FFP2-Masken

Großer Ansturm: Apotheken in Bergkamen haben schon zehntausende Masken herausgegeben

Apotheke Rünther Straße FFP2-Masken
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Christine Bolschowski hat für ihren Mann die Masken an der Apotheke Rünther Straße besorgt. Sie ist froh, noch welche ergattert zu haben. In einigen Apotheken waren die Masken nach dem Ausgabestart schnell vergriffen.

Einen enormen Ansturm auf FFP2-Masken meldeten die Bergkamener Apotheken in den ersten Tagen der Ausgabe. Einige Apotheken hatten Großbestellungen aufgegeben, andere waren eher vorsichtig. Entsprechend waren bei einigen Apotheken kurz nach Ausgabestart keine Masken mehr vorhanden. Sehr unterschiedlich handhabten die medizinischen Versorger das Prozedere der Ausgabe.

Bergkamen - „Alle weg“, sagt Svenja Grüner aus der St. Barbara-Apotheke in Weddinghofen. 1500 Masken heißt das in Zahlen. Umgerechnet in berechtige Personen über 60 Jahre oder mit ärztlicher Indikation waren es 500 Menschen, die ihre drei Masken an den ersten Tagen abholten. „Wir haben 2000 nachgeordert“, erklärt die pharmazeutisch Kaufmännische Assistentin (PKA). Die Ausgabe erfolgt direkt in der Apotheke.

Auf die Vorlage einer Kundenkarte, die einige Hammer Apotheken verlangen, verzichtet die Barbara-Apotheke. „Wir geben aber nur an Bergkamener raus“, unterstreicht Grüner. Es gebe tatsächlich Masken-Tourismus. „Wir mussten hier jemanden aus Werl abweisen“, erzählt die PKA. Nachhalten, ob jemand mehrere Apotheken abklappert, sei aus ihrer Sicht unmöglich. „Ich persönlich glaube aber, dass das passieren wird.“

„Schönes Weihnachtsgeschenk“

Einfach sei die Ausgabe auch nicht. „Es gibt Kunden, die ein Tauschgeschäft vorschlagen. Die wollen gar keine FFP2-Maske, weil man da so schlecht Luft kriegt, sondern zum Beispiel lieber eine normale dünne oder gar eine FFP3 mit Filter. Wir haben also gut zu tun.“

In der Kant-Apotheke in Oberaden waren am Donnerstag noch FFP2-Masken vorhanden. „Aber es war ein riesiger Ansturm in den ersten beiden Tagen, circa 3500 Masken gingen aus dem Fenster zum Hof“, sagt Katrin Schmidt. Die Apotheke hat eine zusätzliche Ausgabemöglichkeit geschaffen für Menschen, die nur das Maskenkontingent abholen wollen. „Wir wollen den normalen Apothekenbetrieb nicht stören“, so die pharmazeutisch technische Assistentin. Sie und ihre Kollegen geben an alle aus, die berechtigt sind, gegen Ausweis oder ärztliche Bescheinigung. „Es wäre aber schöner, wenn tatsächlich die Kunden nur zu ihren Stammapotheken gingen.“

„Das war ein schönes Weihnachtsgeschenk“, freut sich Christine Malek. Sie hatte ihren Sohn ins Ärztehaus an der Louise-Schröder-Straße gefahren und sah den Hinweis auf die Ausgabe der Sonnenapotheke. Die hatte nämlich, um den reibungslosen Ablauf des normalen Betriebs zu gewährleisten, Weihnachtsbuden vor das Haus gestellt. „Ich bin hin und habe für mich und meinen Lebensgefährten Masken bekommen, sogar ohne Ausweis und ohne unterschreiben zu müssen.“ Malek hatte am Mittwochmorgen vergeblich versucht, in der heimischen Römerberg-Apotheke Masken zu bekommen. „Weil ich dort Medikamente für meinen Lebensgefährten abgeholt habe, der dort registriert ist.“ Dort hätte man eine Vollmacht verlangt, erzählt Malek.

15000 Masken hat die Sonnen-Apotheken ausgegeben

„Wie sagte Herr Spahn so schön: ,Eine Selbstauskunft reicht‘ “, meint Dieter Schaar zum kundenfreundlichen Umgang mit der Maskenausgabe. „Wir lassen uns aber auch mal den Ausweis zeigen, oder begründen warum jemand, der jünger ist, eine FFP2-Maske benötigt. Wir haben außerdem keine Beschränkungen auf unseren Kundenstamm“, erklärt der Apotheker und stellvertretende Leiter der Sonnenapotheke in Bergkamen-Mitte. 20 000 Masken habe man bestellt, 15 000 davon sind bereits rausgegangen. Das entspricht sage und schreibe 5000 Personen.

Thomas Brongkoll gibt die Masken an der Apotheke Rünther Straße aus.

Christine Bolschowski steht währenddessen vor der Apotheke Rünther Straße an. Für ihren Mann Dieter. Sie selbst sei nicht berechtigt. „Ich habe den Ansturm abgewartet“, sagt sie, „weil ich gehört habe, dass bei der Alten Apotheke die Leute in der Schlange und im Regen standen.“ Angerufen, ob an der Rünther Straße Masken vorhanden sind, hat sie nicht, aber sie hat Glück. Mit drei Exemplaren fährt sie nach Hause.

„Ich habe schon Masken“, meint Kerstin Köck am selben Ort. Eben war sie in der Alten Apotheke. Dort sei sie registriert, hier in der Apotheke Rünther Straße hingegen ihr Mann, für den sie Medikamente abholt. Auf die Idee, hier einfach noch einmal zuzugreifen, würde sie nicht kommen. „Außerdem leiste ich ja eine Unterschrift. Ich denke, das wird kontrolliert.“

Doppelte Anzahl an Kunden

„Nein“, stellt Thomas Brongkoll klar. „Wir überprüfen per Ausweis oder durch Nachfragen die Berechtigung“, erklärt der angestellte Apotheker. „Ansonsten haben die Apotheker und die Politik an die Ehrlichkeit und Solidarität der Menschen appelliert, ich hoffe mit Erfolg.“ Dass dem durchaus so sein könnte, zeigt Brongkoll an einem Beispiel auf. „Wir haben sogar schon gehabt, dass Masken zurückgebracht wurden, weil ein Paar sich parallel und dann für beide versorgt hatte.“ Die Nachfrage nach Masken sei enorm gewesen. „Mehr als die doppelte Zahl an Kunden“, schätzt Brongkoll. Der Verbund der vier Apotheken, zu dem auch die in Rünthe gehört, bestellte insgesamt 20 000 Masken. 2000 gingen am Kanal über die Theke.

Abgerechnet werde die aktuelle Dezemberlieferung über den „Nacht- und Notdienstfond“, in den die Apotheken solidarisch einzahlen. Dieser Fonds müsse sich das Geld vom Ministerium zurückholen. Ab Januar verschicken die Krankenkassen Gutscheine für das Kontingent von sechs Masken, dass den gefährdeten Personen dann zusteht.

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