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Hundetourismus artet aus: Tierbesitzer nutzen Privatweg vor Gut Keinemann

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Täglich parken zahreichen Hundebesitzer auf den Rasenflächen an dem Privatweg vor Gut Keinemann, damit sich ihre Hunde oben auf der Deponie austoben kommen.

Rünthe – Der durch Internet-Meldungen forcierte Hundetourismus zur ehemaligen Hausmülldeponie neben Gut Keinemann nimmt Auswüchse an, die Gegenmaßnahmen erforden. Die Rücksichtslosigkeit vieler Hundebesitzer, die ohne Hemmungen auf das Privatgelände fahren, hat öfter zu Stürzen von Radlern geführt.

Bernd Haberhausen, der sich beim RVR um die Liegenschaften des Regionalverbandes Ruhr kümmert, plant nun auf Veranlassung von Bürgermeisterin Monika Wernau einen runden Tisch mit allen Beteiligten, um die Probleme zu lösen. 

Täglich spielen sich im hinteren Bereich des Privatweges vor dem Gut Keinemann dieselben Szenen ab. Hundebesitzer rollen mit ihren Pkw bis zum Gelände der Deponiegasanlage und stellen ihr Auto auf der zum Gut gehörenden Freifläche davor ab. Tür oder Hecklappe auf, damit ihre Hunde herausspringen können. Die stürmen – oft auch zu zweit, dritt oder viert – über den Rad- und Fußweg in Richtung Deponie. 

Hunde bringen Radfahrer zu Fall

Dass die rücksichtslosen Hundebesitzer auf diesem Teilstück der Römer-Lippe-Radroute gestoppt werden müssen, meint nicht nur Monika Wernau sondern auch Polizeihauptkommissar Volker Meyer. Der für Rünthe und Overberge zuständige Bezirksbeamte hat inzwischen gesicherte Erkenntnisse, dass frei herumspringende Hunde auch schon Radfahrer zu Fall gebracht haben. Außerdem würden ihm Berichte vorliegen, dass Hunde Wild aufgescheucht und in die angrenzende Lippe getrieben hätten (siehe Bericht rechts). Den meisten Hundebesitzern sei zudem gar nicht klar, dass sie sich vor und auf der Depomie auf Privatgelände befinden. Das darauf hinweisende Verbotsschild vor Gut Keinemann werde jedenfalls fast gar nicht beachtet, berichtet Volker Meyer. 

Die Ausschilderung als Privatweg zeigt wenig Wirkung bei den Hundetouristen.

Die Unverschämtheit vieler Hundebesitzer prangert auch Thomas Albrecht an. „Neulich hat eine Frau wie selbstverständlich bei uns auf dem Hof geparkt, hat ihren Hund erst einmal sein Geschäft vorunserem Imbißzelt erledigen lassen und ist trotz meiner Aufforderung, den Kot zu beseitigen und ihr Auto von unserem Gelände wegzufahren, mit ihrem Hund einfach weitermarschiert. Das sei doch alles öffentlich, meinte sie“, schildert der Betreiber der Oldtimer-Remise. Diese Haltung sei bespielhaft für viele Hundebesitzer. Das werde vor allem durch die im Internet herumschwirrenden Informationen verursacht. 

Internet-Foren preisen alte Deponie an

„In verschiedenen Foren für Hundefreunde wird die alte Deponie in Bergkamen-Rünthe ja als ideales Freilauf-Gelände für Hunde angepriesen. „Deshalb kommen sogar Leute aus dem Rheinland mit ihren Hunden hier hin“, sagt Albrecht. „Vor einigen Tagen habe ich meinen Augen nicht getraut. Da haben sich die Mitglieder eines Hundeclubs mit fast 40 großen Pudeln vor unserem Hof getroffen, um gemeinsam auf der Deponie spazieren zu gehen und dort ihre Hunde laufen zu lassen“, erzählt der Hofeigentümer. 

"Rünther und Bergkamener verhalten vernünftig"

Er schätzt, dass höchstens fünf Prozent der Leute, die mit ihren Hunden zur Deponie kommen, in Rünthe oder Bergkamen zuhause sind. „Und die kennen wir fast alle. Die verhalten sich in der Regel vernünftig. Denen haben wir auch erlaubt, dass sie hier am Rand des Weges parken dürfen“, sagt Thomas Albrecht. Er soll Teilflächen der rekultivierten Deponie bekanntlich im Auftrag der Abfallentsorgungsgesellschaft Ruhr (AGR) in Blumenwiesen verwandeln. Er hofft zudem, dass der runde Tisch die Probleme vor seiner Hoftür nicht nur thematisiert, sondern in absehbarer Zeit auch konkrete Gegenmaßnahmen veranlasst. 

An der Gesprächsrunde sollen neben Vertretern der Abfallentsorgungsgesellschaft als Eigentümer der Deponie auch Polizei, Stadtverwaltung, Politiker, der RVR-Förster von der benachbarten Ökologiestation und der Jagdpächter teilnehmen. „Die Einladungen werde ich nach Ostern versenden“, kündigt Bernd Haberhausen an. Der RVR-Mann versteht sich dabei als Moderator, weil eigentlich die AGR für die „Deponie in Nachsorge“ verantwortlich ist.

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