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Austausch der Gasheizung: Heizungsbauer gibt Tipps 

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Von: Carola Schiller

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Energiesparen ist das heiße Thema dieser Tage. Bastian Mottog, hier an einer Gastherme, kennt sich aus. Der elterliche Betrieb wird, wie die ganze Branche, mit etlichen Anfragen konfrontiert.
Energiesparen ist das heiße Thema dieser Tage. Bastian Mottog, hier an einer Gastherme, kennt sich aus. Der elterliche Betrieb wird, wie die ganze Branche, mit etlichen Anfragen konfrontiert. © Mottog

Der Krieg befeuert, wofür sich viele in der Klimadiskussion noch nicht erwärmen konnten: Wie heizen ohne nun teures Gas und Öl? Bei Installateuren und Schornsteinfegern steht das Telefon nicht still.

Bergkamen – Die Sorge, dass Gas aufgrund der Sanktionen gegen Russland knapp werden könnte, beunruhigt zunehmend Hausbesitzer. Sie machen sich auf die Suche nach alternativen Heizmethoden und da tauchen häufig falsche Vorstellungen auf.

Gilbert Mottog ist Inhaber des gleichnamigen Bergkamener Meisterbetriebs für Sanitäranlagen und Heizungsbau an der Schillerstraße. Vier bis fünf Anrufe erhält er täglich im Durchschnitt von besorgten Hausbesitzern, die jetzt ihre Heizungsanlagen umbauen wollen, um von Öl oder Gas unabhängig zu werden.

Pellets oder Wärmepumpe

Beim Heizen unabhängig von Gas und Öl sein, das wollen aktuell mehr Menschen denn je. Zu den populärsten Alternativen gehören vor allem zwei: Bei einer Pelletheizung werden in einem Holzkessel „Pellets“, also kleine Presslinge aus Holzspänen und Sägemehl, vergast. Eine solche Anlage zählt zu den erneuerbaren Energiequellen.

Die Wärmepumpe überträgt thermische Energie, je nach Art, aus der Umgebungsluft, dem Grundwasser oder der Erde. Unter dem Einsatz von Strom wird die Wärme so verdichtet, dass sie zum Heizen und zur Warmwasser-Versorgung genutzt werden kann. Wärmepumpen sind wartungsarm, erzeugen selbst keine Emissionen und halten lange.

Zusätzlich zum Anreiz der Unabhängigkeit von Gas und Co. winken bei einer Umrüstung auch hohe Förderungen. Bei Pelletheizungen können das, sofern im Bestand, bis zu 45 Prozent sein. Es gibt verschiedene Förderprogramme.

Grundsätzlich begrüßt der Fachmann die Motivation zu einer Modernisierung. Auch, weil es zurzeit beachtliche staatliche Zuschüsse gibt. Über die Vorstellungen der Anrufer kann er sich oftmals aber nur wundern. „Die kommen auch mit gefährlichem Halbwissen“. Einen Energieberater zu befragen, genüge allein nicht. „Sie können eine Heizungsanlage nicht nur theoretisch planen. Da müssen Praktiker ran“.

Im Internet was aufgeschnappt

So mancher informiere sich nur im Internet oder hat etwas aufgeschnappt, aber womöglich nicht richtig verstanden. Basierend auf Wissenslücken, glaubt so mancher Kunde an eine möglichst kostengünstige und schnelle Lösung. Die gibt es aber nicht, so Mottog, der sich wünscht, dass Hausbesitzer sich auch mal vom Fachmann belehren lassen. „Ich blicke auf 40 Jahre Erfahrung zurück. Das kann man sich doch nicht in zehn Minuten im Internet anlesen“, mahnt er.

Schornsteinfeger auch gefragt

Einen deutlich gestiegenen Nachfrage-Bedarf zum Heizungstausch kann auch Andreas Quentmeier bestätigen. Als stellvertretender Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Arnsberg, die für den gesamten Regierunsbezirk zuständig und mit 320 Mitgliedsbetrieben die viertgrößte in Deutschland ist, hat er einen guten Überblick über die Lage, die sehr aufgewühlt sei. „Wir haben definitiv jede Menge Anfragen“, sagt er mit Blick auf das Thema Heizungswechsel. Die Verunsicherung sei bei vielen Verbrauchern in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen. Die meisten würden sich erst mal nur umhören und wollten wissen, wie man einen Wechsel am besten anstellt.

Manche haben‘s arg eilig

Besonders das Zauberwort Wärmepumpe hat sich bei Verbrauchern festgesetzt. Die neue Heizungsplanung soll dann möglichst auch gleich am Telefon geklärt werden, meint Gilbert Mottog. Aber das sei gar nicht möglich, wenn es vernünftig laufen soll. „Wir fahren immer raus und schauen uns genau an, was gemacht werden muss.“ Ein schneller Umbau, wie er zurzeit öfter gefordert wird, sei ohnehin nicht möglich. „Wir haben je nach Hersteller Wartezeiten bis zu einem halben Jahr“. Doch auch bei den Kosten hat so mancher Interessent völlig falsche Vorstellungen. „Externe Handwerker werden auch gebraucht und sind in der Planung oft gar nicht aufgeführt“, warnt Gilbert Mottog vor hastigen Entscheidungen. Da sei noch der Elektriker nötig und manchmal auch ein Tiefbauer. Selbst bei besten Voraussetzungen und gewährten Zuschüssen müssen Hausbesitzer mit Summen im fünfstelligen Bereich rechnen. Außerdem seien Anzahlungen fällig, weil Handwerksbetriebe die Anlagen selbst erst kaufen müssen, bevor sie die dann einbauen.

Preise längst gestiegen

„Momentan ist eine Heizung teurer als noch vor fünf Jahren“, sagt Andreas Quentmeier von der Schornsteinfeger-Innung. Das liege an der gestiegenen Nachfrage, aber auch an den Förderungen. Einen Umstieg von Gas-Heizung auf Wärmepumpe fördert der Staat aktuell mit 35 Prozent. Zum Vergleich: Für den Einbau dämmender Fenster gibt es 20 Prozent.

Förderung? Dann besser flott

Wer sich aber genau informiert und ernsthaft zu einer Modernisierung entschlossen hat, solle schnell an die Umsetzung gehen. „Förderungen können schnell eingestellt werden“, erklärt Gilbert Mottog. In diesem Fall muss der Hausbesitzer für alle Kosten selbst aufkommen. Deshalb sei es wichtig, umgehend die Anträge auf Zuschüsse abzuschließen.

Unbedingt Fachleute fragen

Besitzern älterer Heizungsanlagen rät er, sich grundsätzlich durch einen Fachhandwerker beraten zu lassen, selbst wenn alles reibungslos funktioniert. Es reiche nicht, wenn der Schornsteinfeger gute Werte bestätigt. Oftmals hätten solche Anlagen einen extrem hohen Verbrauch, wenn ein Sanierungsstau besteht und der Eigentümer auf die jährliche Wartung verzichtet.

Hier ließe sich viel Geld sparen, aber sicher nicht durch den alleinigen Einbau einer Wärmepumpe, ohne Berücksichtigung der restlichen Anlage. Das Gegenteil sei der Fall. Hier müsse der Hausbesitzer nach zwei Jahren mit saftigen Nachzahlungen für den Stromverbrauch rechnen.

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