Nach Kritik von Beschäftigten

Kaufland-Aus in Bergkamen: Verdi weist jede Schuld von sich

Der Kaufland-Eingang auf dem oberen Parkdeck des Rathaus-Centers: Am 30. April soll die City-Filiale schließen.
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Der Kaufland-Eingang auf dem oberen Parkdeck des Rathaus-Centers: Am 30. April soll die City-Filiale schließen.

Die Gewerkschaft Verdi wehrt sich gegen den Eindruck, im Kaufland-Konflikt zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung treibende Kraft zu sein. Zugleich verteidigt sie das Vorgehen der Arbeitnehmervertretung als „richtig“ – und zeigt Verständnis für die Beschäftigten, die von der angekündigten Schließung der City-Filiale zum 30. April betroffen sind und sich Sorgen um ihre Zukunft machen.

Bergkamen – „Als Gewerkschaft sind wir hier in einer rein vermittelnden Position“, unterstreicht Verdi-Sekretär Karsten Rupprecht. Zu den Aufgaben Verdis zählten die Vertretung von Beschäftigten, die Beratung des Betriebsrates, zudem stehe man den Kollegen bei Betriebsversammlungen Rede und Antwort. „Keinesfalls sind wir das Sprachrohr des Betriebsrats.“

Rupprecht reagierte auf den Vorwurf von knapp der Hälfte der etwa 90 Filialmitarbeiter, wonach Betriebsrat und Verdi verantwortlich seien für das Ende des Standorts. Das weist er entschieden zurück. Kaufland habe von vornherein die Absicht verfolgt, die Filiale im Rathaus-Center zu schließen – um auf diese Weise einen unbequemen Betriebsrat loszuwerden.

„Das Ganze hat auch eine politische Dimension“

Der Betriebsrat habe zurecht und bereits vor Beginn der Corona-Pandemie eine Gefährdungsbeurteilung zum Gesundheitsschutz vom Arbeitgeber eingefordert, der solch ein Papier von Gesetzes wegen auch zu erstellen habe, sagt Rupprecht. Das sei an anderen Kaufland-Standorten auch geschehen – aber ausgerechnet in Bergkamen-Mitte nicht, wo die Betriebsratsvorsitzende auch dem Gesamt-Betriebsrat vorsteht. Rupprecht: „Das Ganze hat auch eine politische Dimension.“

Kaufland ist laut dem Verdi-Sekretär in mehr als 40 Gesellschaften aufgeteilt. Zum Beritt der Gesamt-Betriebsratsvorsitzenden zählten mehr als zehn Standorte des Unternehmens. Dieses habe im Zuge der juristischen Auseinandersetzungen jegliche Kompromissbereitschaft vermissen lassen. „Die Schließung steht gar nicht im Zusammenhang mit den Forderungen des Betriebsrats“, ist Rupprecht überzeugt. Kaufland habe dies dennoch in Teilen erfolgreich vermitteln können.

„Für Interessenausgleich und Sozialplan kämpfen“

Die Erfahrung unter anderem aus Rünthe zeige, dass sich Kaufland im Zuge auch von zwischenzeitlichen Schließungen gerne mal von Mitarbeitern trenne. Daher müsse es nun Aufgabe des Betriebsrats sein, für einen Interessenausgleich und Sozialplan zu kämpfen, betont Rupprecht. Wenn sich einzelne Kollegen mit dem Unternehmen über eine Weiterbeschäftigung in anderen Filialen einigten, ob in der gleichen Gesellschaft oder einer anderen, sei das ihre persönliche Sache. Wer aber kein ihm entsprechendes Angebot erhalte, stünde sonst vielleicht mit leeren Händen da.

Rupprecht betont, dass der Betriebsrat durch die Schließungsankündigung und durch den Vertrauensentzug vieler Mitarbeiter einem hohen Druck ausgesetzt sei. Für die Beschäftigten, die nicht wüssten, was auf sie zukomme, sei die Situation ebenfalls „alles andere als schön“.

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