eine Lösung, so seine Hoffnung. Inhaltlich könne und wolle er sich zu der Auseinandersetzung aber nicht weiter äußern.

Schäfer kündigt an, Kontakt mit der Kaufland-Gruppe und dem Vermieter aufzunehmen. „Wir müssen schauen, wo wir unterstützen können“, sagt er mit Blick auf die zukünftige Entwicklung des Standorts.

In der Mitverantwortung für die Schließung sieht Schäfer die Stadt nicht. Die Planungen für die Ex-Turmarkaden-Fläche sei städtebaulich der richtige Schritt. Im Übrigen könne die Stadt keine Nutzungen untersagen, um Anbieter zu schützen. Zudem habe sich Kaufland bei seinen Entscheidungen noch nie vom Wettbewerb beeindrucken lassen. Schwer zu erklären wäre für ihn auch, warum Kaufland seine Filiale jetzt schon schließt, obwohl Edeka noch gar nicht da ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare