Kathy Kelly reißt alle von den Sitzen

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Begeisterung über Kathy Kelly (rechts) zeigen der Chor „HeiLights“ ebenso wie das Publikum. ▪

BERGKAMEN ▪ Als sich um 18 Uhr die Türen der Oberadener Martin-Luther-Kirche öffnen, stürmen Marijke Linnenboden und Jennyfer Flashar los. 75 Minuten haben sie draußen ausgeharrt, um sich einen Logenplatz zu sichern, Tickets und Videokamera in den Händen. „Das ist gar nichts“, winken die beiden Freundinnen aus Arnsberg und Meschede lachend ab. Als eingefleischte Fans der Kelly Family sind sie ganz andere Stehzeiten gewohnt.

An diesem Abend wollen die Endzwanzigerinnen Kathy, der ehemaligen Frontfrau des legendären Clans, ihre Aufwartung machen. Die haben sie bereits in den großen Konzerthallen der Republik bejubelt. Damals, als sie gemeinsam mit Paddy, Angelo und Co. auf dem Zenit ihres Schaffens war, mehrfach Platin und Gold einheimste.

Inzwischen ist die Brünette solo unterwegs. Statt ihrer berühmten Geschwister hat sie bei ihrem Auftritt in Oberaden den hervorragenden Pianisten Andreas Recktenwald an ihrer Seite – und eine andere Großfamilie im Rücken: den heimischen Gospelchor „HeiLights“ um Pfarrerin Sabine Sarpe.

Die Sänger konnten ihr Glück kaum fassen, als vor einem Jahr die Anfrage zu einem gemeinsamen Konzert mit der „Grand Dame of Gospel and Folk“ kam. Hinter dem großen Namen verbirgt sich ein bescheidener Mensch, der trotz seiner Popularität auf dem Boden geblieben ist. „Kathy hat uns die Ängste genommen“, sagt Chormitglied Ursula Schnieder nach der ersten und einzigen Probe mit der Künstlerin.Beide Seiten harmonieren sofort – und das Publikum zieht mit. Klatscht, schnippt, schunkelt, singt und tanzt. Zwischen und neben den Kirchenbänken. Das war kein Konzert zum Ölen der Stimmbänder, das war Zumba und Flamenco in einem. 300 Besucher machten das Gotteshaus zum Schauplatz einer Mehrgenerationen-Fiesta, riefen unentwegt „Bravo!“ und forderten Zugaben ein.

„Musik ist für mich Leidenschaft, nicht Karriere“, hatte Kathy Kelly zuvor im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Wenn sie zu Akustikgitarre und Akkordeon greift, ist die Größe des Publikums nicht entscheidend. Auf der Bühne ist die in den USA geborene Vollblutmusikerin nicht nur Kumpel, der geduldig Autogramme gibt, sondern vor allem ein wahres Energiebündel. Mit „Angel“ im Repertoire hat das Liedgut zweifellos Wiedererkennungswert.

Doch die Mezzosopranistin hat sich musikalisch weiterentwickelt. Sie schmettert gefühlvolle Balladen, Gospels und Traditionals, betreibt Inselhopping zwischen Irland, Schottland und Spanien. Orte, wo sie lebt oder gelebt hat. Sie pendelt zwischen Freude und Melancholie, feurigen Rhythmen und leisen Tönen. Ihre Stimme erfüllt das ganze Kirchenschiff.

Marijke und Jennyfer hat es in der zweiten Reihe längst von den Sitzen gerissen. Wann sie das erste Kelly-Konzert besuchten, wissen sie noch auf den Tag genau. Die Familie stand sogar bei der Namenswahl beim Nachwuchs Pate. Eine Tochter trägt den Namen Maite.

Ob die Grande Dame nach Bergkamen zurückkehrt? „Warum nicht?“ entgegnet sie spontan. Einen Anlass gäbe es schon im nächsten Jahr: Dann feiern die „HeiLights“ ihr Zehnjähriges. Für seinen prominenten Gast hatte das Vokalensemble als Dank eigens einen Frühlingsduft entworfen – mit Namen „Kathy Kelly“. Da war die sonst so schlagfertige Brünette einen Moment sprachlos. ▪ rw

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