Gelände für nachhaltige Unternehmen nutzen

Grüne: Keine Recycling-Anlage auf Kraftwerksgelände in Heil

Das Steag-Kraftwerk in Bergkamen-Heil: Wann die Kohleverstromung hier endet, steht noch nicht fest. Über die Nachnutzung der Fläche wird aber schon gesprochen.
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Das Steag-Kraftwerk in Bergkamen-Heil: Wann die Kohleverstromung hier endet, steht noch nicht fest. Über die Nachnutzung der Fläche wird aber schon gesprochen.

Die Grünen in Bergkamen fordern eine „offene und öffentliche Auseinandersetzung“ zur Nutzung der Steag-Fläche in Heil nach dem absehbaren Ende der dortigen Kohleverstromung. Konkret befürchten sie, dass dort eine Anlage zum Recyceln von Abfällen entstehen könnte. Dabei wären „innovative, zukunftsgerichtete und nachhaltige Unternehmensansiedlungen“ aus ihrer Sicht die bessere Alternative.

Bergkamen – Anlass für die Befürchtung gab laut Grünen ein Gespräch, das Landrat Mario Löhr Anfang des Monats unter anderem mit Vertretern von Remondis geführt hat. Das in der Kreislaufwirtschaft tätige Unternehmen in Lünen soll dabei Interesse an der künftigen Nutzung des Kraftwerksgeländes in Heil geäußert haben, heißt es.

Michael Schneider, Pressesprecher von Remondis, bestätigt, dass es das Gespräch gegeben hat; er sei selbst dabei gewesen. Allerdings sei es allgemein um die Zukunft der Kraftwerksstandorte in der Region gegangen, nicht konkret um Heil. Diskutiert worden sei unter anderem, wie man hiesige Flächen einbinden könnte zur Gewinnung von Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energien.

Steag soll sich um Stillegung bewerben

Im Kraftwerk Heil wird nach wie vor Strom produziert. Nach Kenntnis der Grünen ist die Steag mit der Anlage in die zweite Ausschreibungsrunde zur Stilllegung von Kohlekraftwerken gegangen. Das Unternehmen selbst macht dazu aus Wettbewerbsgründen keine Angaben. Bei der ersten Ausschreibungsrunde hatte der ältere der beiden Steag-Kraftwerksblöcke in Duisburg-Walsum einen Zuschlag bekommen. Bekanntlich ist der Kohleausstieg in Deutschland bis spätestens 2038 beschlossene Sache.

Die Steag GmbH

Die 1937 gegründete Steag GmbH mit Sitz in Essen gehört seit 2014 zu 100 Prozent einem Stadtwerke-Konsortium aus dem Ruhrgebiet. 2019 erwirtschaftete das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mit 6378 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro. In Deutschland werden – größtenteils auf Basis erneuerbarer Energien – selbst oder mit Partnern mehr als 400 dezentrale Erzeugungsanlagen betrieben, ferner sechs eigene thermische Großkraftwerke an Ruhr und Saar sowie ein Raffineriekraftwerk in Leuna (Sachsen-Anhalt). 2200 der insgesamt 7200 MW Leistung werden im Ausland erzeugt.

Eine Auseinandersetzung über den Standort Heil ist nach Ansicht der Grünen „dringend“ erforderlich. Man befürchte, „dass die Weichen zur zukünftigen Entwicklung der Fläche am Rat der Stadt Bergkamen vorbei gestellt werden“, heißt es in einer Mitteilung des Fraktionsvorsitzenden Thomas Grziwotz. Die Antwort der Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklungs, wonach noch keine Festlegungen erfolgt seien, habe die Bedenken nicht zerstreuen können.

Erneubare Energien statt Recycling

„Den Standort in Heil für die Kreislaufwirtschaft zu entwickeln, ist für die Grünen keine Option“, betont Grziwotz. Angesichts des Klimawandels favorisierten sie eine Nachfolgenutzung „im Bereich erneuerbarer Energien, wozu sicherlich auch die Wasserstofftechnologie zählt“. Jedoch sollte dabei nicht einseitig auf Remondis gesetzt werden, sondern die Kooperation mit Universitäten und einschlägigen Instituten gesucht werden, heißt es. Auch kleinere und mittelständischen Unternehmen sollten zum Zuge kommen, denen in Bergkamen zurzeit keine Gewerbeflächen angeboten werden könnten.

„Ideal wäre es, wenn sich die Stadt Bergkamen mit der Steag gemeinsam in Richtung erneuerbare Energien verständigen könnte“, heißt es bei den Grünen. Sie verweisen zudem darauf, dass Remondis in der Vergangenheit bereits versucht habe, die Mehrheit an Steag zu übernehmen. Auch dies unterstreiche „den dringenden Handlungsbedarf“.

Angst vor Mülltourismus

Die Grünen wollen ihre Absage an eine Recyclinganlage nicht missverstanden wissen. „Solange Müll produziert wird, hat auch die Kreislaufwirtschaft ihre Berechtigung; ist es doch besser, Abfälle zu recyceln, als sie zu deponieren, zu verbrennen oder zu exportieren“, heißt es. Noch besser wäre es jedoch, wenn Industrie und Verbraucher stärker auf Müllvermeidung setzen würden.

Mit dem Umweltkontor“ und dem M&R Recycling Solutions leiste Bergkamen bereits „einen ansehnlichen Beitrag im Bereich der Kreislaufwirtschaft“, führen die Grünen weiter aus. Mit Blick auf Heil müsse vermieden werden, dass es zu einem „Mülltourismus“ kommt und womöglich Abfälle aus ganz Europa angekarrt wurden.

Remondis ist mehr als Recycling

Remondis-Sprecher Schneider erläutert, dass das Unternehmen schon jetzt stark im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sei, etwa durch Beteiligungen an Biomassekraftwerken. Auch der Gewinnung von Wasserstoff aus „Erneuerbaren“ stehe man offen gegenüber.

Im Übrigen leiste die Rohstoff- und Kreislaufwirtschaft schon jetzt einen „erheblichen Beitrag zum Klimaschutz“. Gegenüber der Neuherstellung von einer Tonne Kunststoff etwa würden beim Recycling etwa 1,2 bis 1,6 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Beim Wiederverwerten von Aluminium steige der Wert auf zwischen 28 und 40 Tonnen. Auf Landesebene werden die Beiträge der Rohstoff- und Kreislaufwirtschaft zum Klimaschutz laut Schneider regelmäßig gewürdigt.

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