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Öko-Strom vom eigenen Dach ist plötzlich gefragt wie noch nie

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Von: Bernd Kröger

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Mit Freude haben GSW und Stadt hier gemeinsame Sache gemacht. Das Energiedach auf der Overberger Turnhalle präsentierten Ralf-Dieter Brauner, Immobilien-Verantwortlicher der Stadt Bergkamen (von links) , GSW-Chef Jochen Baudrexl, der Beigeordnete Marc Alexander Ulrich, Energieberater Alexander Behler, GSW-Vertriebsleiter Thomas Gaide und Norman Raupach, Projektmanager Klima der Stadt Bergkamen.
Mit Freude haben GSW und Stadt hier gemeinsame Sache gemacht. Das Energiedach auf der Overberger Turnhalle präsentierten Ralf-Dieter Brauner, Immobilien-Verantwortlicher der Stadt Bergkamen (von links) , GSW-Chef Jochen Baudrexl, der Beigeordnete Marc Alexander Ulrich, Energieberater Alexander Behler, GSW-Vertriebsleiter Thomas Gaide und Norman Raupach, Projektmanager Klima der Stadt Bergkamen. © Robert Szkudlarek

Weg vom Gas, Solarstrom vom Dach. Das wollen viele in diesen Zeiten. Die GSW kommen in der Beratung kaum hinterher.

Bergkamen – „Wir gehen mit gutem Beispiel voran, damit aus der Bürgerschaft möglichst viele Nachahmer folgen“, betonte Dezernent Marc Alexander Ulrich einen Leitsatz, an dem die Stadt Bergkamen ihre Beiträge zum Klimaschutz ausrichtet. Der jüngste Klima-Baustein ist ein Glanzstück – mindestens, was die Oberfläche betrifft: 335 Quadratmeter Photovoltaikanlage mit 203 Solarmodulen und 68 000 Kilowattstunden Jahresleistung gleißen auf dem Dach der Overberger Turnhalle in der Sonne.

Krieg treibt Sorgen an

Aber mit der Nachahmung ist es so eine Sache. „Wir gehen beinahe in Anfragen unter“, berichtet Stadtwerke-Chef Jochen Baudrexl bei der Präsentation des Vorzeigeprodukts. Ein gutes Dutzend Anfragen täglich erreichten die GSW, weil nun viele weg wollten vom Gas, generell die Energiekosten senken. Erst recht, seit der Ukraine-Krieg Sorgen und Preise gleichermaßen treibt. Da kommen die GSW-Berater schon nicht mehr hinterher.

Es ist nicht so einfach

Zumal „die Frage ,Lohnt sich ein Solardach für mich?‘, nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten ist“, erläuterte der Geschäftsführer. Da muss man schon etwas genauer hinschauen und rechnen. Denn rentabel ist so ein Energiedach nur, wenn in dem Haushalt darunter mindestens 60 Prozent des Sonnenstroms auch selbst verbraucht werden. Die Einspeisevergütung spielt eine untergeordnete Rolle. Das Eigenstromprivileg, der Vorrang des günstiger selbstgemachten Safts anstelle des Bezugs nach Versorgungstarif, macht den ökonomischen Vorteil aus.

Viel Platz braucht es nicht

Zudem ist dann zu schauen, ob Dachausrichtung und Größe eine Anlage erlauben, die in den 18 Jahren Pachtdauer schwarze Zahlen beschert. „Anlagen von 7,5 Kilowatt sind die Untergrenze, zehn schon besser“, so Berater Behler. Da müsse man beim Reihenhaus schon genau schauen, ob der Platz reicht. „Ansonsten brauchen wir einen halben Quadratmeter für den Wechselrichter und genug Platz im Zählerkasten“, so der Fachmann.

Wann lohnt ein Speicher?

Nur wer erwäge, das Sonnenkraftwerk mit einem Speicher zu kombinieren, benötige mehr Platz im Haus. Aber da müsse wegen des höheren Aufwands auch sehr genau geschaut werden, etwa wenn das E-Auto erst geladen wird, wenn die Sonne schon untergegangen ist.

Online-Plattform im Aufbau

Wer dies und mehr zum hier beworbenen Energiedach online erfahren will, steht beim Auftritt der Gemeinschaftsstadtwerke derzeit aber vor einer Baustelle. „Mitte Juni“ will das Unternehmen mit einem neuen Auftritt das Produkt wieder anbieten.

Dazu Pressesprecherin Andrea Wellerdiek: „Wir führen derzeit eine Plattform ein, die eine Schnittstelle für alle Prozesse vom ersten Kundenkontakt über die Planung, die Installation bis hin zur Wartung der PV-Anlage bietet. Auch unsere Fachpartner werden in diese Plattform eingebunden.“

50 Anlagen auf der Liste

Viel zu tun haben die Projektpartner auch schon mit dem, was schon bestellt ist. 50 Anlagen seien derzeit in der Umsetzung, der Großteil werde dieses Jahr noch installiert. Materialmangel und Auftragsüberlastung der Handwerker spielen auch hier eine Rolle.

Was die anstehende Novelle des Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) noch an veränderten Rahmenbedingungen beschert, bleibt abzuwarten. Als „Rundum-sorglos-Paket“ beschrieben aber Jochen Baudrexl, sein Vertriebschef Thomas Gaide und Berater Alexander Behler dieses Produkt.

Alles aus einer Hand

Die GSW nehmen Beschaffung. Installation, Wartung und Abrechnung in die Hand. Der Kunde zahlt das mit einer monatlichen Pacht. Nach 18 Jahren gehört ihm die Anlage. Für vermietete Objekte kommt das Modell übrigens nicht in Betracht. Das Eigenstromprivileg besteht nur, wenn Pächter und verbrauchender Kunde dieselbe Person sind.

Ob mit diesem Modell oder durch eigenes Invest, für die Stadt Bergkamen stehe fest, dass dieses siebte Solardach nicht das letzte auf ihren Dächern ist, wie Dezernent Ulrich ausführte. Fünf potenzielle Kraftwerksstandorte stehen auf seiner Liste. Darunter auch die Eishalle, die mit Dachgröße wie auch dem Energiebedarf wohl herausragen dürfte.

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