Kanalsanierung Rünthe-West

Imposante Rohrkonstruktion: Abwasser fließt zeitweise in luftiger Höhe

Damit im Bereich Hafenweg, Rünther- und Werner Straße die Kanäle saniert werden können, wird das Abwasser durch aufgeständerte Rohre gepumpt.
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Damit im Bereich Hafenweg, Rünther- und Werner Straße die Kanäle saniert werden können, wird das Abwasser durch aufgeständerte Rohre gepumpt.

Ein imposantes Bild: Entlang von Hafenweg und Rünther Straße in Bergkamen wurden in einer Höhe von etwa fünf Metern 60 Zentimeter dicke Eisenrohre aufgeständert. Weil durch die Leitungen dort oben ab der kommenden Woche das Abwasser aus der Marina sowie dem angrenzenden Wohngebiet umgeleitet wird, kann – im Inliner-Verfahren – der Mischwasserkanal unterhalb der Fahrbahn saniert werden.

Bergkamen – „Kanalsanierung Rünthe-West“ – das Projekt des Stadtbetriebs Entwässerung (SEB) hatte für das Wohngebiet nördlich des Dattel-Hamm-Kanals schon im vergangenen Jahr begonnen. Der zweite Bauabschnitt war mit Blick auf die örtliche Verkehrssituation verschoben worden. Damals war die Werner Straße wegen der Ausbesserung der Kanalbrücke auf dem Ostenhellweg viel befahrene Umleitungsstrecke.

Auch jetzt gibt es wieder einschlägige Arbeiten an Verkehrsverbindungen; der Weg über die Werner Straße (B 233) zwischen Rünthe und Werne ist wegen des Lippebrücken-Neubaus derzeit für Autos gesperrt. „Das ist aber ein Glücksfall für uns“, erläutert SEB-Betriebsleiter Marc Alexander Ulrich. „Weil dadurch weniger Fahrzeuge unterwegs sind und die Beeinträchtigungen geringer.“

Kai Lübke (von links), Thomas Staschat und Marc Alexander Ulrich vom Stadtbetrieb Entwässerung Bergkamen erläutern die Baumaßnahme.

Die Eisenrohre in luftiger Höhe verlaufen auf mehreren hundert Metern. Grund für die aufwändige Konstruktion war nicht nur die Notwendigkeit, dass der Verkehr ungehindert fließen kann (wenngleich der Abschnitt Rünther Straße ab B 233 gesperrt werden musste). Vielmehr verläuft unterirdisch ein Hauptsammler mit einem Meter Durchmesser. „Für diese Menge an Abwasser gibt es hier keine andere Umleitung“, sagt Thomas Staschat, Technischer Leiter beim SEB.

2,5 Millionen Euro kostet die Gesamtmaßnahme in Rünthe-West, im Zuge dessen 2.100 Meter Kanäle (zwischen DN 150 und DN 1000) und 74 Schachtbauwerke ausgebessert werden. Der jetzt begonnene zweite Bauabschnitt verschlinge bis zu zwei Drittel der Summe, sagt Bauleiter Kai Lübke vom SEB. Bis Oktober dauere die Sanierung, bis Ende des Jahres seien voraussichtlich noch Restarbeiten zu erledigen.

Bei Kamerafahrten Risse entdeckt

Das Abwasser aus der Marina landet im Regenrückhaltebecken östlich der B 233 und fließt weiter in Richtung Kläranlage. „20 Liter können pro Sekunde abgegeben werden“, sagt Staschat. Der Überlauf bei Starkregen werde gemäß der wasserrechtlichen Genehmigung in den Beverbach geleitet.

Der Hauptsammler unter Hafenweg und Rünther Straße stammt wie angrenzende, ebenfalls zu sanierende Kanäle an der B 233 aus den 1980er-Jahren. „Sie weisen Beschädigungen und Risse auf, die aber noch nicht so stark sind, dass komplett neue Rohre verlegt werden müssen“, schildert Staschat. Abwasser gelange ins Erdreich, Grundwasser in die Leitungen – das müsse aus Gründen des Umweltschutzes verhindert werden.

Inliner-Verfahren schont Ressourcen

Die Sanierung im Inliner-Verfahren ist nach Darstellung Staschats unterm Strich ressourcenschonender als ein Kanal-Neubau, kostet maximal ein Drittel der Summe, auch hielten sich die Beeinträchtigungen etwa durch Baulärm und für den Verkehr in Grenzen.

„Wir gehen von einer Haltbarkeit von 40 bis zu 50 Jahren aus“, erläutert der SEB-Mitarbeiter. Häufig erwiesen sich die sanierten Kanäle als noch langlebiger.

RAG beteiligt sich an den Kosten

Die sogenannten Inliner sind lange Schläuche aus Kunstharzgewebe, die in die Kanäle eingezogen werden. Verpresst werden sie durch Befüllen mit Wasser, das aufgeheizt wird. Die Arbeiten sollen Mitte kommender Woche am Schachtbauwerk neben dem Regenrückhaltebecken beginnen.

An den Kosten für die „Kanalsanierung Rünthe-West“ beteiligt sich im Übrigen auch die RAG, weil die Schäden an den Kanälen teils durch Bergsenkungen im Zuge des Kohleabbaus verursacht wurden. Der Anteil beträgt dem Vernehmen nach 12,5 Prozent.

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