Ilka Schlüchtermann startet mit Owen-Werken zurück in den Beruf

Ilka Schlüchtermann (Bild o. li.) übersetzte die Bücher der Autorin Amanda Owen. Die Übersetzerin (Bild u.) zeigt den Kindern von Amanda Owen die deutsche Ausgabe. - Fotos: Schlüchtermann

Bergkamen - Als geborene Neugebauer wuchs Ilka Schlüchtermann in Bergkamen auf. Inzwischen lebt sie in Neckargemünd, doch durch Eltern und Schwiegervater hat sie ständig Kontakt in die Heimat. Wenn sie morgen wieder einmal anreist, wird sie eine besondere Geschichte im Gepäck haben, die sie erzählen möchte – und alle Interessierten haben am Donnerstag, 2. März, um 19 Uhr in der Stadtbibliothek die Gelegenheit, ihr zuzuhören.

Denn wenn im heimischen Küchenschrank die Müsli-Dose leer bleibt oder eine fürs Vorspiel benötigte schwarze Hose noch nicht gebügelt ist, dann kann es sein, dass die Mama wieder arbeiten geht. Ilka Schlüchtermann bleibt dafür zwar Zuhause, um nach wie vor einen Blick auf ihre vier Kinder im Alter von 12 bis 20 Jahren zu haben, doch die Übersetzerin für Englisch und Spanisch hat dennoch zu tun. Durch Zufall – und weil ihr eine ganz besondere Geschichte aus England in die Hände fiel.

Seit über 20 Jahren fährt die Familie Schlüchtermann im Urlaub nach England. Bei einer Wanderung fanden sie das idyllisch gelegene Gehöft Ravenseat. Hier lebt Amanda Owen mit ihrem Mann und den inzwischen neun Kindern. Gemeinsam betreibt das Paar eine Schäferei mit 1000 Schafen und bewirtet Wanderer, die vorbeikommen. „Ich weiß nicht, woher sie die Zeit nimmt, aber sie hat auch noch ein Buch geschrieben“, sagt Ilka Schlüchtermann. Sie ist noch immer beeindruckt von einer Frau, die sie im Laufe der Jahre sehr gut kennenlernte. Natürlich kaufte sie sich das 2015 erschienene Buch – und war fasziniert von der darin erzählten Geschichte.

Es juckte der Übersetzerin in den Fingern, diese auch im deutschsprachigen Raum zu verbreiten. Irgendwelche Erfahrungen dieser Art hatte sie jedoch nicht, Kontakte zu einem Verlag oder Lektor schon gar nicht. „Als mein Jüngster zehn wurde, musste ich etwas machen. Ich wollte unbedingt wieder etwas übersetzen.“ Von Zuhause aus arbeitete sie freiberuflich, doch es lief schleppend an. „Zwei Jahre lang gingen wirklich nur Kleinigkeiten“, erinnert sich Schlüchtermann an die bittere Durststrecke, in der sie von Verlagen wegen mangelnder Erfahrungen keine Chance bekam.

Dass sie 2015 dann das Buch von Amanda Owen entdeckte, war fast wie ein Wink des Schicksals. Auf eigene Faust übersetzte sie das erste Kapitel – und ging im September 2015 zum Internationalen Übersetzertreffen, dem Hieronymustag in Heidelberg. „Es war Zufall, dass der gerade war.“ Dort sprach sie einen Lektor an und drückte ihm ihr Werk und das Original in die Hand. „Das war eigentlich ziemlich frech“, weiß Schlüchtermann.

Doch sie hatte Erfolg: Drei Tage später meldete sich der Hamburger Verleger, für den der Lektor arbeitete – und die Türen zum deutschen Buchmarkt waren für Amanda Owen geöffnet. Mitte Oktober konnten bei der deutschen Buchmesse die Rechte an dem Werk gekauft werden. Ende 2016 erschien dann die deutschsprachige Fassung.

„Normalerweise läuft es genau andersherum“, weiß Schlüchtermann, dass ihr Verhalten von einigen als dreist eingestuft wurde. Der Erfolg gab ihr Recht. Inzwischen arbeitet sie für den Verlag an einer weiteren Übersetzung. Für sie ist der Knoten geplatzt, ebenso für Amanda Owen, die inzwischen ein zweites Buch veröffentlichte.

„Ihr erstes Buch müssen die Frauen auch hier lesen“, ist Schlüchtermann überzeugt. „Eine Frau mit Hof, 1000 Schafen und neun Kindern sagt klipp und klar, dass man sich nicht über Dinge aufregen soll, die nicht wichtig sind. Vielmehr soll man dankbar sein, dass es einem gut geht.“

Und diese Quintessenz verpackt Owen in ihrem Werk „Die Schäferin von Yorkshire“, aus deren deutscher Übersetzung Schlüchtermann lesen wird. „Amanda kann ja aufgrund ihrer vielen Tiere nicht reisen, zumindest kann es aber jetzt ihre Geschichte“, freut sich Schlüchtermann auf den Leseabend.

Für sie hat das Werk eine ganz persönliche Bedeutung: „Mit diesem Buch in der Hand habe ich mir meinen Beruf zurück erkämpft. Das ist mein ganz persönlicher Türöffner.“ Von den zwei Geschichten, die Schlüchtermann vorliest, werden die Zuhörer am Donnerstag sicherlich fasziniert sein.

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