Erste Pläne für das neue Einkaufszentrum in Bergkamen

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So soll es einmal in Bergkamen werden: Diese Ansicht zeigt eine Perspektive vom Obergeschoss in den Innenhof, in dem Autos parken können.

Bergkamen - Der neue Eigentümer der Turmarkaden will Tabula rasa machen: Der bestehende Gebäudekomplex soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dessen Gebäude werden einen Innenhof bilden, der von einem Glasdach überspannt ist. Namen der künftigen Mieter und Geschäfte auf den 30 000 Quadratmetern Fläche gibt es noch nicht. Baustart soll 2020 sein.

Wer ist der neue Eigentümer der Turmarkaden? 

Die Interra Immobilien AG aus Düsseldorf ist ein sogenanntes „Multi-Family-Office.“ In so einem Konstrukt engagieren sich mehrere Familien mit ihrem Privatvermögen als projektbeteiligte Teilhaber. „Wir sind kein Fonds, der mit den Mitteln vieler kleiner Anleger arbeitet. Wir bringen unser eigenes Geld ein – und haben daher auch ein Interesse daran, dass ein Projekt läuft“, erläutert Peter Dietrich, der Interra in Bergkamen gemeinsam mit Vorstand Alexander Dold vertritt. 

„Wir lagern die zu führenden Gespräche nicht an Dritte aus, sondern machen es selbst. Wir beide sind die Ansprechpartner, in komplizierten Fällen auch noch unser dritter Mann Prof. Dr. Andreas Dulger.“ 

Warum hat Interra das Gelände gekauft? 

„Wir haben die zentrale Lage und die Notwendigkeit für ein Hybrid-Center gesehen“, erklärt Alexander Dold. „Durch den Leerstand konnten wir aus dem Vollen schöpfen und mussten nicht um Bestandsmieter herumbauen.“ Natürlich habe man den Markt analysiert und glaube, dass man sich in Bergkamen gegenseitig befruchten könne. „Das kann eine gute Ergänzung werden“, ist Architekt Dirk Eicker überzeugt. 

Warum soll abgerissen und neugebaut werden? 

Der Großteil des alten Gebäudekomplexes wurde für einen einzigen Nutzer gebaut, nämlich Wal Mart. Entsprechend sind Anlieferungsmöglichkeiten und die Gebäudeversorgung geregelt. Ein Umbau für mehrere Nutzer sei daher sehr aufwendig, außerdem wollten potenzielle Mieter nicht in umgebaute Bestände. Bei einem Neubau könnten Mieter jedoch Wünsche äußern, was die Konzeptidee attraktiv mache. „Abriss und Neubau sind daher das Beste für die Lage, Stadt und das Projekt“, zeigt sich Dold überzeugt. 

Wie soll das neue Gebäude aussehen? 

Der Neubau wird als geschlossene Bebauung ein zweigeschossiges Karree bilden, das in der Mitte einen großen freien Platz lässt. Dort sollen Parkmöglichkeiten für 120 bis 150 Autos entstehen, denn aktuell wünschten sich Käufer ebenerdige Parkmöglichkeiten, analysierten die Investoren. Unter dem Platz soll eine Tiefgarage Platz für weitere 500 Fahrzeuge haben. Das Obergeschoss des neuen Bauwerks und die dortigen Ladenlokale sollen über Rollstiegen und einen umlaufenden Galeriegang vom Parkplatz aus erschlossen werden. Überdacht wird das Ganze von einem Glas-Stahl-Gerüst, das jedoch hoch genug ist, damit die Belüftung und das Ableiten der Autoabgase gewährleistet ist. 

Die Düsseldorfer „Interra Immobilien AG“ geht aktuell von einem Baubeginn 2020 aus.

Wo werden die Zuwege zur neuen Einkaufs-Galerie sein? 

Der Haupteingang wird an der Töddinghauser Straße unmittelbar gegenüber des Rathauses und des Platzes der Partnerstädte liegen. Der Autoverkehr wird von der Hubert-Biernat-Straße zu Parkplatz und Tiefgarage geleitet. Externe Verkehrsexperten, so erläuterte Dold, seien aktuell dabei, entsprechende Planungen zu erarbeiten. Sicher ist jedoch, dass es ein Verkehrsleitsystem geben soll, damit jeder Einfahrende einen Parkplatz findet. Von der Tiefgarage wird es über Fahrstühle und Treppenhäuser ins Einkaufszentrum gehen. 

Wie weit sind die konkreten Planungen? 

Man stehe noch ganz am Anfang, erläutert Erster Beigeordneter und Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters. „Wir sind noch weit entfernt vom Bauantrag.“ Zunächst müssten Details des Abrisses geklärt werden. Wird das Konzept auch zukunftsfähig sein? Zweimal scheiterten ähnliche Konzepte in der Vergangenheit kläglich. Zuerst der Karstadt/Plaza-Komplex, dann Wal Mart. Außerdem hat sich das Kaufverhalten der Menschen geändert, der Online-Handel boomt. „Der Handel hält die Kaufkraft aber vor Ort“, ist Dirk Eicker überzeugt. Garantien könne man nicht geben, aber man gehe davon aus, dass das Konzept 30 Jahre Bestand habe. Das sei auch die gängige Mietlaufzeit solcher Objekte. „Handel ist Wandel. In 30 Jahren wird das Gebäude nach solch einer Nutzung überholt sein und man muss schauen, was dann passiert.“ 

An der Töddinghauser Straße soll es einen offenen Durchgang in den Innenhof des Centers geben.

Was sagt die Politik? 

Mit Blick auf die Geschichte der Einkaufszentren an diesem Ort sind die Grünen „äußerst skeptisch“, was die Pläne anbelangt. „Wir haben großes Interesse an einer langfristigen Nutzung, mit Betonung auf langfristig“, sagte Harald Sparringa. „Kommt in 30 Jahren ein erneuter Abriss? Zwei hatten wir ja schon. Vieles der neuen Pläne erinnere an das, was man mal hatte und was unter der Begründung „Charme der 70er Jahre“ abgerissen wurde. 

Was sagen die Befürworter?

 „Grundsätzlich freut es uns, wenn Investoren hier tätig werden und diesen städtebaulichen Missstand, ja Schandfleck, beseitigen“, sagte Bernd Schäfer als Ausschussvorsitzender. Rüdiger Weiß sagte für die SPD, „wir werden freudig erregt sein, wenn der Abriss kommt. Wir haben schon viele bunte Plänchen gesehen, die nie umgesetzt wurden. Jetzt scheint es ein guter Weg zu sein.“ Angelika Lohmann-Begander (FDP) gefällt die offene Art der neuen Galerie. „Frische Luft und Tageslicht fehlen mir bisher in vielen Einkaufszentren.“ Thomas Heinzel (CDU) zeigte sich „begeistert, dass jemand nach Bergkamen kommt und investiert.“ 

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