Serie "Gründen mit Erfolg"

Hundepsychologin verkürzt Ausbildung und macht Hobby zu Beruf

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Beim MAN-Training geht es für die Hunde in den Wald. Heike Klietz (Mitte) schult sie darin, zusammen mit ihren Besitzern eine „vermisste“ Person zu finden.

In unserer Serie „Gründen mit Erfolg“ werden lokale Existenzgründer vorgestellt. Bis ihre Ideen jedoch zu einem Unternehmen heranreiften, standen den Gründern einige bürokratischen Hürden im Wege.

Bergkamen – Verhaltenstherapeuten gibt es für Haustiere eine ganze Menge, ausgebildete Tierpsychologen hingegen kaum. Heike Klietz ist deshalb ihrer Leidenschaft zur Arbeit mit den Vierbeinern gefolgt.

Inzwischen ist ihre Ausbildung, die eher einem Studium gleichkam, abgeschlossen und sie hat sich als Hundepsychologin selbständig gemacht. Einen Schritt, den sie vor allem mit ihrer Zeit bezahlte. „Die Wochenenden waren weg. Da musste ich lernen“, blickt Klietz auf ihre Ausbildung beim Deutschen Institut für Tierpsychologie und Naturheilkunde (DIFT), die inzwischen genau ein Jahr zurückliegt.

Der Grund für das hohe Pensum lag auf der Hand. Denn statt drei Jahren, was der Regelausbildung entsprochen hätte, verkürzte sie auf 24 vollgepackte Monate. „Ich wollte einfach so schnell wie möglich selbständig werden“, begründet Klietz die Eile.

„Dafür musste ich auch das Lernen erst einmal wieder lernen“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Zudem legte sie sich während der Ausbildung noch einen Nebenjob zu, um über die Runden zu kommen. „Ich hatte ja keine finanzielle Förderung“, erklärt Klietz, die sich schon vor ihrer Lehrzeit um Fördergelder bemühte.

15 Monate Gründungszuschuss

Dafür ging sie zum Arbeitsamt, wo ihr ein Gründungszuschuss versprochen wurde, wenn sie eine anerkannte Ausbildung vorweisen kann. Zwei Jahre später beantragte sie den Zuschuss, für den sie sich zunächst arbeitslos melden und bei der Wirtschaftsförderung anheuern musste. „Ich habe einen Businessplan erstellt. Der wurde überprüft und erst dann gab es die Förderung“, schildert Klietz.

Der Zuschuss setzte sich zusammen aus dem Arbeitslosengeld 1, errechnet aus ihrem bisherigen Verdienst, sowie einem Festbetrag von 300 Euro. Nach Ablauf der sechs Monate beantragte Klietz mit Erfolg einen zweiten Gründungszuschuss, der eine Pauschale von 300 Euro für neun weitere Monate vorsieht.

Es war eine Finanzspritze, die schon während der von ihr als „Studienzeit“ beschriebenen Ausbildung gut getan hätte, findet Klietz. Aber ihr enges Verhältnis zu den Vierbeinern und der Wunsch, sie therapieren zu können, trieb Klietz auch in Zeiten eines klammen Geldbeutels und fehlender Wochenenden an.

Der anderthalb Jahre alte Iven hilft Heike Klietz beim Trainieren und Therapieren anderer Hunde.

Bereits seit 27 Jahren arbeitet sie mit Hunden. Damals startete Klietz als ehrenamtliche Trainerin, ehe sie 2005 ihren Sachkundenachweis zum Hunde-Coach beim Deutschen Verein der Gebrauchshundsportvereine (DVG) absolvierte. Langsam aber sicher reifte in ihr die Idee heran, sich selbständig zu machen, zumal der Bedarf gegeben war. „Es kamen immer mehr Leute mit unterschiedlichen Problemen ihrer Hunde auf mich zu“, erklärt sie.

Damals waren diese Probleme nicht zu lösen. Mit einer Ausbildung im Gepäck sieht das anders aus. Inzwischen gehört es zum ihrem Alltag, die psychischen Probleme von Hunden zu bewältigen. „Die Störungen sind ganz unterschiedlich“, erklärt sie.

Und deshalb ist die Therapie in den meisten Fällen individuell. Ob Angsthunde, unsozialisierte Hunde oder solche mit Leinenaggression, sobald das Verhalten des Hundes für den Menschen nicht erwünscht und nicht zu lösen ist, kommt Heike Klietz ins Spiel. In der Regel sind es Einzelstunden, für die Klietz ihren Kunden einen Hausbesuch abstattet.

Die eigenen Hunde helfen bei der Therapie

„Aber es gibt auch gezieltes Stadttraining, wo die Hunde zum Beispiel lernen mit dem Aufzug zu fahren“, berichtet die Tierpsychologin. Wenn es sich anbietet, nimmt Klietz auch einen ihrer beiden eigenen Schützlinge, Iven oder Potter mit, um den anderen Hunden ihre Aufregung zu nehmen.

Beim MAN-Training, das zweimal wöchentlich am Waldeingang hinter dem Parkplatz Zum Schacht III stattfindet, sollen die Hunde hingegen aufgeregt sein. Denn ihre Aufgabe besteht darin, mit dem Herrchen oder Frauchen eine vermisste Person wiederzufinden. „Für die Hunde ist es das Größte überhaupt“, begründet Klietz die Spürnasen-Übung.

Dass sie selbst den richtigen Riecher hatte, bei der Entscheidung, sich im Frühjahr 2019 selbständig zu machen, zeigt die Resonanz der Interessierten. Zwar hat Heike Klietz noch Kapazitäten und auch in der Welpengruppe sind nach wie vor Plätze frei, allerdings ist die Kundensuche längst nicht mehr so schwer wie noch am Anfang. „Das war eigentlich das Schwierigste daran, selbständig zu werden“, bilanziert Klietz. „Erst als ich über Facebook und auch Ebay einen Aufruf gestartet habe, kamen nach und nach die ersten Leute auf mich zu“, berichtet sie.

Außerdem halfen ihr bestehende Kontakte aus ihrer Zeit als Hundetrainerin, sodass sie im Frühjahr dieses Jahres dann auch ihre eigene Webseite www.dogcoach-klietz.de aufgebaut hatte. Seither wurde der „Dogcoach Klietz“ im Bekanntenkreis weiterempfohlen und die Hundepsychologin kann sich nun darüber freuen, dass ihr Konzept zu einem „Selbstläufer“ wurde. Wenn auch vielleicht mit Anlaufschwierigkeiten.

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