Fachkräftemangel und Holzknappheit

Hausbau in schwierigen Zeiten: Zimmermeister errichtet Holzhaus in Rünthe

Katrin und Fabian Liesegang-Plümper stehen mit Töchterchen Nele vor dem Holzhaus, das der Zimmermeister an der Rünther Straße errichtet.
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Katrin und Fabian Liesegang-Plümper stehen mit Töchterchen Nele vor dem Holzhaus, das der Zimmermeister an der Rünther Straße errichtet.

Fachkräftemangel und Holzknappheit - es sind keine einfachen Zeiten für Handwerker. Zimmermeister Fabian Liesegang-Plümper lässt sich von diesen Problemen aber nicht abhalten.

Rünthe – Es ist kein gewöhnlicher Bau, der derzeit an der Rünther Straße nahe des Kreisverkehrs zur Overberger Straße entsteht. Der Zimmermeister Fabian Liesegang-Plümper hat dort ein Holzhaus errichtet. Nicht als Musterhaus – „da haben meine Schwiegereltern was dagegen, denn die werden dort einziehen“ – aber sicher als Experimentierfeld für das eigene Handwerk. Eine anspruchsvolle Aufgabe in für das Holzhandwerk nicht ganz einfachen Zeiten.

„Wenn es steht, können wir Kunden sagen: Ihr könnt mit uns auch Häuser bauen. Die einzelnen Teilbereiche eines solchen Baus habe ich ja in meiner normalen Arbeit alle schon mal gemacht“, erzählt Liesegang-Plümper. Ein Holzhaus ist schließlich originäre Zimmermannskunst, auch wenn der Beruf unter der Dominanz von Ziegel und Beton oft auf das Erstellen eines Dachstuhls reduziert wird.

„Wir bauen von der Gaube bis zur Terrassenüberdachung alles“, erklärt Liesegang-Plümper. Ständerwerke, Treppen, Decken, Fachwerk – Arbeiten, die auch im 160 Quadratmeter großen Holzhaus anfallen. „Geplant haben das meine Schwiegereltern Marlies und Gerd mit einem Architekten“, erzählt der 37-Jährige. „Das sogenannte Krüppelwalmdach war aber meine Idee. Diese Dachform lässt ein solch großes Haus weniger massig erscheinen“, meint er.

Begeisterung für den Werkstoff

Liesegang-Plümper machte sich 2014 in Rünthe selbstständig. Er stammt aus einem handwerklichen Elternhaus in Dortmund. „Ich wollte, so lang ich denken kann, eigentlich immer Zimmermann werden“, erzählt er. Vater Fred Unrath kommt vom Bau. „Den Ausschlag gab aber Onkel Uli, der bei unserem eigenen Haus den Dachstuhl gemacht hat. Da war ich sieben.“ Nach der Lehre setzte er 2010/11 den Meister drauf. „Mein Vater meinte damals: nicht zweifeln, machen“, sagt der Junior. Erleichtert habe die Entscheidung auch, dass der Standort der Zimmerei auf einem alten Bauernhof einiges an Platz biete. Die Eltern von Katrin Liesegang-Plümper stellten zunächst einen Teil der Maschinenhalle des eigenen Bauernhofs zur Verfügung. Jetzt belegt die Zimmerei alles.

„Es ist der Werkstoff Holz und dass du siehst, was du geschafft hast. Am Morgen ist da noch eine Betondecke, am Abend ein Dachstuhl drauf“, schwärmt er. Und wenn die Terrasse beim Kunden stehe, komme meist ein „Wow“. Zumeist sei das Feedback positiv, aber es gebe auch Kunden, die versuchten, den Preis zu drücken, indem sie akribisch Fehler suchen. „Aber das letzte Problem, es waren auch nur zwei, ist nun schon drei Jahre her“.

Fachkräftemangel ist auch in der Zimmerei ein Thema: Geselle Jörg Mikesch, Lehrling Ben Levin Schickentanz und Meister Fabian Liesegang-Plümper.

Inzwischen beschäftigt der Zimmermeister Jörg Mikesch als Gesellen und Ben Levin Schickentanz als seinen ersten Lehrling. Auch der stammt aus einer Handwerkerfamilie, hat dieselbe Motivation. „Mein Vater ist Tischler. Ich mag den Umgang mit Holz“, erklärt Schickentanz. „Ich hab in einer Tischlerei ein Schülerpraktikum gemacht, das hat mir auch gefallen, dann ein zweites hier. Das hat mir besser gefallen. Da hab ich nach einer Lehrstelle gefragt.“ Ausbilden wollte Liesegang-Plümper von Anfang an. „Aber ich muss dem Lehrling doch etwas bieten können, mich erst selbst etablieren.“

Fachkräftemangel deutlich spürbar

Ansonsten sieht es in Rünthe in Bezug auf Fachkräfte nicht viel besser aus als anderswo. Liesegang-Plümper würde gerne einen weiteren Zimmermann einstellen. Es ist viel zu tun, nur fruchten die Stellenanzeigen nicht. „Deswegen sind wir auf die Idee gekommen, einen zweiten Lehrling anzuwerben. Der ist zwar wegen überbetrieblicher und schulischer Ausbildung im ersten Jahr kaum in der Firma“, erklärt Ehefrau Katrin Liesegang-Plümper. Es sei aber eine Investition in die Zukunft. „Vielleicht zieht ja auch jemand der Liebe wegen ins Dorf“, ergänzt sie mit Blick auf die Geschichte mit dem eigenen Ehemann.

Alles für die Wand: Zimmermeisterei Fabian Liesegang-Plümper zeigt die Faserdämmung für die Wände aus OSB-Platte, die zuoberst mit Gipsparton belegt werden.

Die Arbeiten am Alterswohnsitz der Schwiegereltern werden sporadisch erledigt. „Wir müssen ja auch noch echtes Geld verdienen“, sagt der Meister. Das Ständerwerk für die Wände ließ er zusägen. Der Aufbau selbst ging flott. Am 11. Januar wurden die Wände gerichtet, drei Tage später sei die Hülle dicht gewesen. Die dicke Außendämmung aus Holzfasern ist eingeblasen, die Installationen sind erfolgt, Innenwände werden noch mit Holzfaserdämmung versehen, mit OSB-Platten und Gipskarton verkleidet. „Einmal wegen des Brandschutzes, außerdem ist das Tapezieren und Streichen darauf einfacher“, so der Holzhandwerker. Für Letzteres komme ein Maler. „Das soll ja schließlich ordentlich aussehen.“

Sorge um Materialnachschub

Alles bestens also? Nicht ganz: Materialnachschub „ist ein gewaltiges Problem“, sagt Liesegang-Plümper. „Das Holz, das da vorne auf dem Hof liegt, ist gestern gekommen. Wir hatten es aber schon im Februar bestellt. Früher dauerte es eine Woche, jetzt acht bis zwölf nach Bestellung, bis geliefert wird.“ Schwierig sei es, Angebote abzugeben oder eine Kalkulation zu rechnen. Zum einen wegen ungewisser Lieferzeiten, zum anderen eben wegen der extremen Preisentwicklung. „Seit Oktober haben sich die Holzpreise verdoppelt.“ Seine Kunden seien zum Glück bisher trotzdem sehr geduldig. „Es sind sogar welche dabei, die anbieten, dass, wenn ich frühzeitig das Holz bestelle, sie es schon bezahlen.“

Wenn das Haus bezogen ist, geht es für die Familie ans nächste Projekt: Das historische Wohnhaus des Bauernhofes, laut Inschrift im Deelenbalken Baujahr 1848. „Das ist schon sanierungsbedürftig“, sagt der Zimmermeister. „Aber wer weiß, da für eine Arbeit drin steckt, reißt so etwas nicht einfach ab“. „Wenn es leer gezogen ist, nehmen wir uns ‘nen Schnaps mit, schlagen eine Wand ein, setzen uns davor und gucken, was realisierbar ist“, sagt Katrin Liesegang-Plümper. Ihr Mann nickt: „Ich denke, da lässt sich die ein oder andere Arbeitsstunde versenken.“

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