Stadtrat bekennt sich zur Gedenkaktion

Bergkamen bekommt Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine zum Gedenken an die Verfolgten des Nazi-Regimes
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Gunter Demnig hat bereits in allen anderen Kommunen des Kreises Stolpersteine verlegt. Jetzt soll er auch in Bergkamen tätig werden.

In Bergkamen werden in absehbarer Zeit Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Das hat der Stadtrat am Donnerstag einstimmig entschieden und die ersten sieben Menschen bestimmt, denen ein Stein in dem Projekt des Künstlers Gunter Demnig zum Gedenken gewidmet wird.

So kommt unter anderem der geschätzte Rünther Nachkriegspolitiker und letzte Bürgermeister der Gemeinde, August Kühler, als vormals verfolgter Kommunist zu Ehren. Ebenso der in KZ-Haft ermordete Genosse Ernst Bronheim, einst Anwohner der Glückaufstraße.

Es gibt noch einen wichtigen Bezug zu Rünthe: Dort ist Manuel Izdebksi aufgewachsen und trotz Umzugs nach Dortmund mit dem Herzen irgendwie geblieben. Davon zeugt eine Reihe von ortsgeschichtlichen Beiträgen, die Izdebski akribisch recherchiert und für den WA verfasst hat. Auf dieses Engagement bei den Nachforschungen zu den hiesigen Opfern der NS-Verfolgung geht schließlich auch die Initiative zurück, sich in Bergkamen an der Stolperstein-Aktion zu beteiligen, wie es alle anderen Kommunen im Kreis Unna, 1300 bundesweit und zig weitere im europäischen Ausland schon getan haben.

Für Izdebskis Beitrag gab es in der Ratssitzung ein großes Lob von Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich: „Wir können uns nur bedanken für den wertschätzenden Impuls. Das ist der Beginn einer engeren Zusammenarbeit.“ Die Verwaltung, speziell das Museumsteam schätze sich glücklich, auf jemanden getroffen zu sein, der mit profunden Kenntnis, detaillierter Archivarbeit und Herzblut an der Geschichte seiner Heimatstadt arbeite.

Aktion steht für sich

Das Konzept des Künstlers sieht vor, dass die erste Initiative zur Erinnerung an verfolgte, vertriebene oder ermordete Mitbürger mit einem Stein an ihrem jeweils frei gewählten Wohnort von Bürger ausgehen muss und sich die Städte dann durch Ratsbeschluss verpflichten.

Nach erster verhaltener Reaktion auf den Antrag fand die Initiative bereits am Dienstag im Kulturausschuss ein positives Votum. Die eingangs geforderte Einbettung der Stolpersteine in ein noch zu erstellendes Konzepts zur Erinnerungskultur ist vom Tisch. Nun steht die Aktion für sich, die Verwaltung hatte im Vorfeld empfohlen, der Bürgeranregung zu folgen und zunächst die Personengruppe zu begrenzen, an die erinnert werden soll. Diesen Weg ging die Politik mit.

Nun gelten die ersten Stolpersteine den beiden Verfolgten aus politischen Gründen, August Kühler und Ernst Bronheim, sowie den fünf jüdische Mitbürger jener Jahre, die den Nazis allesamt entkommen konnten: der Frisör Max Herrmann aus Overberge und die Kaufmannsfamilie Hertz, die Eltern Hermann und Amalie mit den Töchtern Grete und Lieselotte.

Manuel Izdebski hat Vorarbeit geleistet

Zu den Schicksalen hatte Manuel Izdebski ausgiebige Nachforschungen betrieben und Material beigesteuert. Diese Recherchen müssten vor einer Verlegung in Teilen noch ergänzt werden, sagte Museumsleiter Mark Schrader in der Sitzung des Ausschusses.

Manuel Izdebski und der Arbeitskreis hoffen derweil, dass zur Verlegung dabei auch Schüler eingebunden werden. Das Städtische Gymnasium und die Willy-Brandt-Gesamtschule hätten bereits Interesse gezeigt, heißt es. Die Jugendlichen könnten auch die Verlegung selbst etwa durch musikalische oder andere Beiträge mitgestalten.

Auch zu Gunter Demnigs Büro haben die Ehrenamtler die Fühler schon ausgestreckt in der Hoffnung, dass er die erste Verlegung, wie vielfach geschehen, persönlich übernimmt.

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