Vom Dienst freigestellt

Jugendpornografie auf Computer und Handy: Urteil gegen Polizist aus Bergkamen

Mit dem Smartphone verschickte ein Neuenrader kinderpornografisches Material.
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Unter anderem auf dem Handy des Polizisten wurden Dateien mit jugendpornografischen Inhalten gefunden.

Als Polizeibeamte gegen einen Ring ermittelten, der Mädchen für sexuelle Handlungen anbietet, geriet auch ein Kollege ins Visier. Am 3. September vergangenen Jahres durchsuchen Beamten daraufhin die Wohnung des 50-Jährigen in Bergkamen. Tatsächlich wurden sie fündig.

Bergkamen – Auf einem PC, einem Mobiltelefon und einer Festplatte des Bergkameners stießen die Polizisten auf 20 Dateien. Diese zeigen sexuelle Handlungen, überwiegend mit Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren. In einem Fall ist das abgebildete Mädchen unter 14 Jahre alt. Der Bergkamener wurde sofort vom Dienst freigestellt – allerdings bei weiterer Zahlung des Gehalts.

Etwa ein Jahr später fand sich der Mann auf der Anklagebank des Amtsgerichts Kamen wieder. Zunächst druckste er herum, wand sich um ein Geständnis: „Wenn auf den Geräten Bilder gefunden worden sind, wird das wohl so sein.“

Angeklagter wollte zunächst nicht erscheinen

Mit dieser Aussage konnte der Richter nichts anfangen. Es sei durch die Formulierung „wenn“ etwas auf den Datenträgern wäre, an eine Bedingung geknüpft. Er wisse nichts von dem Material auf der Festplatte, erklärt der Angeklagte dann.

Er merke, so der Richter zum Angeklagten, dass dieser sich unwohl fühlte. Ein Indiz dafür, dass er um seinen Prozess herumkommen wollte, war ein Anruf des 50-Jährigen beim Gericht am Morgen des Prozesses. Er hatte mitgeteilt, nicht kommen zu wollen. Er sei aber geladen worden und sollte auch besser erscheinen, war ihm geraten worden. Dem war der Bergkamener schließlich nachgekommen. Er verstehe die schwierige Situation, in der sich der Polizist befinde, so der Richter.

Neues Gesetz greift noch nicht

Der Vorsitzende gab aber zu bedenken, dass im Falle des Schweigens oder Abstreitens ein großer Aufwand betrieben würde, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen. Dafür sei eine neue Verhandlung mit sämtlichen Zeugen, unter anderem auch den Kollegen des Bergkameners, nötig. Das überzeugte den Angeklagten.

Er legte ein Geständnis ab: „Ich habe sowieso schon ein Jahr lang Bauchschmerzen. Ich gebe es zu. Es stimmt. Ich war vielleicht zu dumm, es zu löschen.“ Der Prozess endete mit einer Verurteilung wegen Besitzes jugendpornografischer Schriften.

80 Tagessätze zu 80 Euro lautete das Urteil. „Sie haben Glück gehabt“, erklärte der Richter. Denn: Für Taten, die nach dem 1. Januar begangen wurden, besagt ein neues Gesetz, dass diese mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Haft geahndet würden. Der Angeklagte akzeptiert die Zahlung von 6400 Euro sofort.

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