Drei Völker verschwunden

Großer Verlust für Imker aus Bergkamen: Diebe stehlen etwa 180000 Bienen

Bienen
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Drei Bienenvölker von Imker Jan Wippich sind spurlos von ihrem Standort an der Hansastraße verschwunden.

Unbekannte haben einem Imker aus Bergkamen drei Bienenvölker mit etwa 180000 Tieren gestohlen und das ist nicht der einzige Verlust.

Bergkamen – Bienen hat Jan Wippich schon seit vielen Jahren. Schon als 15-Jähriger begann er mit der Imkerei. Nach einigen Jahren Pause im Erwachsenenalter schaffte er sich 2017 wieder ein paar Völker an. So etwas wie jetzt ist ihm allerdings noch nie passiert: Honig- und Bienendiebe suchten ihn innerhalb einer Woche gleich zweimal heim. Er hat Anzeige erstattet. Aber daran, dass die Täter gefasst werden, glaubt der Imker nicht. „Das wäre schon ein riesiger Zufall“, sagt er.

Als erstes kamen die Bienendiebe an den Standort der Bienenkästen an der Hansastraße in Overberge. Sie stahlen drei Bienenvölker. „Ich habe Wirtschaftsvölker. Eins davon besteht um diese Jahreszeit aus etwa 50 000 bis 60 000 Bienen“, erklärt Wippich. Ein viertes Volk sei auch schon verpackt gewesen. Mit den Tieren verschwanden auch die Honigzargen beziehungsweise die Honigrähmchen. „Pro Honigzarge kann man von zehn bis 15 Kilo Honig ausgehen“, sagt er.

Hunderte Bienen sterben in der Kälte

Nur ein paar Tage später rückten an den verbliebenen Bienenstöcken erneut ungebetene Besucher an. Die Täter in der Nacht von Sonntag auf Montag hatten es vornehmlich auf den Honig abgesehen. „Sie haben Honigrähmchen aus den Stöcken genommen und die Bienen abgeschüttelt und auf dem Gras abgestrichen“, sagt Wippich. Ein paar Hundert Bienen, schätzt er, starben, weil sie dem schlechten Wetter in der Nacht schutzlos ausgeliefert waren. „Es fehlte ihnen an der Wärme, die sie brauchen.“

Insgesamt verlor der Imker drei Bienenvölker – also rund 180 000 Bienen – und neun Honigzargen. „Das sind mindestens 90 Kilo Honig, vermutlich deutlich mehr“, sagt der Rentner. Er hat zwei Theorien, wie es zum Bienendiebstahl kam. „Möglicherweise sind einem Pseudoimker über den Winter Völker kaputt gegangen und das war jetzt ein billiger Einkauf. Oder sie wurden auf Bestellung gestohlen.“

Nach dem ersten Diebstahl habe er noch gedacht, dass nun wieder Ruhe einkehren würde. Zumal es in dieser Region auch selten vorkomme, dass Bienen gestohlen werden. Nach dem zweiten Vorfall zog er nun aber die Konsequenzen und räumte das Gelände, auf dem seine Bienenstöcke bisher in Absprache mit der Stadt standen. Der Standort sei zwar gut gewesen. „Sie standen schön nahe am Raps, das bringt einen guten Ertrag“, sagt Wippich. „Aber was bringt einem ein schöner Garten, wenn dann am Ende ein anderer erntet? Es hat keinen Sinn, die verbliebenen Völker dort stehen zu lassen.“

Suche nach neuem Standort

Aktuell ist er auf der Suche nach einem neuen dauerhaften Standort für die Bienenstöcke. Denn die Imkerei an den Nagel hängen will der 65-Jährige definitiv nicht. „Natürlich bin ich traurig, aber es muss weitergehen, ich gebe nicht auf.“ Auch die Zahl seiner Bienenvölker möchte Wippich wieder aufstocken. Neun Völker hat er bisher beim Veterinäramt angemeldet, so viele Stöcke darf er also haben. „Das muss alles nachgehalten werden, falls mal eine Seuche ausbricht“, erklärt er. Zur Imkerei gehöre so viel mehr, als sich einen Bienenstock in den Garten zu stellen. „Das ist nicht ohne, es ist aufwendig und viel Arbeit“, sagt er. „Wenn man es gut macht, kann man von April bis zum Ende des Sommers seinen Urlaub vergessen, man muss jeden Tag am Stand sein, einmal wöchentlich eine Schwarmkontrolle machen.“

Darum hofft er, dass die gestohlenen Bienenvölker wenigstens zu jemandem gekommen sind, der ein bisschen Ahnung hat.

Eine extra Versicherung, die den finanziellen Schaden auffangen kann, gibt es zwar nicht. „Aber die Bienen sind über den Verband versichert“, sagt Wippich. Der entsprechende Antrag sei schon gestellt. Für ihn ist das aber nur ein geringer Trost. Es sei nicht das Gleiche, er wolle kein Geld, er wolle die Bienen haben. Sein Herz hängt einfach an der Imkerei, schon seit Jugendtagen. „Wenn man einen Bienenstock aufmacht, das Summen, der Duft von Bienen und Wachs – das ist etwas Herrliches.“

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