1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

Feuerwehr fährt 507 Einsätze - zu schaffen macht Freiwilligen aber die lange Corona-Distanz im Team

Erstellt:

Von: Bernd Kröger

Kommentare

Zusammen im Einsatz stehen, zusammen auch mal feiern: Ehe Corona Begegnungen wie diese im Rünther Gerätehaus unmöglich machte, zogen die Freiwilligen ihre Motivation auch aus dem kameradschaftlichen Miteinander. Das soll‘s bald wieder geben.
Zusammen im Einsatz stehen, zusammen auch mal feiern: Ehe Corona Begegnungen wie diese im Rünther Gerätehaus unmöglich machte, zogen die Freiwilligen ihre Motivation auch aus dem kameradschaftlichen Miteinander. Das soll‘s bald wieder geben. © Kim Bußmann

507 Einsätze hat die Feuerwehr 2021 gemeistert, so viele wie noch nie. Zu schaffen macht den Freiwilligen aber weniger die Arbeit, als nun schon zwei Jahre notgedrungene Covid-Distanz. Leiter Dirk Kemke hofft, den Kameraden bald etwas bieten zu können.

Rünthe – Was für ein Jahr! In der Rückschau auf die Feuerwehreinsätze 2021 schien sich Dirk Kemke, trotz sorgsamer Vorbereitung, selbst noch zu wundern, was die 208 Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Bergkamen in der neuen Höchstzahl von 507 Einsätzen alles geleistet haben. „Stimmt, das hatten wir ja auch noch“, sagte Kemke mehrfach, als aus dem Ausschuss für Öffentliche Sicherheit und Ordnung Fragen zu noch Unerwähntem kamen.

Soziale Komponente kommt zu kurz

Doch mehr noch als die feuerwehrtechnischen und körperlichen Herausforderungen trieb den Stadtbrandinspektor dabei um, dass in der Pandemie die wichtigste Grundlage für das freiwillige Engagement zur Sicherheit der 50 000 Einwohner weggebrochen ist: „Wir hatten seit 2019 keine einzige kameradschaftliche Veranstaltung mehr. Da fehlt etwas im sozialen Gefüge der Einheiten.“

Keine Begegnung mit Bürger mehr

Ihren Job haben die Männer und Frauen sehr zur Zufriedenheit des Chefs gemacht, Gefahren abgewendet, Menschen gerettet und sich in beachtlichem Umfang neben dem Dienst qualifiziert. Der Dank des im Gerätehaus Rünthe versammelten Gremiums im Namen aller Fraktionen ist ihnen gewiss. Aber die gegenseitige Bestätigung bei Bier und Bratwurst, Anerkennung bei der Begegnung mit den Menschen, um deren Wohl es im Notfall geht, das vermissten Bergkamens Retter, so Kemke. Etwa die in Rünthe so geschätzte Glühweinparty.

Kameradschaftsabend in Planung

Das Miteinander sei starke Motivation, unter den Auflagen für den Schutz kritischer Infrastruktur aber schlicht unmöglich gewesen. „Für dieses Gebäude hier galt bis vor kurzem noch ein Betretungsverbot“, verdeutlichte er die strikten Vorgaben für den Erhalt der Einsatzbereitschaft. „Wir wollen daher alles daran setzten, in diesem Jahr zumindest einen Kameradschaftsabend ohne großes offizielles Programm auf die Beine zu stellen“, kündigte der Feuerwehrchef an, die dafür zur Verfügung gestellten Mittel seien sehr bedeutsam.

Erschwerte Nachwuchsgewinnung

„Uns ist in der Pandemie auch die Außendarstellung verloren gegangen“, leitete Kemke zu einem anderen Hauptanliegen über: Nachwuchsgewinnung zur Verstärkung und Entlastung der Einheiten. Denn die seien weit mehr beansprucht als die vorgegebene Zählweise der Einsätze erkennen lässt. Die mehr als 300 Einsätze allein beim Hochwasser Mitte Juli werden in der amtlichen Statistik als ein Einsatz verbucht. Auch würden die einzelnen Einheiten faktisch häufiger angefordert, als es die Erfassung nach den Anlässen wiedergebe.

In Heil fehlen Freiwillige

Der Blick auf die Aufgebote in den Ortsteilen fällt deswegen in Heil sorgenvoll aus. „Dort haben wir nur noch 19 Aktive, es kommt schon länger nichts nach. Einige Ältere Kameraden wollen allmählich aufhören.“ Im Durchschnitt sei die Truppe aber recht jung und führe bewusst Aktive früh an Führungsaufgaben heran, um vitale Strukturen zu bewahren.

Bürgerabend in Heil geplant

Mit gezielter Ansprache der Bewohner will Feuerwehrchef Dirk Kemke das mögliche Aus der Einheit Heil abwenden. Es soll einen Bürgerabend geben, wenn Corona das wieder erlaubt, um über Aufgaben und Engagement ins Gespräch zu kommen in der Hoffnung auf Nachwuchs oder Quereinsteiger. 19 Aktive zählt die Einheit, Tendenz sinkend. Sie ist mit einem Löschfahrzeug und einem Einsatzleitwagen für je neun Kräfte ausgestattet ist. Rechnerisch würden dafür 27 Kameraden benötigt, damit ein Trupp steht. Die Wehrführung möchte sicherstellen, dass für den Basisdienst Brandschutz und Technische Hilfe mit dem LF 20 verlässlich ist. Die umliegenden Einheiten können dann immer noch Verstärkung leisten. Die Feuerwehr soll auch Fixpunkt im Dorfleben bleiben.

Bei der Nachwuchsgewinnung ruhen die Hoffnungen weiter auf der Jugendfeuerwehr mit ihren 31 Mitgliedern. Die ist übrigens noch um Frauen als Betreuerinnen (ohne Feuerwehrkenntnisse) verlegen, wie Dezernentin Christine Busch anmerkte.

2021 manches Mal mit großem Besteck

Weil es die eine große Sache im Einsatzgeschehen 2021 nicht gab, präsentierte Kemke die Essenz der herausforderndsten Aufgaben; beinahe ein Abriss der Jahreszeiten – angefangen mit den Schneemassen im Februar. Die Hochwasserlagen – erst in Fröndenberg, dann auch hier, beanspruchten die Kameraden, die teils trotzdem noch überörtlich halfen. Die Stürme taten ein Übriges, die chemischen Attacken mit beißenden Substanzen in Discount-Märkten und dem Ärztehaus, der nur dank glücklicher Umstände glimpflich verlaufene Säureanschlag aufs Rathaus verlangte der Wehr einiges ab. Und dann war da ja auch noch die gelbe Giftwolke aus dem Mülllaster in Rünthe. Reichlich Stoff für eine Nachbesprechung in geselliger Runde.

Auch interessant

Kommentare