1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

Ein Heim für gefiederte Patienten

Erstellt:

Kommentare

Der Uhu gehört seit drei Jahren auch zu Guido Dreiers Patienten auf der Auffangstation.
Der Uhu gehört seit drei Jahren auch zu Guido Dreiers Patienten auf der Auffangstation. © Archiv/Lunemann

RÜNTHE -  Seit 20 Jahren gibt es in diesem Jahr die Auffangstation für Greifvögel auf dem Gelände der Ökostation. 1994 wurde sie auf Initiative von Falkner Guido Dreier dort eingerichtet. „Ich bekam viel Unterstützung vom Umweltzentrum Westfalen und der Biologie-Station des Kreises“, erinnert sich der 56-jährige Rünther. Im Jahr verpflegt er dort geschätzt 30 bis 50 Vögel.

Vom Parkplatz wirkt das Gehege ganz unscheinbar. „Wir machen keine Reklame für die Station und wollen auch keine Zuschauer“, sagt Guido Dreier. Die Erklärung dafür ist naheliegend: Denn die Vögel, die der Falkner in den drei Räumen hinter dem Gitterzaun verpflegt, sollen sich von ihren Verletzungen erholen, bevor sie wieder ausgewildert werden. Bis 2011 wurden Bussarde, Turmfalken und Sperber, die häufigsten Greifvogelarten, die Guido Dreier wieder hochpäppelt, in einem Stall untergebracht. Aufgrund des neuen Gästehauses musste die alte Unterbringung weichen. Seit rund zwei Jahren gibt es nun das neue Gehege nahe am Parkplatz. Auch die Schleier- und die Waldohreule sowie der Waldkauz zählen zu seinen häufigsten Patienten. Als eine Besonderheit bezeichnet Dreier die Uhus, die er seit drei Jahren auch in seiner Station versorgt.

„Es kommt immer auf das Wetter und die Jahreszeit an, wann Vögel zu mit gebracht werden“, sagt der erfahrene Falkner. Zurzeit sind die drei Räume leer. Das wird sich aber bald sicher wieder ändern. Denn viele Vögel werden im Frühjahr zur Auffangstation gebracht, sagt Guido Dreier. „Das sind dann oft Jungvögel.“ Denn wenn diese alt genug sind, unternehmen sie ihre ersten Flugversuche. Dabei kann es vorkommen, dass sie auf Gehwegen oder Wiesen landen. „Sie sind noch nicht ganz flugfähig und kommen von alleine nicht wieder hoch“, erklärt der 56-jährige Rünther. Vögel in diesem Alter werden als „Ästlinge“ bezeichnet, junge Eulen als „Wanderer“, gibt der Biologe einen Einblick in die Fachwelt.

Solche jungen Tiere werden dann oft von Spaziergängern oder Kindern gefunden und zu Guido Dreier gebracht. Er füttert die Vögel drei bis vier Tage lang und setzt sie anschließend wieder an ihrem Fundort aus. „Das ist ganz wichtig, denn die Eltern suchen nach ihnen“, sagt Dreier. Manchmal kommt es auch vor, dass er die Vogelkinder groß ziehen muss. Das könne dann passieren, wenn das Vogeljunge von seinen Eltern verstoßen wurde oder wenn die Geschwister das Nest schon verlassen haben, erklärt Dreier. Dann bringt der 56-jährige Falkner ihnen das Fliegen und Jagen bei.

Neben den Jungvögeln kümmert sich der Rünther aber auch um verletzte Vögel. Vor einer Woche brachten Polizeibeamte einen verletzten Mäusebussard zur Auffangstation, den sie auf einem Feld an der Pelkumer Straße eingefangen hatten. Je nach Verletzung kümmert sich Guido Dreier selbst um die Vögel. Er ist aber auch froh über die gute Zusammenarbeit mit drei Tierärzten in der Umgebung. Denn die Behandlung und das Futter für die Tiere zahlt er selbst. „Man muss immer drei bis vier Tage abwarten, um zu sehen, ob es noch weitere, vielleicht innere Verletzungen, gibt“, so Dreier. Für den Falkner ist klar, dass viele Unfälle oft aufgrund der verkehrten Lebensumstände passieren. So erzählt er davon, dass sich Eulen beispielsweise nachts bei der Jagd auf eine Maus in Weidezäunen verfangen, weil sie diesen nicht gesehen haben. Andere Vögel würden in Windräder fliegen. Und einige Vögel verletzen sich auf ihren Winterzügen, wenn sie in unbekannte Gegenden kommen.

Schon als Kind züchtete Gudio Dreier Karnarienvögel und kümmerte sich um verletzte Vögel. 1973 machte er dann seine Prüfung zum Falkner. „Ich habe mein Hobby zur Berufung gemacht“, sagt der studierte Biologe. Aus seiner jahrelangen Erfahrung kennt er die Verhaltensweisen von Greifvögeln genau. So weiß er, wie er die Tiere anfassen muss, ohne sie unnötig zu beunruhigen oder sich selbst zu verletzen. Da die Tiere sehr scheu seien, sei es wichtig, dass es in den Gehegen der Auffangstation dunkel ist – wie in der Natur auch verkriechen sich die Vögel dort. Außerdem sei die Dunkelheit auch gut für die Genesung. „Ein Vogel muss erst etwas sehen, bevor er reagiert.“ Finder von verletzten Vögeln gibt er deshalb auch den Tipp, ein Tuch über das Tier zu legen und es dann in einem Pappkarton zu transportieren.

Die Arbeit mit den Tieren macht dem Rünther aus zwei Gründen besonders viel Freude: Zum einen kann er den Vögeln helfen und zum anderen den Menschen, die die Vögel finden. Den Findern gibt er nämlich immer die Gelegenheit dabei zu sein, bevor er die gesunden Tiere wieder in die Freiheit entlässt. Einmal kam eine zwölfköpfige Familie zur Auffangstation, die ihm einen Turmfalken gebracht hatte, erzählt Dreier. „Mit meiner Arbeit kann ich das Umweltbewusstsein und die Anteilnahme der Menschen schärfen“, sagt er. - vg

Auch interessant

Kommentare