Corona-Impfung für Generation „80+“

Gelassen geht‘s auch: Überhitzer Impfstart lässt zwei rüstige Rüntherinnen erstaunlich kalt

Margit Scholz mit ihrer Einladung zur Corona-Impfe. Den Brief findet sie gut, die Mühe mit der erstmal kollabierten Terminvergabe hat sie Sohn Lothar überlassen.
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Margit Scholz mit ihrer Einladung zur Corona-Impfe. Den Brief findet sie gut, die Mühe mit der erstmal kollabierten Terminvergabe hat sie Sohn Lothar überlassen.

Stresstest Terminvergabe? Nicht für diese rüstigen Rünther Frauen „80+“. Sie nehmen den Anlauf zur Corona-Impfung mit Gelassenheit:

Rünthe – „Ich lass’ es machen“, sagt Margit Scholz mit einer Entschlossenheit, die ihr rüstiges Naturell unterstreicht. Ihr 83. Geburtstag steht nächsten Monat an, das hat der Rüntherin noch vor den Glückwünschen eine behördliche Einladung beschert: ins Impfzentrum des Kreises Unna. Da kann sich Scholzens Generation „80 plus“ im ersten Anlauf ab dem 15. Februar gegen Corona immunisieren lassen.

Jetzt oder später - spielt keine Rolle

Also theoretisch, irgendwann. Mehr steht an Tag eins der Anmeldewoche nicht fest. Die absehbaren Tücken des Verfahrens haben sich Montagmorgen prompt eingestellt, das Telefon- und Computersystem ist unter der Last des Ansturms kollabiert. Margit Scholz’ Impftermin steht an diesem Vormittag noch in den Sternen. Aber das ficht die 82-Jährige nicht an. „Das war doch klar“, sagt sie gelassen. „Und ob ich den Termin jetzt bekommen oder später, das spielt doch keine Rolle.“

Die Seniorin hatte für sich gleich beschlossen, in Sachen Impfe keine Nerven zu lassen. Die mutmaßliche Geduldsprobe steht Sohn Lothar bevor: „Er hat sich alles kopiert und macht das im Internet.“ Ans Telefon könnte Scholz sich hängen, aber wozu? Zumal sie außerhalb des Freundes- und Familienkreises damit vorsichtig geworden ist – schlechte Erfahrung.

Lob für das informative Anschreiben

Die Einladung zur Impfung kam aber mit der Post – und gleich im Doppelpack: von Bürgermeister und Landrat ein zweiseitiger Brief und, im selben Kuvert, dasselbe von Minister Laumann auf zwei Seiten noch mal. So hatten es die gut 2800 Bergkamener ab 80 Jahren aufwärts im Kasten. Scholz hat die Post bestärkt. „Ich finde den Brief sehr gut. Da ist alles gut erklärt, sogar die Busverbindung zum Impfzentrum und dass man von einer Person begleitet werden kann.“

„Ich hab‘ vor Corona keine Bange“

Überhaupt lässt Scholz sich nicht so schnell ins Bockshorn jagen: „Ich feiere nicht, ich sehe die Nachbarn nur selten und auf Abstand. Ich hab’ vor Corona keine Bange.“ Außerdem gab’s noch mal Post, die Scholz trotz der Warterei bei der Impfe zufrieden stimmt. „Da waren die Gutscheine für die Masken drin. Ich habe mir die ersten sechs schon geholt.“

Auch wenn die Seniorin selten vor die Tür geht, so ist sie doch auf der Hut. Die Maske brauche sie eigentlich nur, wenn sie mit dem Sohn einmal die Woche zum Einkaufen fahre. „Der wohnt gegenüber und hat einen Garten. Da gehe ich schon mal ein bisschen an die Luft, aber da brauche ich die Maske nicht.“

Ansonsten weiß die 82-Jährige die Prüfungen dieser Tage wohl zu nehmen. „Ich mach’ Puzzle und Kreuzworträtsel, gucke mal Fernsehen oder aus dem Fenster. Und aufzuräumen ist auch immer was“, sagt sie. Schade nur, dass die regelmäßige Partie Kartenspiel mit der Nachbarin ausfällt. „Nun, geht halt gerade nicht.“

Inge Osterburg hat genau gelesen, was ihr Bürgermeister, Landrat und Minister schrieben. Anfangs hatte sie für die Impfe wenig Sympathie.

Inge Osterburg indes fand anfangs gar keinen Gefallen an der Idee, sich dem Szenario für Senioren zu fügen. „Ich bin keine Frau, die sich gern impfen lässt“, bekennt die 83-Jährige, die älteren Rünthern als ehemalige Ortsvorsteherin bekannt ist. Aber das Kopfschütteln der Familie habe sie umgestimmt, „Man schützt ja nicht nur sich, sondern auch andere. Und ich habe ja Kinder und Enkel. Da habe ich beschlossen, es doch zu machen“, erzählt Osterburg.

Hilfsangebot der Familie tut gut

Das hat irgendwie auch gutgetan, im Zusammenhang mit dem Angebot der Nachkommen, der Seniorin die Anmeldung zum Impftermin abzunehmen und sie zu begleiten. „Die lassen doch die Mutti nicht alleine“, sagt sie auf die Frage, ob sie das Verfahren scheut. Und: „Ist doch nett, wenn sie sich so um einen sorgen.“ Aber: „Für den Notfall wäre ich auch so gestellt, dass ich mit dem Bus dahin fahren könnte“, betont die Rentnerin noch flugs.

„Internet habe ich doch gar nicht“

Aber das lassen Tochter Stephanie Beier und die Enkel erst gar nicht zu. „Meine Tochter ist Krankenschwester und selbst schon geimpft“, erzählt Osterburg. „Sie kümmert sich um den Termin übers Internet. So was hab’ ich ja gar nicht.“ Und Ungeduld lässt die Rüntherin gleichfalls nicht aufkommen. Ob sie nun heute oder morgen mehr weiß – wird schon werden. „Meine Tochter ist jetzt zur Arbeit und kommt erst heute Abend. Ich denke, sie wird sich am nächsten Tag kümmern.“

Inge Osterburg will sich gleichfalls von der Pandemie nicht unterkriegen lassen. „Wir müssen positiv denken. Ob das alles richtig ist, wissen wir nicht“, sagt sie. „Aber wir haben den Krieg überlebt. Da verstehe ich eh nicht, dass heute so viele klagen, weil sie jetzt alles gleich wieder haben wollen.“

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