Eineinhalb Jahre Haft

„Ich brauche eine Therapie“ - 24-Jähriger vor Gericht geständig

Zu einer Bewährungsstrafe konnte sich das Gericht nicht mehr durchringen.
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Zu einer Bewährungsstrafe konnte sich das Gericht nicht mehr durchringen.

Die Drogen, die er täglich benötigte, verschaffte sich ein 24-Jähriger mit Diebstählen in Bergkamen und Umgebung. Nun stand er vor Gericht und redete Klartext. Sein Verfahren endete mit einer Haftstrafe – und gleichzeitig mit einer Chance.

Unna/Bergkamen – Versuche, clean zu werden, Rückfälle, Suchtdruck und Straftaten: Der junge Mann mit Hafterfahrung schaffte es nicht, dem Teufelskreis zu entkommen. Im Sommer 2019 bewies er das mit einer Serie von Eigentumsdelikten. Zunächst ließ er am 11. Juni 2019 in einem Supermarkt in der Stadt Kamen Spirituosen, Kekse und Kaffee im Gesamtwert von knapp 120 Euro verschwinden.

Mit Diebstählen Sucht finanziert

Nur zwei Tage später versuchte er mit Unterstützung eines gesondert verfolgten Kumpels, in einen Kiosk in Kamen einzubrechen. Während der Komplize Schmiere stand, schlug er ein Fenster ein. Bevor er aber im Kiosk zugreifen konnte, tauchte die Polizei auf. Rund zwei Wochen später suchte er einen Discounter in Bergkamen heim, stahl Lebensmittel und Spirituosen für über 80 Euro.

Zuletzt verschlug es ihn und einen zweiten gesondert verfolgten Mittäter Ende Juli 2019 nach Hamm. Dort ließ das Duo in einem Supermarkt fünf Flaschen Whiskey im Wert von knapp 70 Euro mitgehen.

Drogen-Karriere beginnt früh

Nun befasste sich das Unnaer Schöffengericht mit den Taten des 24-Jährigen. Der nickte die Vorwürfe förmlich ab, beschönigte nichts und äußerte sich vielmehr ganz offen zu seiner Drogensucht, die mit dem 13. oder 14. Lebensjahr begann. Zunächst sei es nur Cannabis gewesen, dann Kokain, Pillen, Amphetamin und Alkohol.

„Es wurde immer schlimmer und schlimmer“, betonte er und fügte hinzu: „Jeden Tag. Alles, was ich gekriegt habe. Alles, was der Dealer auf der Tasche hatte.“ Mittlerweile stehe er unter Betreuung und ziehe demnächst von Kamen nach Bergkamen. Der Sucht wolle er nun endgültig den Kampf ansagen. „Die bringt mich immer weiter in die Scheiße rein. Ich brauche auf jeden Fall eine Therapie. So geht es nicht weiter.“

Zu viel für eine Bewährungsstrafe

Tatsächlich sprach ein psychiatrischer Sachverständiger in seinem Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit von einer erheblichen Suchterkrankung ab der frühen Pubertät und attestierte dem 24-Jährigen zudem eine psychische Erkrankung. Er ging von verminderter Schuldfähigkeit zum Zeitpunkt der Taten aus.

Diese Einschränkung und das offene Geständnis standen schließlich etlichen Vorstrafen und der verbüßten Jugendstrafe gegenüber. Eine Bewährungsstrafe kam in seinem Fall aus Sicht des Gerichts nicht mehr in Frage. Er wurde zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Verbüßung dieser Strafe kann allerdings zugunsten einer Therapie zurückgestellt werden.

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