Die rote Verführung: Erdbeeren aus der Nachbarschaft

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Wer mag da nicht zugreifen? Nils Henter hat die ersten Erdbeeren aus der Region im Folientunnel zur Reife gebracht.

Ganz rot vor Entzücken werden diese Tage die Erdbeere auch im Kreis Unna. Auf dem Hof Henter hat die Ernte bereits begonnen.

Oh wie verführerisch, diese reifen Früchtchen: Sie heißen „Flair“, „Clery“ und „Malling Centenary“, haben lange Beine, tolle Rundungen und sind zum Vernaschen da. Ehe da Missverständnisse aufkommen: Hier geht es um Kultur, also im landwirtschaftlichen Sinne, die Erdbeerkultur von Bauer Henter an der Bambergstraße, um es genau zu sagen. Der hat ein Händchen dafür, ab Ende April schon Appetit auf den Sommer zu machen. Vom Microklima im Folientunnel begünstigt, sind trotz kalter Nächte bei Henters die ersten Früchte rot und reif für den Hofladen.

Längst mehr als Kartoffeln

„Mitte der vergangenen Woche haben wir mit der Ernte begonnen“, berichtet Nils Henter. Der 39-Jährige hat den elterlichen Hof übernommen und den vormals reinen Kartoffelanbau von Vater Karl-Wilhelm erweitert: um Zwiebeln und Knoblauch zunächst, dann auch Buschbohnen für Selbstpflücker, Kürbisse und demnächst auch Wassermelonen. „Eher ein Hobby“, wiegelt der Bauer beim Erstaunen der Reporter ab. Aber mit „Flair“ & Co. hat er anfangs auch ohne allzu große Erwartungen angebandelt.

Erdbeeren, soweit das Auge (im Tunnel) reicht. Zusammen sind Henters 15 Stellagen fast zwei Kilometer lang. 1,5 Tonnen bringt jeder Tunnel. Die Saison unter Folie ist kurz.

21000 Pflanzen

Bruder Thies war der Kuppler. Der hat einen Hof in Fröndenberg gepachtet und macht seit 2006 an der Wilhelmshöhe in Erdbeeren. Vor vier Jahren hat Nils es an Grenze zu Kamen auch mal versucht – und ist auf den Geschmack gekommen. 21 000 Pflanzen hat er in diesem Jahr gesetzt. 7000 in jedem der drei Folientunnel, die sich auf imposanten 115 Metern Länge auf der früheren Pferdekoppel erstrecken. „Pflücken ohne bücken“ ist die Devise unter der Folie. Henter zieht die Pflanzen in Stellagen heran.

Gut für die Rücken der Mitarbeiter und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln („Da reichen 20 Prozent des Üblichen“), aber das behagte Ehefrau Merle anfangs trotzdem nicht so recht: „Als Bauer will man ja die Pflanzen im Boden sehen, mit Käferchen drum herum und was so dazu gehört“, erzählt die 41-Jährige. Erste Videoaufnahmen mit Stellagenkulturen hätten ihr gar nicht zugesagt. „Ach nee, habe ich erst gedacht. Aber jetzt gefällt es mir gut.“

Natur oder garniert: Verschiedene Meinungen zum Drüber und Drunter

Weil es ja auch lecker ist. Wie schmeckt die Frucht – die biologisch gesehen übrigens keine ist, sondern eine Sammelnuss eines Rosengewächses – denn eigentlich am besten: „Naturbelassen, ohne irgendetwas dazu“, meint Merle Henter. Der Gatte hält aber viel von Sahne drauf oder Eiscreme drunter.

Wer’s ausprobieren will, ist derzeit mit 4,50 Euro fürs Pfund dabei. „Die ersten Erdbeeren sind immer besonders begehrt“, sagt der Bauer. Zumal sie besonders makellos aussehen, weil sie nicht aus „Bodenhaltung“ kommen. Die „Nuss“ liegt auf Gurtbändern, während sie reift. Darüber hält ein Faden die Blätter oben, die Stängel ragen so in die Gänge, dass die Erntearbeiter bequem zugreifen können.

Ohne Bodenkontakt reifen die Erdbeeren makellos und griffbereit heran.

Selbstpflücker müssen sich noch bücken

Bequemer jedenfalls als die Selbstpflücker, für die Henter an der Bambergstraße ein Stückchen weiter Richtung Kamen noch ein klassisches Feld angelegt hat. Dort dauert es noch ein wenig mit dem Sommer. Ein Vlies sorgt derzeit noch dafür, dass auch diese Pflanzen die nächtliche Kälte gut überstehen. Sobald die Sonne Dauergast am Himmel ist, lockt auch hier die süße Verführung.

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