Grillabend eskaliert

Zwei Männer sollen in Bergkamen einen Nachbarn geschlagen und getreten haben

Ein Bergkamener und sein Freund müssen sich vor dem Amtsgericht Kamen verantworten
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Das mutmaßlich Opfer wollte vor dem Amtsgericht in Kamen aber nicht aussagen.

Bergkamen – Als ein Bergkamener am 17. August vergangenen Jahres seinen Nachbarn und einen Freund zum gemeinsamen Grillen einlud, ahnte er noch nicht, dass sich die drei Männer einige Monate später im Amtsgericht Kamen wiedersehen würden.

Dort warf die Staatsanwaltschaft dem Bergkamener und dessen Freund nun vor, dem Nachbarn nach einem verbalen Streit Faustschläge ins Gesicht verpasst zu haben. Als der Mann am Boden gelegen habe, sollen die beiden zudem auf ihn eingetreten haben. Das hat der Nachbar der Polizei erzählt.

Im Gericht zog es der Bergkamener vor, zu schweigen. Sein Kumpel aus Kamen berichtete hingegen, dass nicht sie den Nachbarn angegriffen hätten, sondern dass dieser die beiden Freunde mit Migrationshintergrund zunächst rassistisch beleidigt hätte. So habe der Nachbar zum Beispiel ihre türkische Musik als „Scheiß“ bezeichnet. Zudem habe der 37-Jährige den Kamener als „Hurensohn“ betitelt.

Angebliches Opfer verweigert die Aussage

Nach dieser Bemerkung sei es zum Streit zwischen den beiden Männern gekommen, in dessen Verlauf der Nachbar mit erhobenen Fäusten auf den Kamener zugekommen sei. Der habe lediglich reagiert: „Ich habe mich nur gewehrt.“ Der Bergkamener sei schließlich dazwischen gegangen und habe die Streitenden auseinandergebracht. Tritte habe es keinesfalls gegeben.

Sowohl der Bergkamener als auch sein Freund hätten sich auf eine außergerichtliche Schlichtung eingelassen. Doch dazu war der Nachbar nicht bereit. Und so trat er nun als Zeuge auf. „Ich werde mich nicht dazu äußern“, schmetterte der 37-Jährige sofort los. Der Richter machte ihm klar, dass er das aber müsse. Er habe aber Angst, mit seiner Aussage Sachen zuzugeben, die er selbst getan hatte, begründete der Bergkamener seinen Wunsch, zu schweigen. Wenn das so sei, habe er tatsächlich ein Zeugnisverweigerungsrecht, erwiderte der Richter. Er müsse nichts sagen, mit dem er sich selbst belasten würde.

Da es keine weiteren Beweismittel gab, sprach der Richter die beiden Männer am Ende frei. Der Zeuge habe seine Aussage gegenüber der Polizei nicht wiederholt. Und so gelte der Grundsatz: „Im Zweifel für den Angeklagten.“

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