Historisches Spiel in Ökostation wird abgespeckt

Keine Kostüme, kein Mittelalter. Aber einen Handwerkermarkt wird es in den Sommerferien geben.
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Keine Kostüme, kein Mittelalter. Aber einen Handwerkermarkt wird es in den Sommerferien geben.

HEIL -  Ritter, Feldherren, Bischöfe, Marktfrauen. Außerdem Schwertkämpfe, Entführungen, Verteidigungsschlachten: Damit war die Ökologiestation in den Sommerferien bei den Kindern beliebt. Doch in diesem Jahr wird es kein Historisches Spiel geben.

Das Historische Spiel in der Ökologiestation in Heil hat so mancher Kindergeneration in den Sommerferien einen Heidenspaß bereitet und spielerisch mittelalterliches Hintergrundwissen vermittelt. Doch natürlich werde eine Ferienaktion angeboten, nimmt Dorothee Weber-Köhling vorweg: „Allerdings ohne Historie.“ Bisher gebe es einen Arbeitstitel, verrät die Pädagogin des Umweltzentrums in der Ökostation: Handwerkerdorf. „Das wird dem Historischen Spiel sehr ähnlich, aber in abgespeckter Form.“

Die jungen Teilnehmer erleben eine kreative Woche in mehreren Handwerkszelten, die ein Dorf bilden. Weil der mittelalterliche Aspekt wegfällt, müssen die Gewerke nicht zu den alten gehören, erklärt Dorothee Weber-Köhling. „Ich kann mir eine Färberei genauso gut vorstellen wie die Arbeit mit Pappmaché und Kleister oder mit Filz. „Vielleicht bekommen wir einen Schmied, oder wir bieten an, Musikinstrumente zu bauen“, nennt sie Alternativen. Fest steht, dass die Kinder ihr gewähltes Handwerk intensiv lernen sollen. Und sie können Dinge herstellen, die sie im Anschluss mit nach Hause nehmen.

Natürlich werde das Betreuerteam um Dorothee Weber-Köhling, Gereon Kleinhubbert von der Jugendkunstschule sowie Birgit Manz von der Naturförderungsgesellschaft konkrete Konzepte für die Woche erarbeiten. „Allerdings halten wir uns so flexibel, dass wir auf die Anzahl der Kinder reagieren können.“

Eben das sei in den vergangenen Jahren ein Problem für das Historische Spiel geworden, erklärt Weber-Köhling. „Das Spiel wurde für etwa 100 Kinder konzipiert, und von dieser großen Zahl lebt es auch.“ Von Beginn an – 2002 war die Premiere – gehörte es dazu, dass das Gelände den ganzen Tag lang von vielen quirligen Kindern besetzt wurde. „Lagen die Anmeldezahlen anfangs noch bei mehr als 100 Kindern, haben diese in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen.“ Rund 60 waren es im Sommer 2012.

Die Pädagogin führt an, dass bei etwa 40 Betreuern das Verhältnis zu den Teilnehmern nicht mehr gewahrt war. „Es ist dann auch einfach zu teuer.“ Dass die Teilnehmerzahlen zurückgehen, liege zum einen an der Vielzahl von Ferienangeboten, die alle Städte und auch die Ganztagsschulen mittlerweile im Programm haben. „Zum anderen bekommen wir die demografische Entwicklung zu spüren“, so Weber-Köhling.

„Jedenfalls glaube ich nicht, dass das Spiel unattraktiv geworden ist.“ Das zeige auch die große Zahl Jugendlicher, die zahlreich als Betreuer eingesetzt wurden – „einfach weil sie sich verbunden fühlten und weiter dabei sein wollten“.

„Das können wir mit eigenem Team leisten“

Darauf reagieren die Veranstalter nun mit der flexibleren Alternative Handwerkerdorf. Dadurch fallen die Historiker als Betreuer ebenso weg wie die historischen Kostüme, die von Museumspädagogen aus Schwerte geliehen wurden. „Das Handwerkerdorf werden wir mit unseren eigenen Teams stemmen können“, erläutert die Mitveranstalterin.

Mit den Betreuern würde ein dörfliches Miteinander am offenen Feuer gelebt. Dazu gehört gemeinschaftliches Kochen und Saubermachen. „Und weil es kein Arbeitslager werden soll“, sagt Dorothee Weber-Köhling mit einem Schmunzeln, „werden die Tage mit Überraschungen gespickt“. Das könne mal ein Jongleur sein, der zu Besuch kommt, oder ein Falkner. Denkbar sei auch das Angebot, sich im Bogenschießen zu probieren. „Das werden wir dann kurzfristig auf die Beine stellen.“

Abschluss der Ferienwoche könnte ein großer Markttag für die Kinder und Eltern sein, äußert Weber-Köhling laut ihre Ideen. Dort könne dann vorgeführt, verkauft und getauscht werden.

Ein endgültiges Aus für das Historische Spiel bedeute diese Verkleinerung übrigens nicht, betonte die Pädagogin abschließend. „Wir können das jederzeit wieder ins Angebot nehmen, wenn die Nachfrage groß genug ist.“

Für den Handwerkermarkt gelten im Übrigen die gleichen Rahmenbedingungen wie bisher für das Historische Spiel: zweite Ferienwoche, Montag bis Donnerstag, 10 bis 16 Uhr und Freitag von 10 bis 14 Uhr. Teilnehmer zahlen 95 Euro, Geschwisterkinder können ermäßigt teilnehmen. Das Handwerkerdorf richtet sich an Kinder zwischen etwa acht Jahre bis etwa zwölf Jahre (Kerngruppe). - mar

Information und Anmeldung unter Tel. 0 23 89/98 09-0

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