RAG stellt Messergebnisse der Pilotanlage vor

Haus Aden: PCB-Abscheidung aus Grubenwasser geringer als erhofft

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Ab 2023 soll wieder Grubenwasser aus der ehemaligen Zeche Haus Aden abgepumpt und in die Lippe geleitet werden.

Die im Herbst 2018 auf der früheren Zeche Haus Aden in Bergkamen installierte Pilotanlage zur Abscheidung von PCB im Grubenwasser arbeitet weniger effektiv als erhofft. Das räumte Projektleiter Christoph Schabronath von der RAG in der Sitzung des Umweltausschusses ein.

Bergkamen – Unterm Strich hätten 30 Prozent des giftigen Stoffs eliminiert werden können, so Schabronath. Jetzt sollen nach Empfehlung eines Expertenrats Filtrationstechnik und Messverfahren weiterentwickelt sowie alternative Aufbereitungsmethoden getestet werden.

Schabronath betonte, dass die RAG die Sorgen der Bürger teile, vom Grubenwasser gehe aber keine Umweltgefährdung aus. Die Belastungen bewegten sich im kaum messbaren Nano-Bereich.

RAG: Umweltqualitätsnorm wird eingehalten

Den Berechnungen nach habe die Pilotanlage für eine Senkung von elf auf acht Nanogramm (ng) PCB pro Liter gesorgt. Gelange das Grubenwasser ab 2023 wieder in die Lippe, sorge die Verdünnung dafür, dass die Umweltqualitätsnorm eingehalten werde. Demnach dürften sich in Gewässern maximal 0,5 ng PCB pro Liter befinden.

Die Polychlorierten Biphenyle sind etwa als Brandschutzzusatz in Hydraulikölen unter Tage gelangt. Mit dem Grund- darf das Grubenwasser auch wegen anderer Belastungen nicht in Berührung kommen. Bis 2019 wurden auf Haus Aden jährlich rund elf Millionen Kubikmeter Grubenwasser aus 940 Metern Tiefe abgepumpt und in die Lippe geleitet. Derzeit steigt es kontinuierlich an. Zielmarkte ist nach Vorgabe im Abschlussbetriebsplan minus 600 Meter Normalnull. Für die Einleitung in die Lippe ab 2023 will die RAG im Frühjahr 2021 bei der Bezirksregierung eine wasserrechtliche Genehmigung beantragen – für bis zu 14,9 Mio. Kubikmeter pro Jahr.

„Es gibt es keine Lösung von der Stange“

„Bei der PCB-Eliminierung aus Grubenwasser gibt es keine Lösung von der Stange“, sagte Schabronath. Zwar sei es mit der Pilotanlage gelungen, das partikelgebundene PCB im Grubenwasser zwischen 90 und 95 Prozent zu verringern. Offenbar befinde sich aber in den Schwebestoffen eine höhere Belastung als angenommen.

Neben dem Filtern ist der Grubenwasseranstieg laut RAG ein weiteres Mittel zur Verringerung der PCB-Konzentration. Wie in einer vollgelaufenen Badewanne komme das Wasser zur Ruhe, die Feststoffe würden absinken. Der positive Effekt sei gutachterlich bestätigt worden.

BergAUF: Kein Recht, PCB in Flüsse einzuleiten

Die Bezirksregierung Arnsberg geht davon aus, dass die Umweltbelastungen durch das Einleiten des Grubenwassers geringer ausfällt als früher. Das machte Jürgen Kugel von der Abteilung „Wasserwirtschaft im Untertagebergbau“ im Ausschuss deutlich. Eine wasserrechtliche Erlaubnis könne angepasst werden, wenn es etwa technische Neuerungen gebe.

Im Ausschuss wurden die Ausführungen mehr oder weniger skeptisch aufgenommen. Von BergAUF gab’s herbe Kritik. Es gebe kein Recht auf Einleitung von PCB in Flüsse, hieß es. Überdies sei wegen der Wärme unter Tage die Annahme der RAG falsch, dass das Grubenwasser zur Ruhe komme.

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