Betreiber freut sich über Lockerungen

Corona beschert Wohnmobilhafen Dauergäste – Öffnung jetzt auch für Urlauber

18 Stellplätze umfasst der im Halbrund angelegte Wohnmobilhafen in der Marina Rünthe. Betreiber Detlef Göke konnte zuletzt nur Menschen beherbergen, die beruflich reisen oder dauerhaft im Wohnmobil leben. Das hat sich jetzt geändert.
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18 Stellplätze umfasst der im Halbrund angelegte Wohnmobilhafen in der Marina Rünthe. Betreiber Detlef Göke konnte zuletzt nur Menschen beherbergen, die beruflich reisen oder dauerhaft im Wohnmobil leben. Das hat sich jetzt geändert.

Seit den jüngsten Corona-Lockerungen kann der Wohnmobilhafen in der Marina Rünthe wieder Tagesgäste willkommen heißen. Im Gegenzug nimmt Betreiber Detlef Göke langsam Abschied von Reisenden, die hier wegen der Pandemie gestrandet waren – teils für viele Monate.

Bergkamen-Rünthe – Göke ist die Erleichterung anzumerken. Lange Zeit bewegte sich kaum etwas auf seiner für 18 Fahrzeuge ausgelegten Stellfläche. Mit Sinken der Inzidenz im Kreis Unna mehren sich nun wieder die Anrufe und Anfragen. „Für heute haben sich drei neue Gäste angekündigt“, sagt der 63-Jährige. „Alle sind nervös, alle wollen wieder raus an die frische Luft.“

Moderne Nomaden nennt Göke die Wohnmobilisten, denen er Raum zum Verweilen bietet. Weil sie stets unterwegs sind und vielleicht auch auf der Suche. „Über Pfingsten hätte ich den Platz dreifach belegen können“, sagt er. Doch er öffnete erst nach dem Fest, zu Wochenbeginn. „So einen Ansturm wollte ich mir nicht gleich zu Beginn antun.“

Wohnmobilhafen in Bergkamen öffnet wieder

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Doch ein nächster ist zu erwarten. Spätestens am verlängerten Fronleichnamswochenende dürften die Anlage mehr Fahrzeuge ansteuern, als dort Platz finden. Reservierungen sind nicht möglich – „das ist so üblich in der Branche“, erläutert Göke.

Die Corona-Pandemie hat ihn so kalt erwischt wie alle anderen. Im März 2020 kam die Aufforderung, den Wohnmobilhafen zu schließen. Göke verstand nicht wirklich, warum. In den Hotels konnte ja auch weiterhin nächtigen, wer zum Beispiel auf Montage war. Und außerdem: „Es gibt viele Wohnmobilisten, die nur eine Meldeadresse haben und in ihren Fahrzeugen leben. Wo sollten die bleiben?“ Längere Zeit an der Straße zu stehen, so Göke, sei nicht erlaubt und ohnehin keine Lösung.

Wir standen zuvor bei den Kindern in Viersen. Dort konnten wir aber nicht ewig bleiben.

Renate Buchheim (72) lebt mit Ehemann Volker (75) seit 8 Jahren im Wohnmobil

Göke überzeugte die Behörden. Von der Bezirksregierung Arnsberg kam das Okay, Arbeitende und Dauergäste aufzunehmen. „Wir waren weit und breit die Einzigen, die das durften.“

Und das hat sich herumgesprochen unter den Wohnmobilisten. So war Göke zum Beispiel für Renate und Volker Buchheim rettender Anker. „Wir standen zuvor bei den Kindern in Viersen“, erzählt Renate Buchheim (72). „Dort konnten wir aber nicht ewig bleiben.“

Gästefahrt zum Friseur und in die Wäscherei

Seit acht Jahren leben die Buchheims in ihrem Wohnmobil. Ihr Haus in Schleswig-Holstein haben sie verkauft. Vor mehr als zwei Monaten kam das Ehepaar nach Rünthe. „Wir fühlen uns hier sehr wohl, uns fehlt nichts“, betont Renate Buchheim. Das habe auch mit der guten Betreuung durch Göke zu tun. Er fahre die Gäste bei Bedarf auch mal zum Friseur und in die Wäscherei oder schmeiße den Grill an.

„Wo ich einparke, da in ich zu Hause“, sagt Renate Buchheim. Den Winter verbringt, das Paar, das früher im Schuldienst gearbeitet hat, gerne im Süden Europas, in Spanien oder Portugal. Ihr jüngstes Sommer-Ziel, Sardinien, hatte es wegen Corona canceln müssen. Es soll in Kürze angesteuert werden. „Sobald wir beide das zweite Mal geimpft sind“, sagt Ehemann Volker (75).

Die Buchheims sind übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass Wohnmobilisten nicht nur reine Nomaden sind, sondern – zumindest zwischendurch – auch mal längere Zeit sesshaft sein können. Ihr Wohnmobil hat in den acht Jahren erst 120.000 Kilometer zurückgelegt.

Lob für „familiäre Atmosphäre“

Ob auf Tour oder angekommen: Wohnmobilisten lieben das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, genießen die Möglichkeit, einfach weiterfahren zu können oder es gerade nicht zu tun. Da geht es Michael Hochmahl (63) nicht anders. Er steht mit Frau Karin (59) und Hund Biggi seit nunmehr einem Jahr in Rünthe. Von Corona gefangen fühlt er sich nicht. „Die Atmosphäre auf dem Platz ist fast schon familiär.“

Auch Michael Hochmahl ist vom guten Service angetan. „Den hat man sonst nirgendwo“, lobt er Gastgeber Göke. Dieser sorgt in Verbindung mit dem Corona-Testzentrum an der Ökostation auch dafür, dass regelmäßig vor Ort Abstriche gemacht werden können. Übernachtungen im Wohnmobilhafen sind aktuell nur Geimpften, Genesenen und Getesteten möglich (3G-Regel).

Die Hochmahls stammen aus dem Osten Deutschlands und lebten zuletzt in Köln. Ihr Interims-Nachbar in Rünthe ist ebenfalls seit rund einem Jahr vor Ort. Sobald das Land Mecklenburg-Vorpommern die Corona-Regeln lockert, soll’s wieder losgehen. Das erste Ziel der Hochmahls: die Insel Usedom.

„Keine Ahnung, wie die das gemacht haben“

Detlef Göke ist seit Jahresbeginn Rentner. Den Platz betreibt er seit 2007 zusammen mit Ehefrau Christiane nebenberuflich; die Summe aller Übernachtungen schätzt er auf mittlerweile 35.000. Zuletzt standen täglich im Schnitt sechs bis acht Fahrzeuge in der Anlage. „Das hat gereicht, um die Kosten zu decken“, sagt Göke.

Er selbst fahre kein Wohnmobil, sagt er. Aber er überlege, die vielen Geschichten aufzuschreiben, die er mit den Wohnmobilisten erlebt habe – mit denen, die immer wiederkämen, und mit denen, die er einmal und dann nie wieder gesehen habe. Da seien zum Beispiel die fünf Franzosen gewesen, die alle in einem Bulli übernachtet hätten („Keine Ahnung, wie die das gemacht haben“). Und da sei der Schweizer, der nicht ans Meer wollte, sondern an die See – und deshalb nach Norden fuhr.

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