Corona-Schnelltest für den Hausgebrauch

Geteilte Meinung in Bergkamen: Diese Vor- und Nachteile bringen Corona-Schnelltests in Laienhand

Der Rünther Apotheker Johannes Hermes will, dass die Durchführung von Corona-Tests weiter in professioneller Hand bleibt.
+
Der Rünther Apotheker Johannes Hermes will, dass die Durchführung von Corona-Tests weiter in professioneller Hand bleibt.

Das Bundesgesundheitsministerium möchte Corona-Schnelltests für den Hausgebrauch zulassen. Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen mag, überzeugt aber nicht jeden. Die Meinungen über den Sinn und Nutzen der Tests, die die Nutzer bei sich selbst oder Angehörigen durchführen, gehen in Bergkamen auseinander.

Bergkamen - Während der Bergkamener Mediziner Dr. Hermann Bründermann die Selbsttests unter einer Bedingung für sinnvoll hält, sieht Johannes Hermes, Inhaber der Alten Apotheke in Rünthe, die Idee eher kritisch.

Bründermann, der in einer Rünther Gemeinschaftspraxis praktiziert, bezeichnet die möglicherweise kommenden Selbsttests als „sehr, sehr sinnvoll“. Eine Einschränkung macht er allerdings: „Man muss es den Leuten beibringen, wie die Tests richtig durchgeführt werden.“ Darin sehe er aber kein großes Problem. „An anderer Stelle machen wir das ja auch und das schon seit sehr langer Zeit.“ Als Beispiel führt er Diabetiker an, die ihren Blutzuckerwert messen, und Menschen, die Blutverdünner wie Marcumar nehmen und den Gerinnungswert ihres Blutes selbst bestimmen, um die Dosierung der Medikamente entsprechend anzupassen.

Eine vorhergehende Schulung sei unabdingbar. „Aber nach einer solchen Einweisung kann die Tests jeder durchführen“, betont er. Auch das Fachpersonal beispielsweise in Altenheimen, das die Corona-Schnelltests bei Bewohnern, Mitarbeitern und Besuchern durchführe, sei geschult worden. „Sie wussten vorher auch nicht, wie man das richtig macht“, so Bründermann.

Für den Arzt überwiegen die Vorteile

Befürchtungen, wer sich selbst teste, „schone“ sich und führe das Wattestäbchen nicht tief genug in Rachen und/oder Nase, weil es zu unangenehm sei, teilt er nicht. Natürlich ist auch ihm bewusst, dass das Risiko der falschen Durchführung besteht. „Ein gewisser Prozentsatz wird den Test nicht richtig machen“, vermutet er. Daher sei es eine Abwägungsfrage. „Aber die Vorteile der Selbsttests überwiegen“, findet er.

Zumal er selbst findet, dass gerade der Nasenabstrich angenehmer selbst zu machen sei, als wenn ein anderer ihn durchführt. „Es gibt ein paar Kurven in der Nase, denen man selbst einfacher folgen kann“, erklärt er. Wichtig sei, betont er, einen Nasen- und Rachenabstrich zu machen. „Nur eins von beiden ist nicht aussagekräftig genug.“

Apotheker sieht Schnelltest derzeit lieber in Fachhänden

Apotheker Johannes Hermes dagegen findet, dass die Schnelltests in ihrer derzeitigen Art nur in die Hände von Fachleuten gehören. „Sonst sind die Ergebnisse schnell verfälscht und falsch interpretiert“, befürchtet er.

Reichlich Erfahrung gesammelt mit den Corona-Schnelltests hat Stephanie Humpert-Schöße als Leiterin des Seniorenheims Seniorenglück Haus Rünthe. „Wir haben seit Mitte Oktober rund über 2000 Tests durchgeführt“, berichtet sie. Für geschulte Fachkräfte seien die Tests einfach zu handhaben. Ob allerdings bei Ungeschulten das Wissen ausreichend sei, um die Schnelltests optimal durchzuführen, sei fraglich. Ebenso fraglich sei, ob diejenigen, die sich selbst oder Angehörige testen, so tief wie notwendig mit dem Wattestäbchen in Rachen und Nase vordringen.

Test immer nur eine Momentaufnahme

Wie effektiv die bisher durchgeführten Schnelltests Infizierte im Kreisgebiet erkennen, lässt sich übrigens schwer sagen. Humpert-Schöße würde einen positiven Schnelltests zwar sofort an das Gesundheitsamt melden. Eine separate Statistik über die durch Schnelltests ermittelten Infektionen führt der Kreis laut Sprecher Max Rolke allerdings nicht.

Unabhängig davon, ob es um einen von einer Fachkraft durchgeführten Test oder einen Selbsttest geht: Johannes Hermes gibt zu bedenken, dass ein negativer Test auch bei richtiger Durchführung einzig eine Momentaufnahme ist. „Das wiegt einen in falscher Sicherheit“, befürchtet er. Denn eine Infizierung könne schon vorliegen, auch wenn der Schnelltest noch ein negatives Ergebnis zeigt. Darum appelliert er: „Tragt Masken und vermeidet unnötige Kontakte.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare