Mit Maske im Gerichtssaal

Prozesse in den Amtsgerichten Unna und Kamen sollen wieder starten

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Martin Vervoort, Direktor des Amtsgerichtes Kamen, zeigt die Sicherheitsmaßnahmen im Gerichtssaal. Neben Hygienehinweisen befinden sich nun Spuckschutzwände auf den Tischen.

Wo sich die Besucher normalerweise die Klinke regelrecht in die Hand geben, herrschte in den vergangenen Wochen eine fast unheimliche Ruhe. In den Amtsgerichten Kamen und Unna war der Geschäftsbetrieb angesichts der Corona-Krise auf das Notwendigste reduziert. Das soll sich nun langsam wieder ändern – natürlich unter Einhaltung entsprechender Sicherheitsmaßnahmen.

Kamen/Unna – Leere Flure und Säle waren seit Ende März eine Folge der Pandemie, die die ganze Welt auf den Kopf stellt. Ihre rechtlichen Anliegen sollten die Bürger, soweit möglich, schriftlich oder telefonisch vorbringen und das soll in der nahen Zukunft auch noch so bleiben. „Das hat gut funktioniert. Wir sind auf sehr viel Verständnis bei den Bürgern gestoßen“, betont Martin Vervoort, Direktor des Kamener Amtsgerichts.

Selbstverständlich seien eilbedürftige Dinge wie Gewaltschutz- und Betreuungssachen oder auch Erbausschlagungen weiter erledigt worden. Das Grundbuchamt sei ebenfalls geöffnet gewesen. „Ein Gericht kann man ja nicht einfach zu machen“, bringt er es auf den Punkt. Als die Kontaktbeschränkungen angeordnet worden seien, hätten sie das so weit wie möglich umsetzen wollen und den Geschäftsbetrieb eingeschränkt. „Gleichzeitig war es für uns natürlich auch wichtig, unsere Aufgaben weiter erfüllen zu können.“ In dem Punkt zollt er seinen Mitarbeitern großen Respekt: „Wirklich alle haben hervorragend mitgezogen, um den Betrieb einerseits am Laufen zu halten und andererseits das Ansteckungsrisiko zu minimieren.“ Denn hinter den Kulissen sei sehr viel mehr gearbeitet worden, als das nach außen vielleicht den Anschein gehabt habe und ohne das Engagement der Mitarbeiter hätte das sicherlich nicht so gut geklappt.

Abstand spielt in den Sälen eine große Rolle. Auf den Besucherplätzen muss genug Freiraum bleiben.

Ganz ähnliche Erfahrungen hat Annette Rodehüser, Direktorin des Amtsgerichts in Unna, gemacht. Auf die Reaktion der Bürger angesprochen, betont sie: „Sehr gut. Die Bürger waren absolut verständnisvoll und konnten die getroffenen Maßnahmen nachvollziehen. Insbesondere da die ja auch ihrer eigenen Sicherheit dienen.“ Von echtem Stolz und einem tollen Team spricht sie mit Blick auf die Mitarbeiter im Amtsgericht Unna. „Es haben alle ganz toll mitgezogen, haben sich aktiv an der Durchführung der Maßnahmen beteiligt und das Konzept zur Verminderung von Ansteckungsgefahren vollumfänglich unterstützt.“ Nun soll der Betrieb in den Amtsgerichten in Unna und Kamen Schritt für Schritt wieder hochgefahren werden. „Auf mittlere Sicht werden wir einen Normalbetrieb sicherlich noch nicht haben. Unser Ziel ist es aber, uns dem langsam anzunähern“, formuliert es Martin Vervoort und Annette Rodehüser fügt hinzu: „Da sind wir unterwegs.“

Spuckschutz in den Sälen

Bei den Bemühungen, ein Stück juristischen Alltag einkehren zu lassen, steht nach wie vor die Sicherheit im Vordergrund aller Bemühungen. In den Sälen wurden teilweise Spuckschutz-Wände installiert, Tische und Stühle wurden auseinandergezogen, um die notwendige Distanz zu gewährleisten. Generell spielt der Abstand eine große Rolle – auch auf den Fluren. Verhandlungen finden zeitlich entzerrt statt, damit in den Pausen in den Sälen gelüftet werden kann und auf den Fluren eine zu große Anzahl von Besuchern vermieden wird. Sitzungen mit vielen Zeugen oder Beteiligten können nicht so zeitnah wie üblich erfolgen. Es müsse differenziert werden, was eilig ist und was eben nicht. Neben den Abstandsregeln werden Besucher auf die Hygienevorschriften hingewiesen – beispielsweise regelmäßiges Waschen der Hände. Auch bittet Martin Vervoort, Direktor des Amtsgerichts Kamen, alle Besucher darum, soweit möglich, Schutzmasken zu tragen. Im Amtsgericht Unna bleibt die Kantine für Besucher vorerst geschlossen. Außerdem bittet die Unnaer Direktorin die Bürger noch einmal ausdrücklich darum, sofern möglich, schriftlich oder telefonisch zu agieren.

Sowohl Annette Rodehüser als auch Martin Vervoort stellen sich den aktuellen Herausforderungen mit Zuversicht. „Ich glaube, alle im Hause sind froh, dass wir in der nächsten Woche den geordneten Dienstbetrieb wieder aufnehmen und uns, wie wir alle hoffen, langsam in Richtung einer gewissen Normalität bewegen – in Kenntnis aller Einschränkungen, die das Virus für alle mit sich bringt“, erklärt die Unnaer Direktorin. Ihr Kamener Kollege betont: „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, bin ich mir sicher, dass wir auch durch diese Krise kommen. Und wir werden dann viel gelernt haben.“

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