Richtig gut bis mager: Ernte fällt sehr unterschiedlich aus

Bei schönstem Sommerwetter sollte die Getreidernte eingebracht werden. Daher sind die meisten Felder schon abgeerntet. In Sachen Ertrag ziehen die Bergkamener Landwirte eine gemischte Bilanz.

Bergkamen – Zügig haben die Bauern in Bergkamen und Umgebung die diesjährige Getreideernte eingefahren. „Wer solche Werte auf dem Feld hat, hält sich ran und will es weghaben“, sagt Heinz-Dieter Kortenbruck, der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Vereins Bergkamen. Von Schauern wie am Sonntag wollte sich niemand überraschen lassen und seine Arbeit unterbrechen müssen. Deshalb sind die Felder nun weitgehend abgeerntet. „Unterdurchschnittlich“, findet Kortenbruck die Ausbeute im Überblick.

Dabei gestalten sich die Erträge in diesem Jahr „sehr, sehr unterschiedlich“, so Kortenbruck: „Es gibt Flächen, auf denen haben wir Bauern richtig gut geerntet, aber auch Flächen, da fiel die Ernte mehr als mager aus“, sagt auch Hans-Heinrich Wortman, der aus Kamen stammende Vorsteher des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Besonders das sonnige und trockene Frühjahr sei dafür verantwortlich.

Der Ertrag der Landwirte hängt letztlich davon ab, wie viel es wann und wo geregnet hat. Denn selbst, wenn das Wasser vom Himmel fällt, heißt das nicht, dass alle gleichermaßen davon profitieren. Kortenbruck nennt als Beispiel den Sonntag, bei ihm zwischen Naturfreibad Heil und Westenhellweg seien 17 Millimeter Niederschlag gefallen in Sandbochum 35, in Senden dagegen gar keiner.

Leichter Sandboden wird zum Problem

Sandbochum ist ein anderes Stichwort, denn der dort und entlang der Lippe zu findende leichte Sandboden kann das Wasser nicht so gut speichern wie ein nördlich und südlich vorkommender Untergrund mit höherem Lehmanteil. Die Trockenheit wird dann eher zum Problem, was zu den unterschiedlichen Erträgen führt. Zu Beginn des Jahres, im Januar und Februar, hatte es allerdings noch viel geregnet. „Da hatten viele Angst, dass es zu nass wird“, sagt Kortenbruck: „Doch das hörte abrupt auf.“

Das Frühjahr war sehr lange trocken, erst dann gab es wieder mehr Niederschläge. „Es war insgesamt zu wenig. Es war ein zu trockenes Frühjahr, und wir hängen ja schon drei Jahre hinterher. Wir haben so niedrige Grundwasserstände, um die aufzufüllen, müsste es zwei Wochen lang regnen“, sagt der Bergkamener.

Wenn Kortenbruck nun Bilanz für den Ortsverein zieht, sind die Ergebnisse unterschiedlich. Bei der als erstes geernteten Gerste habe das Wasser auf den besseren Böden noch gereicht, auf den leichteren Sandböden schon nicht mehr. „Wir hoffen immer auf zehn Doppelzentner, dann ist der Bauer zufrieden“, sagt der Vereinsvorsitzende und spricht von einem Ertrag zwischen fünf und zehn Doppelzentnern.

Dem Weizen wiederum sei es zu trocken gewesen, den späten Regen habe er aber nutzen können. Die Ähren seien weniger gewesen, dafür wäre die Kornqualität sehr gut. Am Ende wird wohl ein durchschnittliches Ergebnis herausspringen.

Landwirt Heinz-Dieter Kortenbruck aus Heil spricht von einer stressfreien Ernte.

Stressfreie Ernte, Corona in Teilbereichen mit Auswirkungen

Die Ernte selbst verlief dagegen dank des zuletzt beständigen Wetters stressfrei, so Kortenbruck, von der Hand. Auf den Feldern stehen nun noch Kartoffeln, mit deren Einfuhr mittlerweile begonnen wurde, die Zuckerrübe und der Mais.

Das Thema Corona hat die Landwirte bei ihrer Arbeit kaum belastet. „Wir sind Einzelkämpfer“, sagt Kortenbruck. Lediglich bei Gemüse und Sonderkulturen wie Spargel und Erdbeeren, wo auch einmal Fremdarbeiter eingesetzt werden, sei das anders gewesen. Die Spargelzüchter bekamen zudem den Lockdown in der Gastronomie voll zu spüren. Dennoch haben alle heimischen Bauern die Entwicklung im Blick. „Wenn Probleme auftreten, schlägt das immer auf uns zurück“, weiß Kortenbruck, dass er und seine Kollegen mit niedrigen Preise zu kämpfen haben, wenn es irgendwo in der Nahrungsverwertungskette hakt.

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