Mehr Respekt vor dem Tier

Auf der Jagd: Bergkamenerin erzählt, warum sie schießt

+
Hund Buffy ist immer dabei, wenn Malgorzata Drabik mit ihrem Mann auf die Jagd geht.

Bergkamen - Wer jagt, wird oft mit Kritik konfrontiert. Mörder, meist Männer, die nur zum Spaß Tiere erschießen, so das Vorurteil. Gegen dieses Schubladendenken wehren sich Jägerinnen wie Malgorzata Drabik. Doch die Frage bleibt: Wie rechtfertigt man eine Leidenschaft, zu der das Töten gehört? 

Nicht der Hass, der Blutdurst oder der Spaß am Töten, sondern die Liebe zu Tieren führte die 40-jährige Malgorzata Drabik aus Bergkamen zur Jagd. Tiere aus Liebe erschießen? Was sich zuerst paradox anhören mag, kann Drabik schnell begründen. „Mein Mann und ich hatten genug von der Massentierhaltung in Deutschland“, so Drabik. Es sei schrecklich, wie die Tiere auf engem Raum hausen müssten. Während der Jagd schieße sie Tiere, die ein Leben in Freiheit genossen haben. „Mehr Bio geht nicht“, so die Jägerin. Sie wolle wissen, wo ihr Fleisch herkomme, wie die Tiere gelebt haben. „Wenn man das Tier selbst erlegt und zerlegt, hat man eine ganz andere Beziehung zum Fleisch – viel mehr Respekt.“ 

Viel lernen für den Jagdschein

Sie sei schon immer gern mit ihrem Mann in der Natur unterwegs gewesen. „Wir waren jedes Wochenende im Wald spazieren und haben die Tiere beobachtet“, so Drabik. Dann habe sie vor zwei Jahren zusammen mit ihrem Mann den Jagdschein gemacht. „Wir haben sehr viel dafür gelernt“, so Drabik. Täglich hätten sie sich nach der Arbeit zusammengesetzt und gepaukt, Frage für Frage, Tag für Tag, langsam aber sicher, wurden beide zu Experten. „Es geht nicht nur um die Jagd, sondern auch um die Natur, Gesetze und Pflichten“, so die Bergkamenerin. 

Jagen ist keine Männerdomäne mehr. 

Mit Gesetzen argumentiere sie auch gegen Jagdkritiker. „Mir wird oft vorgeworfen, dass ich eine Mörderin bin und schießen würde, was ich will“, so Drabik. Dabei sei im Jagdgesetz festgelegt, wann welche Tiere geschossen werden dürfen. Außerdem müsse sie sich vorher auf die Pirsch legen und das Tier beobachten. „Ich muss prüfen, ob es krank oder verletzt ist“, so Drabik. Kranke Tiere schieße sie eher, starke Jungetiere hingegen nicht. „Ich muss ein Tier nicht schießen, nur weil ich es lange beobachtet habe.“ 

Tiere sollen nicht leiden

Wenn der Finger auf dem Abzug ruht, das Auge zugekniffen, die Büchse angelegt ist, dann sei dies für Drabik der schwierigste Moment. Sie kämpfe mit sich selbst. Ihr Körper sträube sich gegen den Schuss.

„Das Tier zu erschießen fordert unglaublich viel Überwindung.“ Sie wolle keine Tiere töten, allerdings sei es das kleinere Übel gegenüber der Massentierhaltung. „Als ich das erste Mal an einem Schießstand war, bin ich bei jedem Geräusch zusammengezuckt.“ Umso wichtiger ist es der Jägerin, die Tiere nicht leiden zu lassen. Ein gezielter Schuss reicht, um den Tieren ein schmerzfreies Ende zu bereiten. 

Fleisch wird vollständig verwertet

„Respekt vor dem Tier steht an erster Stelle“, erzählt Drabik. Sie habe mehrere Rituale, die sie nach dem Jagen durchführe. „Nach dem Schuss gehe ich unter anderem zu dem Tier und entschuldige mich, dass ich ihm das Leben genommen habe. Dann bedanke ich mich bei der Natur für dieses wunderschöne Geschenk“, so die Jägerin. Oberstes Gebot im Hause Drabik: Das Fleisch wird vollständig verwertet. „Wir schmeißen nichts weg, das ist uns sehr wichtig. Dafür hat ein Tier sein Leben gelassen. Davor haben wir Respekt.“Aus dem Supermarkt kaufe sie kein Fleisch mehr. 

Dass sich immer mehr Frauen für die Jagd begeistern, freut Drabik. „Ich denke, dass die meisten Frauen einen ausgeprägteren Fürsorgeinstinkt haben und vorsichtiger sind. Beispielsweise bei der Schussabgabe“, so die Bergkamenerin. 

Auch wenn viele Jäger die Tiere respektieren: Schwarze Schafe gebe es aber überall. Wilderei wie es sie im vergangenen Monat auch rund um Bergkamen gegeben hatte, verurteilt Drabik scharf. „Sowas ist unbegreiflich. Das sind keine Jäger“, so die 40-Jährige. Es sei wichtig, die Menschlichkeit nicht zu verlieren. Wilderer würden die Jägerschaft zu Unrecht in ein schlechtes Licht rücken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare