Haus am Nordberg

Impf-Termin einfach wieder abgesagt: Ärger in Tagespflege in Bergkamen

Das Haus am Nordberg hat verschiedene Betreuungsangebote für Menschen im Alter. Die Bewohner des Seniorenzentrums durften geimpft werden. In der Tagespflege wurde der vereinbarte Termin hingegen abgesagt.
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Das Haus am Nordberg hat verschiedene Betreuungsangebote für Menschen im Alter. Die Bewohner des Seniorenzentrums durften geimpft werden. In der Tagespflege wurde der vereinbarte Termin hingegen abgesagt.

Ja, nein, ja, doch nicht – das ist die Kurzfassung des Versuchs der Tagespflege am Haus am Nordberg in Bergkamen, einen Impftermin für deren Besucher zu organisieren. Dass der nicht wie geplant am Dienstag über die Bühne ging, liegt wahrlich nicht am mangelnden Willen der Tagespflege, sondern am mangelnden Impfstoff.

Bergkamen – Schon Ende vergangenen Jahres hatte Nicol Adamczyk, Leiterin der Tagespflege, sich für einen Impftermin vor Ort stark gemacht, um es den betreuten Menschen so einfach wie möglich zu machen. Doch das Land Nordrhein-Westfalen intervenierte. „Es hieß, dass wir eine ambulante Pflegeeinrichtung sind und deswegen keinen Impftermin hier bei uns organisieren dürfen. Unsere Besucher sollten sich privat und selbst um einen Termin zur Impfung kümmern“, berichtet Adamczyk.

Die Menschen hier sind ungefähr im Alter zwischen 80 und 100 Jahren. Manche sind an Demenz erkrankt. Man kann doch nicht von ihnen verlangen, dass sie sich selbst darum kümmern.

Nicol Adamczyk, Leiterin Tagespflege

Für sie ein Unding. „Die Menschen hier sind ungefähr im Alter zwischen 80 und 100 Jahre“, sagt sie. „Manche sind an Demenz erkrankt. Man kann doch nicht von ihnen verlangen, dass sie sich selbst darum kümmern.“ Auch die Angehörigen könnten längst nicht immer helfen – sei es, weil sie nicht in der Nähe wohnen, oder weil sie beruflich zu eingespannt sind. „Außerdem geht es doch darum, Kontakte zu reduzieren und zu vermeiden.“

37 Dosen Impfstoff bestellt

Die Besucher der Tagespflege in einen anderen Ort zur Impfung zu schicken, wo sie auf Leute treffen, denen sie sonst nie begegnet wären, stehe der Kontaktreduzierung entgegen.

Da Adamczyk nicht die Einzige war, die so dachte, schlossen sich mehrere Tageseinrichtungen zusammen. „Wir haben uns unter anderem mit einer Einrichtung aus Selm abgesprochen“, erzählt sie. Durch den so aufgebauten Druck konnte sie das „Nein“ des Landes abschmettern. Also hieß es wieder: grünes Licht für den Impftermin.

Adamczyk bestellte 37 Dosen Impfstoff für die Gäste der Tagespflege sowie die Mitarbeiter und legte den Termin fest. „Am 28. Januar habe ich die Bestätigung bekommen, dass alles glattgeht, wir grünes Licht haben und den Impfstoff bekommen.“

Einen Tag nach Bestätigung kommt Absage

Aber nur einen Tag später war schon wieder alles anders: „Am 29. Januar kam dann gegen 9 Uhr der Anruf vom Gesundheitsamt und es hieß, dass wir doch keinen Impfstoff bekommen, weil es zu wenig davon gibt.“

Das sei nicht nur wegen des großen Aufwands, alles wieder abzusagen, die Betreuten, die Angehörigen und den engagierten Arzt zu informieren, ärgerlich. „Die Leute haben Angst, der Impftermin war ein kleines bisschen Licht am Ende des Tunnels“, sagt Adamczyk. Zudem hätten die Angehörigen sich auf den Termin verlassen.

An einem Impftermin an der Tagespflege im Haus am Nordberg will deren Leitung auch nach wie vor festhalten. Nur wann der ist, steht in den Sternen. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Sowohl die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe als auch das Gesundheitsamt wissen selbst nicht mehr als wir.“

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