Proben wurden im Kühlschrank vergessen

Langes Warten in der Hitze: Gesundheitsamt bedauert Pannen beim Corona-Test vor Kita

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Elisabeth Langenberg und ihre Tochter Melina (3) mussten eine Stunde in der Mittagshitze auf ihren Corona Test vor der Kita Eichendorff warten.

Bergkamen – Bei einem Corona-Test vor der Johanniter Kita Eichendorff lief jetzt einiges schief. Weil ein Kind dort positiv auf Covid-19 getestet worden war, mussten am Freitag alle Kinder der betroffenen Gruppe zum Corona-Test und darauf  lange in der Hitze warten. Dann wurden die Proben in einem Kühlschrank vergessen.

Eine Stunde warteten die Eltern mit den zwei- bis fünfjährigen Kindern vor der Kita, bis endlich das Testteam auftauchte und startbereit war. Auf die Ergebnisse, die nach 24 bis 48 Stunden vorliegen sollten, warteten die Eltern vergeblich. Die Proben waren in einem Kühlschrank in Lünen vergessen worden. Erst am Dienstag lagen endlich die Ergebnisse vor. Am Donnerstag sollen alle betroffenen Kinder erneut vor der Kita getestet werden.

 „Das war schon eine Zumutung“, findet Elisabeth Langenberg im Gespräch mit dem WA. Die betroffene Mutter musste am vergangenen Freitag mit Tochter Melina (3) und Sohn Phil (2) zum Coronatest, nachdem bekannt wurde, dass ein Kind in der Kita an der Eichendorffstraße mit dem Coronavirus infiziert ist. „Wir wurden alle gleichzeitig für 11 Uhr zur Kita bestellt und mussten dort vor dem Gebäude mit unseren Kindern mit Abstand in der Reihe warten“, berichtet sie. 

Betroffen waren alle Kinder der blauen Gruppe, die die Maxikinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren besuchen, zu denen auch das infizierte Kind eines Tönnies-Mitarbeiters gehört. Getestet werden sollten alle Kinder der Gruppe sowie die Geschwisterkinder, die andere Gruppen der Kita besuchen. „Alle sollten einen Mundschutz tragen – auch die Kinder – und wir sollten uns mit Abstand in eine Reihe vor dem Kindergarten aufstellen. So warteten rund 15 Kinder der blauen Gruppe und jeweils ein Elternteil sowie Geschwisterkinder eine Stunde in der prallen Mittagssonne auf die Tester.“ Die seien aber erst eine dreiviertel Stunde später aufgetaucht. 

Vor der Johanniter Kita Eichendorff in Bergkamen werden heute erneut Tests durchgeführt.

„Dann musste natürlich erst mal aufgebaut werden und die Schutzanzüge angezogen werden. Sie können sich sicher vorstellen, dass die kleinen Kinder nicht eine Stunde lang Abstand von ihren Freunden halten konnten. Uns dort so stehen und warten zu lassen, finde ich schon sehr unverschämt“, sagt Elisabeth Langenberg. Die Kitaleitung habe immerhin Wasser für die Wartenden ausgegeben. 

„Ich frage mich, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, die einzelnen Familien zeitversetzt zum Test zu bestellen, das hätte die Sache wesentlich erleichtert. Schließlich werden durch so eine Situation ja weitere Infizierungen riskiert.“ Obwohl gerade für Kleinkinder ein Corona-Test durch Menschen in Vollschutzkleidung sehr beängstigend sein kann, hätten die Tester vor Ort sich aber bemüht, auf die Kleinen einzugehen und ihnen die Angst zu nehmen, merkt Elisabeth Langenberg an. 

Kreisgesundheitsbehörde entschuldigt sich

Die zuständige Kreisgesundheitsbehörde Unna bedauert in einer Stellungnahme ausdrücklich den Vorfall und entschuldigt sich bei den betroffenen Familien. „Wartezeiten der zu Tests Aufgeforderten sollen auch unter dem Aspekt der Kontaktvermeidung grundsätzlich vermieden werden“, so eine Sprecherin. Der Kreis habe die Familienangehörigen der bei Tönnies positiv getesteten und im Kreis Unna wohnenden Mitarbeiter getestet. 

„Als am Freitag ein positives Testergebnis eines Kindes vorlag, das die Bergkamener Kita besucht, veranlasste der Kreis noch am selben Tag kurzfristig die Testung der Kontaktpersonen, um die Proben vor dem Wochenende an das Labor weiterleiten zu können.“ Das Bereitschaftsteam der Gesundheitsbehörde sei andernorts eingeplant gewesen, sodass zwei Teams kurzfristig zusammengestellt werden mussten, um in der Kita schnell testen zu können. 

„Vor Ort waren verschiedene Vorbereitungen notwendig, Barcodeaufkleber und Laborbegleitscheine mussten vorbereitet werden, um Verwechslungen zu vermeiden und positive und negative Befunde eindeutig zuordnen zu können, und die Teststrecke musste eingerichtet werden“, erklärt die Sprecherin den verspäteten Teststart. Wo immer zeitlich möglich, würden bei planbaren Einsätzen Personen oder Gruppen zeitversetzt einbestellt. Dass das in diesem Fall nicht möglich gewesen sei, bedauert die Kreis-Gesundheitsbehörde – insbesondere, da kleine Kinder betroffen sind. 

Das zuständige Labor erhielt die Proben erst am Montag.

Die Tester hatten Elisabeth Langenberg versichert, die Ergebnisse würden innerhalb von 24 bis 48 Stunden vorliegen. „Nachdem wir das ganze Wochenende auf ein Ergebnis gewartet haben, habe ich beim Gesundheitsamt Unna und bei dem Labor Krone in Bad Salzuflen angerufen, das die Proben untersucht und auch am Wochenende arbeitet“, berichtet Elisabeth Langenberg. Dort erfuhr sie, dass die Tests noch nicht mal in Bearbeitung waren, weil dem Labor gar keine Proben von der Kita vorlagen. 

„Es geht doch darum, die Krankheit einzudämmen und so schnell wie möglich zu handeln und mögliche weitere Infizierte in Quarantäne zu schicken“, sagt die besorgte Mutter. Aber nach 72 Stunden hatten die Proben der Kinder noch nicht mal das zuständige Labor erreicht. „Das war für mich mehr als unverständlich“, sagt Elisabeth Langenberg. „Genauso wie die Tatsache, dass sich zwar die getesteten Kinder und Erzieher der Gruppe sowie das erkrankte Kind in Quarantäne befinden, aber deren Kontaktpersonen weiterhin normalen Tätigkeiten nachgehen, bis das Ergebnis der Kinder da ist.“ 

Kurier vergisst Proben im Kühlschrank

Seit Dienstag liegen nun endlich die Ergebnisse des Tests vor. Dabei erfuhr die Mutter auch, warum es so lange dauerte, bis das Labor mit den Untersuchungen der Proben beginnen konnte: Ein Kurier habe die Proben aus Bergkamen, die zusammen mit anderen Tests aus dem Kreis Unna in einem Kühlschrank in Lünen zwischengelagert wurden, schlichtweg vergessen. So blieben die Proben das ganze Wochenende unentdeckt und konnten nicht ausgewertet werden. Warum die routinemäßige Abholung in diesem Fall nicht geklappt hatte, ist auch dem Gesundheitsamt nicht bekannt. 

Zwar war der Abstrich der kleinen Melina Langenberg negativ, aber ein weiteres Kind wurde positiv getestet – das zeigten die Ergebnisse am Dienstag schließlich. Vorsorglich hat die Familie ihre Kontaktpersonen informiert und sich präventiv in freiwillige Isolation begeben, um weitere Infektionen zu verhindern. 

Am Donnerstag findet die nächste Testrunde vor der Kita an der Eichendorffstraße statt. Aufgrund des Vorlaufs wird der Test diesmal in zwei Gruppen um 10 Uhr und um 10.30 Uhr durchgeführt, hat das Gesundheitsamt bereits angekündigt.

Einzelheiten zum Testverfahren

Das Testverfahren beim Kreis Unna orientiert sich an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Der Kreis hält sich seit Beginn der Pandemiebekämpfung an die RKI-Vorgaben. 

Kontaktpersonen von Infizierten werden zweimal getestet. Das ist die Gegenprobe, weil der erste Test nicht immer aussagekräftig ist, zum Beispiel wenn die Infizierung erst ganz kurz zurückliegt. Außerdem sind die Tests nicht 100-prozentig zuverlässig, es gibt aber keine anderen Testverfahren.

Quarantäne gilt für die Kontaktpersonen. Kontaktpersonen von Kontaktpersonen werden nicht getestet (zum Beispiel die Familie) gemäß RKI-Verfahren. 

Sollte ein sogenannter Kontakt-zu-Kontakt Symptome zeigen, wird getestet und das beschriebene Verfahren angestoßen.

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