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Großer Andrang beim CDU-Neujahrsempfang

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Die Platz-Kapazitäten der Ökostation waren voll ausgeschöpft.
Die Platz-Kapazitäten der Ökostation waren voll ausgeschöpft. © Redaktion

HEIL - Mehrere hundert Gäste aus Partei, Politik, Wirtschaft, Verbänden, Vereinen und Institutionen strömten am Sonntagvormittag zum Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbands Bergkamen in die Ökologiestation in Heil.

„Man sieht: Der CDU-Neujahrsempfang ist mittlerweile eines der gesellschaftlichen Ereignisse in der Stadt“, schlussfolgerte Vorsitzender Marco Morton Pufke in seiner Begrüßung lachend. Tatsächlich hatte die CDU einen neuen Besucherrekord zu verbuchen. „Die Kapazitätsgrenzen des Raumes sind mehr als ausgereizt“, stellte Pufke fest.

Mit Blick auf die anstehenden Wahlen am 25. Mai wollte Pufke keine Wahlkampfrede halten („Das haben wir auf dem Neujahrsempfang noch nie gemacht“), politisch war sie allerdings doch - und auch so manche Spitze gegen die absolute Mehrheit der Sozialdemokraten im Rat und „die von ihnen beherrschte Verwaltung“ konnte sich Pufke nicht verkneifen.

Vieles müsste jetzt angepackt werden. Warum gebe es in Bergkamen 13,8 Prozent Schulabbrecher, warum sei jeder zehnte Bürger von staatlichen Transferleistungen abhängig, warum fehlten im Kreis Unna 7 500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, warum habe der Kreis Unna eine der schlechtesten Finanzlagen in NRW und warum liege die Summe der Liquiditätskredite, sprich Kontoüberziehungen, im Kreis bei einer halben Milliarde Euro? Zahlen, die in seiner Zuhörerschaft ein Raunen hervorriefen. „Trotz der kaum schmeichelhaften Zahlen dürfen wir die Wahrheit nicht an die Seite schieben: Wir haben in der Vergangenheit geschlafen“, erklärte Pufke. „Der Wegfall des Bergbaus darf keine Entschuldigung mehr sein.“

Vor dem 25. Mai wolle er von der SPD noch Antworten auf drei Fragen: Wo könnten Windenergieanlagen entstehen? Was passiere mit den Freizeiteinrichtungen wie Wellenbad und Eishalle? Wo könnten neue Gewerbegebiete ausgewiesen werden? „Da darf es kein Verstecken hinter Gutachten geben.“

Weitere Diskussionspunkte für den allgemeinen Austausch nach dem offiziellen Teil gab das im Vorfeld mit Spannung erwartete Referat der Autorin und Journalistin Birgit Kelle, deren Bild von Familie, Familienpolitik und Frauen polarisiert. In Bergkamen erhielt sie jedoch mehrfach spontanen Applaus - und so mancher versicherte ihr im Anschluss, dass sie ihm oder ihr aus der Seele gesprochen habe.

Kelle, selbst CDU-Mitglied und Mutter von vier Kindern, prangerte die aktuelle Familienpolitik als heimliche Wirtschaftspolitik an und wetterte gegen das Bild der Hausfrau und Mutter als Heimchen am Herd, als Latte-Macchiato-Mutter, die zuhause ihr Potenzial vergeude, oder - bei Engagement fürs Kind - als alles überwachende Helicopter-Mutter verschrien sei.

„Elterliche Erziehung wird nicht nur nicht wertgeschätzt, sondern gar verunglimpft. Aber wo wir auch hingucken, überall schaffen wir Ersatzstrukturen für Familie.“ Es gebe Tagesmütter, Leih-Omas oder Mehr-Generationenhäuser: „Warum investieren wir soviel in den Ersatz, statt gleich das Original zu fördern“, fragte sie. Denn, so sei sie sich der wirklichen Zahlen sicher, der Großteil der Kinder lebe in einer Mutter-Vater-Kind-Familie. Daher solle man aufhören, eine Politik für Minderheiten zu machen, die dann Auswirkungen auf alle habe. - tat

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