Teilnehmerzahlen stark beschränkt

Höhere Infektionsraten bedeuten das Aus: So reagieren Eventhallen in Bergkamen auf die Krise

Marina Events Ali Celebi und Aziz Gümüsysy
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Eine Verunsicherung ihrer Kunden spüren Aziz Gümüsyay (links) und Ali Celibi, Geschäftsführer von „Marina Events“. Die Nachfrage sei aber weiterhin vorhanden.

20,5 Infizierte pro 100 000 Einwohner zählt der Kreis Unna laut Robert-Koch-Institut. Die vom bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder ins Spiel gebrachte Corona-Ampel würde also grün für Feiern mit bis zu 150 Personen zeigen. Eine Chance für die Vermieter entsprechender Räumlichkeiten, um wirtschaftlich zu überleben? Wie gehen die lokalen Eventhallenbetreiber mit der Situation um?

Die Leute seien verunsichert, meint Cevat Demircan. „Es können ja 150 feiern, aber einige beschränken die Teilnehmerzahl aus Vorsicht von vornherein auf 100“, sagt der Geschäftsführer und Inhaber des CK Eventcenters an der Industriestraße, mit 1500 möglichen Plätzen der größte Veranstaltungssaal der Stadt. Die Vorfälle um die massenhafte Infizierung durch eine türkische Hochzeitsfeier in Hamm alarmieren.

150 Feiernde sind für ihn und die Refinanzierung der Halle natürlich ein sprichwörtlicher Tropfen auf den heißen Stein. Normal bietet er türkischen Hochzeiten mit mehreren hundert Teilnehmern Platz. Die geringen Einnahmen würden aber helfen, wenigstens einen Teil der Kosten zu decken, meint er.

Zugang nur mit Ausweiskontrolle

Gebucht werde die Halle, die er vor fünf Jahren baute. Demircan ist seit über 30 Jahren im Geschäft, war vorher am Schacht III zu Hause. Die entsprechende Erfahrung, dass ein Bedarf an soviel Platz für Feiern da ist, ließ ihn ins Risiko gehen. Er will durchhalten, trotz vieler Stornierungen. „Es ist doch so, dass die Leute die größeren Feiern schon auf 2022 terminieren“, beobachtet er.

1500 Feiernden bietet das CK Eventcenter Bergkamen normalerweise Platz. Wegen der Corona-Einschränkungen dürfen zurzeit nur 150 Personen hinein.

Demircan setzt die aktuellen Vorgaben natürlich um. „Seit 1. Oktober reiche ich eine Gästeliste, eine Sollliste, des Veranstalters mit den Namen der Feiernden beim Ordnungsamt ein. Meine Mitarbeiter gleichen die Liste beim Einlass mit den Personen ab. Der Ausweis wird kontrolliert. Nach der Feier geht eine Liste mit den tatsächlich Anwesenden an die Stadt“, beschreibt der Unternehmer das Prozedere. Höhere Infektionsraten wären der „Tod“ des Geschäfts. „Wenn nur noch 50 Leute zugelassen sind, dann schließen wir“, sagt Demircan.

Das sagt das Ordnungsamt

Patricia Höchst, Leiterin des Bürgerbüros, gibt Auskunft über die Vorgaben des Bergkamener Ordnungsamtes für große Feiern:

- Ein Verantwortlicher der Feier wird benannt, der die Anzahl der Gäste bei Anmeldung dem Ordnungsamt nennt. Die komplette Teilnehmerliste mit Kontaktdaten wird nachgereicht.

- Die Verantwortung für die Einhaltung der Vorgaben wie maximale Anzahl der Teilnehmer und die korrekten Kontaktdaten liegt ausschließlich beim Feiernden. Der Vermieter der Räume muss nur sicherstellen, dass der Saal für die angedachte Teilnehmerzahl von der Größe geeignet ist.

- Der Vermieter muss auch nicht kontrollieren, ob alles rechtens ist. Mit einem Bußgeld wird bei Fehlverhalten der Veranstalter und bei Überschreiten der genehmigten Personenzahl auch der Gast belegt.

Eventhallen stehen nach Angaben von Patricia Höchst angesichts der Ereignisse in Hamm weder unter besonderer Beobachtung, noch gibt es spezielle Vorgaben für diese Räumlichkeiten. „Wir haben größere Veranstaltungen sowieso im Blick und kontrollieren. Ob die Feier nun in einer Gaststätte, Eventhalle oder im Studiotheater ist, ist egal. Das war übrigens auch vor den Geschehnissen in Hamm so“, erklärt Patricia Höchst.

Weniger dramatisch stellt sich die Situation bei den beiden anderen Anbietern dar. „The Room“, ebenfalls an der Industriestraße mit einer Kapazität von bis zu 200 Besuchern, und !Marina-Events! im Jachthafen (120) halten wesentlich kleinere Räumlichkeiten vor. „Wir sind im Oktober ausgebucht“, sagt Ali Celebi, Geschäftsführer von „Marina-Events“. Auch er stellt eine Unsicherheit bei seinen Kunden bezüglich der Regeln fest. „Leute haben gehört, dass nur 50 Gäste erlaubt sind und haben entsprechend größere Feiern abgesagt.“ Er stehe im ständigen Kontakt mit dem Bergkamener Ordnungsamt hinsichtlich der Situation. „Aktuell sind 150 Gäste erlaubt.“

„Marina-Event“ im Oktober ausgebucht

Celebi stellt Desinfektionsmittel bereit, hat ein Einbahnstraßensystem mit getrenntem Ein- und Ausgang eingerichtet. „Ein Zuständiger in der Familie muss benannt werden, der für die Feier verantwortlich ist. Wir machen Stichproben, ob die Angaben der Teilnehmer stimmen.“

Wie die beiden Mitbewerber sagt auch Azan Arac, Vertreter von The Room-Geschäftsführer Ibrahim Caba, dass die Hammer Geschehnisse keine direkten Auswirkungen auf die Situation in Bergkamen hätten. Wie Demircan und Celibi betont er, dass die Gästeliste auf die Richtigkeit der Angaben kontrolliert werde.

„Wir sind aber auch in einer etwas anderen Situation als die klassischen Hallenvermieter“, betont er. „Unsere Feiern haben einen geringen Anteil mit türkischem Hintergrund. Aber ich kenne ja als Projektentwickler für solche größeren Eventhallen auch die Probleme, die die Betreiber haben.“ Türkische Familien seien größer, würden eben größer feiern wollen. „Die Deutschen feiern mit vielleicht 100 Personen eine Hochzeit, jeder wird mit 80 bis 100 Euro kalkuliert. Bei türkischen Hochzeiten mit 400 Personen und mehr sind es in der Regel 15 Euro pro Person. Dem gegenüber stehen die Fixkosten“, rechnet Arac vor. „Es ist auf keinen Fall in Ordnung und fahrlässig mit Blick auf die Gesundheit aller, aber ich kann nachvollziehen, dass einige Betreiber aus wirtschaftlicher Not die Grenzen nicht ganz so genau nehmen, einfach, weil sie ansonsten nicht überleben.“ Ein Problem sei, dass die Branche vom Staat im Stich gelassen werde.

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