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Jugendliche mit Messer bedroht: Sie sollten „Stoff“ rausgeben

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Von: Sylvia Mönnig

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Messerangriff - Symbolbilder .Messer
Jugendliche wurden in Bergkamen von drei Männern mit einem Messer in der Hand bedroht. © Gottfried Czepluc

Förmlich aus dem Nichts versuchte eine Gruppe, Jugendliche in Bergkamen auszurauben, wobei mit Waffen eine Drohkulisse aufgebaut wurde. Ihre Opfer flüchteten. Einer der Täter, ein 39-Jähriger aus Lünen, stand nun vor Gericht, rang sich dort zu einem späten Geständnis durch und erhielt eine Chance.

Unna/Bergkamen - Der Zwischenfall ereignete sich am 22. Februar 2020 in Oberaden im Bereich des Waldes in der Nähe der Burgschule. Die Teenager vertrieben sich die Zeit mit einem kleinen Spaziergang und wurden plötzlich von mindestens vier Männern umzingelt.

Die forderten sie auf, „Stoff“ rauszugeben, präsentierten ihnen dann, um ihrem Ansinnen den nötigen Nachdruck zu verleihen, ein Springmesser und einen Schlagstock. Die Jungen nahmen die Beine in die Hand und damit scheiterte die geplante räuberische Erpressung. Wobei sich die Jugendlichen später ohnehin ratlos zeigten, warum gerade sie „Stoff“ besessen haben sollten.

„Wir waren alle voll geschockt“

Ein Tatbeteiligter, der 39-Jährige, der mittlerweile von Bergkamen nach Lünen umzog, musste sich jetzt vor dem Schöffengericht in Unna verantworten – und wusch seine Hände zunächst in Unschuld. Er habe sich auf dem Heimweg befunden und zwei Bekannte getroffen, die ganz plötzlich hinter den Jungs hergerannt seien. Er sei daraufhin nach Hause gegangen. „Ich weiß gar nicht, was die von denen wollten“, bekundete er.

Allerdings wurden die vier betroffenen Jugendlichen gehört und drei von ihnen erkannten den Angeklagten nicht nur als einen der Täter wieder, sondern waren sich auch sicher, dass er derjenige gewesen war, der das Messer aus der Tasche zog. Ein heute 17-Jähriger betonte außerdem: „Wir waren alle voll geschockt – und hatten Angst.“ Sein Kumpel (18) erinnerte sich kurz darauf: „Wir wussten gar nicht, was wir machen sollten. Wir haben uns alle blöd angeguckt. Dann sind wir losgelaufen.“ Warum die Angreifer „Stoff“ gefordert hätten, das wisse er auch nicht. Er habe keinen gehabt und konsumiere auch nicht.

Spätes Geständnis

Nach diesen Aussagen und einem Vier-Augen-Gespräch mit seinem Verteidiger lenkte der 39-Jährige dann ein. Sein Rechtsanwalt erklärte für ihn, dass er doch mit der Gruppe unterwegs gewesen sei. Einer habe dann die Forderung gestellt und er habe die Drohkulisse mit aufgebaut, habe das Messer gezogen, auch wenn er gar nicht so genau wisse, warum er das getan habe.

Das späte Geständnis, der Zeitablauf, ein damals noch leeres Strafregister und der Umstand, dass die Tat im Versuchsstadium stecken blieb und somit kein Schaden entstand, ließen das Gericht zur Annahme eines minderschweren Falles gelangen. Folge: 18 Monate Haft auf Bewährung.

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