1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

Kampf gegen Überschuldung: Awo-Beraterin gibt Spartipps für Menschen im Kreis Unna 

Erstellt:

Von: Christoph Volkmer

Kommentare

Viele Preise sind im Allzeithoch. Da ist die Geldbörse oft viel zu schnell leer.
Viele Preise sind im Allzeithoch. Da ist die Geldbörse oft viel zu schnell leer. © Volkmer

Benzin teuer, Öl teuer, Gas teuer, Brot, Pommes - was noch? Manche haben kein Auskommen mehr mit dem Einkommen. Ein paar Tipps zum Sparen.

Bergkamen/Kreis Unna – Die Corona-Pandemie hat die Verschuldung vieler Menschen verstärkt, die Arbeitsplätze verloren haben oder wegen Kurzarbeit mit weniger Einkommen auskommen mussten. Dauerhafte Entlastungen sind derzeit nicht in Sicht, denn die Inflation in Deutschland steigt ebenso konstant wie die Kosten für Energie. Viele Preise sind im Allzeithoch.

Aktionswoche

Von der Verschuldung in die Überschuldung ist es manchmal nur ein kleiner Schritt und in Zeiten von steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel sowie der Unsicherheit in der Wirtschaft ist dieser schnell getan – oft mit verheerenden Folgen. „… und plötzlich überschuldet“ heißt der Titel der 23. bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung. Die Aktionswoche findet in diesem Jahr vom 30. Mai bis 3. Juni statt und macht unter anderem darauf aufmerksam, dass noch immer nicht alle Menschen ein Recht auf eine kostenfreie Beratung haben. Soloselbständige, Rentner und Studenten etwa sind davon ausgeschlossen. Anlässlich der Aktionswoche fordert die Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatungsstellen der Verbände (AG SBV) ein Recht auf Schuldnerberatung für alle und einen Ausbau der Schuldner- und Insolvenzberatung.

Sandra Bartsch ist Schuldnerberaterin bei der Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Lippe-Ems. Die Expertin und ihr Berater-Team unterstützen regelmäßig Menschen im Kreis Unna mit finanziellen Problemen. „Der Beratungsbedarf ist seit Beginn der Pandemie deutlich gestiegen“, sagt Bartsch, die ein paar Tipps für verschiedene Ausgabenarten hat, mit denen sich Geld sparen lässt.

Energie


Durch die CO2-Steuer, aber ebenso durch den Angriff auf die Ukraine sind die Energiekosten stark gestiegen. Die Schuldnerberaterin rät Verbrauchern, zu überprüfen, ob die Höhe der monatlichen Abschlagszahlung noch zu den höheren Kosten passt, damit dann, wenn die Jahresrechnung kommt, nicht zu viel nachgezahlt werden muss.

In der Jahresrechnung zeigt bekanntlich der tatsächliche Verbrauch, ob die Höhe der Abschläge oder Vorauszahlungen passt oder verändert werden muss. Immerhin erfordern die anstehenden Sommermonate keine Heizung.

Auto


Viele Menschen sind auf ein Auto angewiesen, um zu ihrer Arbeit zu kommen. Seit Monaten aber sind die Kraftstoffpreise konstant hoch, sodass das Tanken immer größere Löcher in viele Haushaltskassen reist. „Jedes Kilogramm Gewicht erhöht den Verbrauch des Autos. Man sollte also keinen Ballast herumfahren“, rät die Beraterin. Ein echter Stromfresser ist dazu die Klimaanlage, die den Verbrauch im Stadtverkehr um bis zu 1,8 Liter auf 100 Kilometer erhöht. „Doch insgesamt lässt sich viel so nicht einsparen“, gibt auch die Expertin zu. Mit dem Neun-Euro-Ticket für die Bahn will die Politik die Bürger ab Juni zumindest temporär von den hohen Energiepreisen entlasten. „Vielleicht sollte überprüft werden, in welchen Bereichen ein Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel möglich ist“, so Bartsch.

Zudem könne es sinnvoll sein, sich für den Weg zur Arbeit mit Kollegen kurzzuschließen, eventuell um Fahrgemeinschaften zu gründen. Ab Herbst sollte der Blick dann auf die Versicherung geworfen werden, denn wer die Gesellschaft wechselt, kann bei der Haftpflicht- und Kaskoversicherung einiges sparen.

Versicherungen


Grundsätzlich sieht die Schuldnerberaterin auch bei Versicherungen Einsparpotenzial. Jede einzelne Police sollte einmal genau unter die Lupe genommen werden. „Es macht schon Sinn, wenn man sich überlegt, welche Versicherung wirklich notwendig ist und welche vielleicht nicht, denn Versicherungsverträge sollten möglichst immer die aktuelle Lebenssituation widerspiegeln“, sagt Bartsch.

So mancher Versicherungsschutz sei in die Jahre gekommen und längst günstiger und zu besseren Konditionen erhältlich. „Grundsätzlich aber sollte der Fokus nicht auf der Prämienhöhe liegen, sondern auf den versicherten Leistungen“, unterstreicht Bartsch.

Lebensmittel


„Der Einkaufszettel ist ein Klassiker, der beim Einkaufen bares Geld sparen kann“, ist Bartsch überzeugt. Denn wer schon vor dem Einkaufen überlegt, was gebraucht wird, kaufe in der Regel weniger unnötige Dinge, rät die Schuldnerberaterin.

Ein vorheriger Blick in die Werbeblätter der bevorzugten Supermärkte sei ebenfalls hilfreich, um Angebote entdecken zu können. Auch No-Name-Artikel sollten nicht vom Kauf ausgeschlossen werden, sei der Inhalt doch oftmals mit dem Markenprodukt vergleichbar. Verbraucher könnten beim Einkaufen zudem auf Fertiggerichte verzichten. „Selbst kochen ist nicht nur billiger, sondern oftmals auch gesünder“, sagt Bartsch.

Kredite


„Jedes Darlehen hat seinen Preis, und es birgt immer ein zusätzliches wirtschaftliches Risiko. Wer sich umfassend informiert, kann Stolperfallen vermeiden“, rät Bartsch. Generell sei Vorsicht bei Kreditaufnahmen angebracht.

„Man sollte genau überlegen, ob das, was mit Hilfe eines Darlehens angeschafft werden soll, tatsächlich sofort benötigt wird. Es ist in der Regel günstiger, erst für eine Anschaffung zu sparen und erst dann zu kaufen, wenn man das Geld beisammen hat.“ Wenn ein Kredit unbedingt nötig sei, empfiehlt die Expertin, die Preise möglichst vieler Kreditinstitute miteinander zu vergleichen, dabei sei dann allein der effektive Jahreszins aussagekräftig.

Auch interessant

Kommentare