In der Eissporthalle Bergkamen

Ice Freestyle: Wenn Hip-Hop auf Eiskunstlauf trifft

+
Hendrik Hüls, Vincent Brech, Tan Phong Nguyen (von links) und Gerrit Hornig (liegend) zeigen Elemente aus dem Breakdance auf Schlittschuhen.

Am Samstag ist es soweit. 16 Freestyler aus drei verschiedenen Ländern treten in der Eissporthalle Bergkamen zum Battle an. Nur wer innovative Tricks auf Lager hat, kann gewinnen.

Bergkamen – Wummernde Bässe, Sprechgesang. Ein Kreis aus Kindern und jungen Menschen um den Mittelkreis der Eissporthalle Bergkamen. Die einen wippen im Rhythmus, andere gucken cool bis kritisch auf das Geschehen im Zentrum.

Hendrik Hüls steht den Backflip, Applaus und schneller Wechsel. Dem Rückwärtssalto des Deutschen Einzelmeisters im Ice Freestyle setzt Ann-Kathrin Sawarzynski einen eingesprungenen Spagat entgegen. Applaus und Jubel. Die beiden Mitglieder des Deutschen Mannschaftsmeisters „Turtle Style“ aus Dortmund geben an diesem Freitagabend während der öffentlichen Laufzeit einen ersten, kurzen Eindruck eines Battles.

Die „Hausherren“ Gerrit Hornig, Vincent Brech und Tan Phong Nguyen vom „Team Ice Cracks Bergkamen“ halten sich an diesem Abend merklich zurück. Noch. Synchrones Toprocking, einige Powermoves wie Airflares – das Vokabular, die Artistik des Ice Freestyle stammt aus dem Breakdance.

Auf dem Eis sind Taktgefühl, Ausstrahlung und schwierige Tricks gefragt.

„Es ist Hip Hop und Eiskunstlauf“, erklärt Hornig sein Hobby. Der Gründer der Bergkamener Gruppe wird am kommenden Samstag mehr zeigen. Er selbst nimmt an der 2. Battlenight am kommenden Samstag, 19. Oktober, teil. Brech wird in der Jury sitzen, Nguyen hilft bei der Organisation.

Während an diesem Trainingsfreitag „normale Schlittschuhläufer“ den Mittelkreis schneiden, werden dieser und noch zwei weitere Meter im Durchmesser am Samstag fürs Publikum gesperrt sein. In der Arena treten 16 Freestyler aus Deutschland, Belgien und England in vier Gruppen jeweils 60 Sekunden lang gegeneinander an. Die beiden Erstplatzierten erreichen die KO-Runde – nur der Sieger kommt weiter.

Wer siegen will, braucht raffinierte Skills

Gewinnentscheidend sind Taktgefühl, Ausstrahlung und der Schwierigkeitsgrad der Tricks. „Die Grundtricks kennt ja jeder, der teilnimmt“, ergänzt Hornig, „Kreativität ist gefragt, ein Reiz ist die Weiterentwicklung des Sports. Außerdem müssen die Tricks harmonieren, die Bewegungen fließend sein.“ Nicht einfach, da die Choreografie nicht zu 100 Prozent festgelegt werden kann. Die Musiktitel der Battle, die MC Dietmar Deubner am Samstag wählt, werden für die Freestyler überraschend sein. „Gespielt wird New Style – das Schema steht also fest, der Rhythmus aber nicht“, erklärt Hornig.

Der Ice Crack-„Vater“ ist seit acht Jahren dabei. Beim Eislaufen in den Westfalenhallen lernte der Dortmunder den Freestyle kennen. Später verfeinerte er die Technik beim Laufen in Herne. Und wie kam der 22-Jährige nach Bergkamen? „Also, das war so. Ich habe eine gute Freundin vom Onlinespielen. Wir haben beide ein Faible für Eis, da haben wir uns in Bergkamen getroffen.“

Hendrik Hüls ist Deutscher Einzelmeister im Ice Freestyle.

Im Laufe der Zeit wären immer mehr Leute dazugekommen. Jurymitglied Brech zum Beispiel. Der 15-Jährige begann als Kind mit Breakdance. „Das hilft, weil man den Rhythmus und die Tricks kennt. Ich bin aber als Kind auch Schlittschuh gelaufen.“ Hendrik Hüls ist erst seit dreieinhalb Jahren aktiv. „Ich hab Freestyle über Gerrit in Herne kennengelernt.“ Die Szene ist klein. „Ab und zu trainieren wir hier in Bergkamen, eigentlich aber in Dortmund, im Revierpark Wischlingen“, erzählt der Herner.

Freundschaft pausiert nur für 60 Sekunden

Das Eis kennenzulernen, ist vor der Battlenight auch nicht unwichtig. Die „Turtle Style“ nehmen am Samstag zu dritt teil. Sawarzynski und Hüls sind übrigens befreundet, provozieren sich nur sportlich. „Das ist ja auch die Regel eines Battles. Auf dem Eis will man sich überbieten, stichelt seinen Gegner, aber nachher ist wieder alles gut. Let´s shake hands heißt es dann in der Family of Freestyle“, erklärt Hornig.

Der Termin der Battle im kommenden Jahr steht schon fest. Die „Ice Cracks“ laden am 14. März erneut in die Eishalle am Häupenweg. Zur Fortsetzung erwarten Bergkamener wieder internationales Publikum. Und vielleicht ist der Veranstalter dann schon als Verein eingetragen. Das ist das Ziel der Freestyler um Gerrit Hornig. Schließlich ist es dann leichter, Eiszeiten außerhalb der öffentlichen zu buchen. „Man sieht ja, dass hier immer wieder Leute durch den Mittelkreis fahren.

Die Gefahr eines Zusammenstoßes ist real. Wenn wir die Halle für uns haben, haben auch mehr Leute Interesse, bei uns mitzumachen“, hofft Hornig auf Resonanz und neue Mitglieder. Außerdem macht ein Eintrag ins Vereinsregister auch die Akquise von Sponsoren für Veranstaltungen einfacher. „Zuschauer sind höchst willkommen, die Anerkennung ist uns schon wichtig“, sagt Hornig. Die Battlenight geht am Samstag von 18 bis 23 Uhr.

Lesen Sie auch:

Eishalle Bergkamen startet mit neuen Lichteffekten in neue Saison

Indiaca, Inliner und Frisbee sind immer noch beliebt

Bushido vs. Fler: "CCN4" sorgt für Kriegserklärung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare